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Mittwoch, 18. Dezember 2019

Schreib-Challenge #3.2019 (Übersicht): Depressionen und das Öffentlichmachen

"Depressionen und das Öffentlichmachen" (Übersicht)



Hallo und herzlich Willkommen zur dritten Runde der Schreib-"Challenge". Für ein letztes Mal in diesem Jahr heißt es: viele Schreiber, ein Thema. Das Gremium, welches für uns die Themen sondiert und auswählt war wieder fleißig und hat auch dieses Mal ein Thema gewählt, was wieder einiges an Umfang beinhalten kann, wenn man will. Es geht um "Depressionen und das Öffentlichmachen" Dieser. 

Ich bin wieder einmal sehr gespannt, wie diese Aufgabe von meinen Mitschreibern angegangen und gelöst werden wird. Dieses Mal haben wir insgesamt fünf Schreiber mit an Bord. David und Lena sind bisher an allen Aufgaben beteiligt gewesen und nun auch wieder mit dabei. Bei Caro hat es leider dieses Mal nicht geklappt. Hinzu gesellt sich ein mysteriöser Schreiber, dessen Identität noch geklärt wird. (Alle Schreiber sind aus der FB-Gruppe des 1 live Freundeskreises, in der ich den erneuten Aufruf gestartet habe).
Die Idee der Schreib-"Challenge" ist ja, dass der Ansatz und das Herangehen an das zu beschreibende Thema völlig im Ermessen des Schreibers liegt. So wird es wieder interessant zu lesen und sehen sein, wie das Thema individuell behandelt und bearbeitet wird. 
Ich bedanke mich schon einmal recht herzlich für das erneute, zahlreiche Mitwirken bei euch Schreibern und danke auch euch, Lesern, dass ihr den Weg hier her gefunden habt, um zu sehen, was die dritte Runde dieser kleinen aber sehr feinen Schreib-Aufgabe mit sich bringen wird. 
Die Challenges werden im neuen Jahr auf jeden Fall weiter fortgeführt werden! Denn es ist, wie ich finde, eine ganz wunderbare Möglichkeit, verschiedene Sichtweisen, Ansätze und Gedanken aus unterschiedlichen Geistern zusammen zu führen und mehr als einen Einblick in ein Thema zu erlangen. 

Hier, unten im Beitrag, findet ihr die Übersicht und die Einzellinks zu allen Beiträgen.


Viel Spaß beim Lesen und eine gute Restzeit in diesem Jahr.

Bis bald - Joe


➤ Schreib-Challenge #3.2019 (David): Depressionen und das Öffentlichmachen

➤ Schreib-Challenge #3.2019 (Joe): Depressionen und das Öffentlichmachen

➤ Schreib-Challenge #3.2019 (Lena): Depressionen und das Öffentlichmachen

➤ Schreib-Challenge #3.2019 (Mystery): Depressionen und das Öffentlichmachen



Schreib-Challenge #3.2019 (David): Depressionen und das Öffentlichmachen


Depressionen und das Öffentlichmachen
 

Ein kleines Drama in fünf Akten
Basiert auf der Kurzgeschichte „Fertig zum Aufgeben“ von Fritz Popp.

Triggerwarnung: Dieses Drama behandelt Themen wie Gewalt in der Familie, Selbstmord und Depression.

1. Akt
Vorfreude

1. Aufzug
Das Ehepaar Georg und Adelheid Kuschinski sitzt im düsteren, penibel symmetrisch eingerichteten Esszimmer zusammen beim Mittagessen.
Georg: Hast du schon unsere Abendgarderobe aus der Reinigung geholt?
Adelheid: Das werde ich heute Nachmittag tun.
Georg: Vergiss das bloß nicht! Darauf haben wir mehr als zehn Jahre gewartet. Reich mir das Salz.
Adelheid: Nein, ich vergesse es nicht.
Sie reicht ihm das SalzGeorg: Wenigstens Sebastian hat nach all den Jahren noch seinen Weg gefunden. Aber du kannst immer noch nicht die Suppe richtig würzen. Na, ich denke, in jeder Familie gibt es ein paar Probleme.
Adelheid erwidert nichts. Langes Schweigen. Man hört nur das rhythmische Schlürfen von Georg.
Georg: Ich wusste immer, was am besten für den Jungen ist. Du wolltest ihn verwöhnen, weißt du noch? Aber ich wusste, er braucht eine strenge Hand. Damit was aus ihm wird. Dr. med., Adelheid! Stell dir mal vor, wir hätten ihn machen lassen, was er wollte! Kinder kommen immer auf so schrecklich dumme Ideen.Er lacht kalt, freudlos und höhnisch.Stell dir mal vor, wir hätten ihn machen lassen. Stell dir mal vor, du hättest das Sagen gehabt. Dann wäre er jetzt Kellner...
Adelheid: Koch. Er wollte Koch werden.
Georg: Dann eben Koch. In irgend so einem runtergekommen Restaurant. Oder vielleicht in einer Imbissbude! Stell dir das mal vor! Pommes Currywurst rot weiß! Gut, dass der Junge mich hatte!
Adelheid: Naja, der Junge von den Müllers hat Restaurantfach gelernt und jetzt sein eigenes Restaurant...
Georg: Ach was, nichts gegen unseren frisch gebackenen Dr. med.! Jetzt haben alle unsere Söhne ihre Promotion, Adelheid! Was ist schon ein Restaurant dagegen?
Adelheid: Naja, ich meine ja auch nur, dass es dem Jungen wohl gut geht damit.
Georg: Und wenn schon, unseren geht es besser. Gut, dass ich da war, damit Sebastian was Sinnvolles aus seinem Leben macht. Gut, dass ich da war.
Georg schlürft seinen letzten Löffel und steht dann auf.Georg: Du musst übrigens noch hier sauber machen, wenn die Jungs heute Abend kommen.

1. Akt, 2. AufzugAdelheid ist alleine und beginnt den Tisch abzuräumen.Adelheid (Monolog): Ich weiß ja, dass er recht hat. Georg hat es immer nur gut gemeint mit den Jungs, damit mal was aus ihnen wird. Als Mutter will man seine Jungs immer nur beschützen. Aber Georg wusste, dass das Leben es nicht gut meint mit einem. Georg hat das Herz am rechten Fleck. Aber manchmal muss man Kinder eben zu ihrem Glück zwingen. Ich war für sowas immer zu weich. Da war's schon gut, dass Georg da war und die Jungs auf den richtigen Weg gebracht hat. Auch, wenn es mir im Herzen weh tat. Adelheid ist mit dem Abräumen fertig und beginnt eifrig, den Raum zu putzen.Adelheid (Monolog): Bei Sebastian war er besonders streng. Das ging aber auch nicht anders. Der Junge wollte immer nur das Schlechteste für sich selbst. Wollte die Schule nicht zu Ende bringen, stell sich das mal einer vor. Zum Glück hat Georg ihm gezeigt, wo es lang geht. Und so schlimm war die Dresche auch nicht. Manchmal braucht es einen Satz heiße Ohren, damit das Köpfchen wieder abkühlt.

2. Akt
Familienidylle

1. Aufzug
Es ist Abend. Familie Kuschinski sitzt fast komplett in dem symmetrisch eingerichteten Esszimmer mit den dunklen, schweren Möbeln. Georg, Adelheid und ihre drei ältesten Söhne Jan, Andreas und Frederick. Vater Georg sitzt am Kopf des Tisches. Ein Stuhl ist leer. Adelheid deckt gerade etwas Wurst und Käse auf.
Jan: Kommt Sebastian nicht?
Adelheid: Der Junge kommt erst morgen. Irgendwann am frühen Abend.
Jan: Wird er es dann pünktlich zur Promotionsfeier schaffen?
Georg: Dem werde ich Beine machen, zur eigenen Promotionsfeier zu spät zu kommen!
Jan: Beruhige dich, er wird schon auftauchen.
Andreas: Na, wundern würd's mich nicht, wenn der zu spät kommt. Mit seinem Abschluss war er ja auch ziemlich spät.
Adelheid: Noch jemand etwas Fleischwurst?
Jan: Na und? Ihm ist wenigstens nicht die Frau schon nach einem Jahr weg gelaufen.
Andreas: Er hat auch keine.
Jan: Da ist er schon mal klüger als du.
Adelheid: Ich habe noch Salami im Kühlschrank.
Andreas: Sie hat sowieso nicht zu mir gepasst.
Jan: Du meinst, weil...
Georg: Jan! Lass deinen Bruder in Ruhe. Der hat alles richtig gemacht. Soll dieses Flittchen doch bleiben wo der Pfeffer wächst.
Adelheid: Wartet, ich habe noch Räucherschinken.
Frederick: Kann ich hier übernachten? Ich habe kein Hotelzimmer mehr bekommen.
Andreas: Du warst schon immer schlecht organisiert.
Georg: Ausnahmsweise. Aber du musst dein Leben endlich in den Griff kriegen.
Frederick: Ja, Vater.
Jan: Frederick hat inzwischen seine eigene Anwaltskanzlei. Er ist organisiert genug, würde ich sagen.
Georg: Ordnung kann nie genug sein. Glaubst du, ich wäre Volksschullehrer geworden, wenn ich so ein Chaot wie du gewesen wäre?
Andreas: Sicher nicht!
Georg: Mein Vater ist noch in den Kohleschächten rum gekrochen. Was meint ihr, wie stolz der war als sein Sohn was aus sich gemacht hatte. Und ich hatte das nicht so einfach wie ihr, glaubt das ja nicht! Wir waren bettelarm, Vater kam nur zum Schlafen nach Hause! Aber Mutter konnte wenigstens die Suppe richtig salzen.
Adelheid: Ich habe noch Fleischsalat da.
Frederick: Es ist gut, wir wollen nicht streiten. Wir sind zum Feiern hier. Mutter, wo hast du den Korn hingelegt? Ich möchte auf die Promotion von Sebastian anstoßen.
Adelheid: Wo er immer ist, mein Junge.
Georg: Deine Mutter kann in ihrem Haus den Schnaps selber holen.
Adelheid steht auf und holt den Schnaps. Danach stoßen alle an.

 
2. Akt, 2. AufzugFamilie Kuschinski ist inzwischen größtenteils zu Bett gegangen. Nur Jan und Frederick sitzen bei einer halb geleerten Flasche Korn noch am Esstisch.
Jan: Dieser scheiß Kerl...
Frederick: Du meinst Vater? Oder Andreas?
Jan: Beide, würde ich sagen.
Frederick: Ach Jan, lass dich nicht immer so runterziehen. Wir sehen die beiden einmal im Jahr, wenn's hochkommt zwei mal.
Jan: Darauf trinke ich. Prosit!
Frederick: Prosit!
Jan: Hast du mal mit Sebastian gesprochen, in letzter Zeit?
Frederick: Nee, wollte ihn nicht ablenken. Wir wissen doch alle, wie schwer so ein Dr. ist.
Jan: Ich hab' vor 'ner Woche mit ihm telefoniert. Er klang etwas melancholisch.
Frederick: Sebastian klingt immer melancholisch.
Jan: Schon, aber ich dachte, wenn er endlich das Studium fertig hat, wird das besser. Endlich der Druck vom Alten weg, du verstehst?
Frederick: Wer versteht das, wenn nicht wir? Prosit auf den Druck! Prosit!
Frederick: Wir sollten schlafen gehen. Müssen doch morgen präsentabel sein.
Jan: Einen noch. Prosit!
Frederick: Prosit!
 

3. Akt
Rache

1. AufzugSebastian Kuschinski betritt das leere Esszimmer mit seinem Koffer in der Hand.Sebastian (Monolog): Hier bin ich also. Es sieht aus wie immer. Wie aus einem Geometrie-Lehrbuch. Vaters Lieblingsraum.
Er schreitet im Zimmer umher.Sebastian (Monolog): Zehn Jahre ist es jetzt her. Es war in diesem Raum, als Vater mir den Brief von der Uni vorlas. Zum Studium zugelassen. Er war überglücklich. Ich am Boden zerstört.Er rückt einen der perfekt am Tisch stehenden Stühle ab.Sebastian (Monolog): Hier hat er mich verprügelt, als ich die Siebte abbrechen wollte. In die Lehre wollte ich gehen, sagte ich. Vaters Argumente waren echte Knochenbrecher. In der Schule musste ich natürlich bleiben. Mitschreiben konnte ich aber für zwei Monate nicht.Er kippt den Stuhl um.Sebastian (Monolog) Der gebrochene Arm war schlimm. Sein Hohn war schlimmer. „Koch ist doch kein Beruf! Mein Sohn wird keine Küchenratte!“
Mutter stand daneben. Die Hände wie eine Nonne im Gebet gefaltet. Den Blick gesenkt. Auf den Boden. Nonnen schauen nicht auf den Boden. Sie schauen in den Himmel.
Für die Uni hatre ich kaum Kraft. Jeden Morgen stand ich auf. Jeden Morgen ging ich dort hin. Lernte. Aß. Schlief. Alles grau. Alles elend. Alles Zwang. Alles für den Traum eines anderen.
Sebastian beginnt wild, die Möbel umzuwerfen.
Sebastian (Monolog): Zehn Jahre hatte ich, um meine Rache zu planen, Vater! Sieh, wie das Wichtigste in deinem Leben in Trümmern liegt!
Er reißt den Lampenschirm von der Decke, darunter kommt ein schwerer schwarzer Eisenhaken zum Vorschein.Sebastian (Monolog): Das Ende deiner Träume, Vater, ist in diesem Koffer. Er holt eine schwarze, stabile Wäscheleine hervor. Ein Ende ist bereits wie ein Strick geknotet. Er befestigt die Leine an dem schwarzen Haken und stellt sich auf einen der dunklen Esszimmerstühle, die Schlinge um den Hals.

 
4. Akt
Chaos für Mama

1. Aufzug
Jan: Was tust du da, um Himmels Willen!
Frederick: Schnell, halt ihn auf!
Sebastian: Wieso... ich dachte, niemand wäre im Haus?
Jan: Frederick, halte ihn fest... genau so.
Sebastian: Lasst mich los!
Frederick: Wehr dich nicht, der Strick ist schon gelöst. Und jetzt setz dich.
Sebastian:
schluchztJan: Ein Glück waren wir hier.
Frederick: Gut, dass du mich besucht hast. Sebastian, sag' mal, spinnst du?
Sebastian: Ihr habt alles verdorben!
Frederick: Was verdorben? Bist du noch bei Trost?
Jan: Komm, Freddy, tu nicht so, als hättest du noch nie darüber nachgedacht.
Frederick: Naja, aber...
Andreas betritt den RaumAndreas: Vater und Mutter warten schon im Auto auf... oh...
Jan: Verschwinde, Andreas.
Frederick: Und kein Wort zu Vater!
Andreas: Wovon? Dass dieser Hanswurst sich aufhängen wollte? Wie erbärmlich!
Jan: Vater ist nicht hier. Du brauchst niemandem in den Arsch kriechen.
Andreas: Jaja, ihr seid die armen Geschlagenen. Schon klar. Papi hat euch nicht lieb. Aber soll ich euch mal was sagen?! Ihr habt alle noch die beste Karte erwischt. Jeder von euch!
Frederick: Ach, Andreas, siehst du denn nicht...
Andreas: Halt dein Maul, Frederick! Halt dein verdammtes, diplomatisches Maul, hörst du?! Du hast Jura studiert, hast deine eigene Kanzlei. Wie oft ruft Vater dich an, hm?
Jan: Mach mal halbla...
Andreas: Und du?! Der geliebte Älteste! Ökonomie studiert, dickes Auto, Liebling vom Chef! Wie oft ruft der Alte dich an? Na los!
Jan: Ich...
Andreas: Ich sage euch was: Mich ruft er jede Woche an! Wann ich endlich Rektor werde, will er wissen. Warum meine Frau mich verlassen hat. Ob ich aus meinem Leben noch was machen will!
Jede Woche! Und das nur, weil ich auch Lehrer geworden bin. In seine Fußstapfen bin ich getreten und damit sein Spiegelbild! Und du willst dich umbringen? Du hattest zehn Jahre deine Ruhe vor Vater! Ich bekomme alles ab! ICH!
Sebastian: Ich wollte mich doch nur rächen.
Andreas: Rächen? Weißt du was eine gute Rache gewesen wäre?! Wenn du Vater heute gesagt hättest, dass du auf deinen Doktortitel scheißt und eine Lehre als Koch anfängst!
Betretenes Schweigen
Frederick: Wisst wir, was wir jetzt machen? Wir gehen einen saufen. Auf meine Rechnung.
Jan: Was ist mit dem Chaos hier?
Andreas: Lass Mutter das aufräumen. Das macht sie doch schon immer für ihn.
Jan: Sebastian, mach wenigstens den Knoten aus der Wäscheleine. Mutter wird sich freuen. Sie liebt praktische Geschenke. Wisst ihr noch, wie sie sich über das Messerset gefreut hat?

5. Akt
Väter

1. AufzugKurz nachdem die jungen Männer das verwüstete Esszimmer verlassen haben, betritt Georg den Raum. Er hatte sich bis dahin in Hörweite verborgen gehalten.Georg (Monolog): So sehen meine Söhne mich also. Sie hassen mich. Alle vier. Dabei wollte ich doch nur das Beste für sie. Was habe ich falsch gemacht? Kinder wollen immer dumme Dinge. Das weiß ich doch selbst! Als mein Vater im Kohlebau gearbeitet hatte, wollte ich Schreiner werden. In der Werkstatt nebenan. Als Kind ließ der Meister mich manchmal helfen. Ich fand es toll, mit Holz zu arbeiten.
Aber Vater wollte das nicht. Er verdrosch mich so heftig, dass mir Hören und Sehen verging. „Du wirst dich nicht im Handwerk krumm machen, Jerzy!“
Vater hatte bereits alles zurück gelassen, als er als polnischer Gastarbeiter nach Deutschland kam. Und als ich die Ausbildung für die Volksschule machen sollte, legten wir auch noch die letzten Reste unserer Herkunft ab. Aus Jerzy wurde Georg.
Er betrachtet den Strick

Epilog
Adelheid betritt das Esszimmer und sieht Georg von dem schwarzen Eisenhaken baumeln. Sie ist nur eine kurze Sekunde wie erstarrt und geht dann in die Küche um mit einem großem Messer in der Hand wieder zu kommen.Adelheid: Gut, dass Andreas mir das Messerset geschenkt hat. Du verunstaltest ja unser schönes Esszimmer, Georg.Sie schneidet die Leiche ihres Mannes los.
Schlusswort:
Womöglich glauben einige jetzt, das habe mit dem Thema „Depressionen und das öffentlich Machen“ wenig bis nichts zu tun.
Die Antwort darauf findet sich eher zwischen den Zeilen. Hätte Georg seine Familie nicht terrorisiert, hätte er seine Söhne nicht in verschiedene Formen der Verzweiflung und Bitterkeit getrieben. Sein Sohn Sebastian konnte sich, entgegen den anderen Söhnen, nicht von seinem alten Traum Koch zu werden trennen und zog sein Studium gegen den eigenen Willen, gegen die eigene Befindlichkeit, gegen die eigene Depression, die eigenen Selbstmordgedanken durch. Wem in dieser kaputten Familie hätte er sein Leid öffentlich machen können?

Schreib-Challenge #3.2019 (Lena): Depressionen und das Öffentlichmachen


Depressionen und das Öffentlichmachen


Was wäre wenn sie es wüssten

Du hast Chaos im Kopf, die Gedanken drücken, du weißt nicht wohin mit ihnen.

Die Tage scheinen trist.

Eintönig.

Nicht zu schaffen.

Du hast Chaos im Kopf, alles scheint unmöglich.

Schwer.

Nicht zu bewältigen.

Einfach nicht zu schaffen.

Du hast Chaos um Kopf, wie sollst du es schaffen?

Du drehst dich im Kreis.

Warum ist es nicht ganz leicht?

Warum ist es für dich nicht ganz leicht?

Warum kannst du nicht auch einfach?

Es ist nicht zu schaffen.

Du hast Chaos im Kopf, alles zieht dich runter, du fühlst dich allein.

Hilflos.

Verlassen.

Machtlos.

Willst du es schaffen?

Bist du wirklich alleine?

Wäre es nicht leichter wenn Sie es wüssten?

Trau dich.

Sei mutig.

Sie wissen es nicht.

Mach den ersten Schritt.

Hilf ihnen zu verstehen.

Hilf ihnen dir zu helfen.

Steh für dich ein, sei wer du bist.

Wäre es nicht leichter wenn Sie es wüssten?

Schreib-Challenge #3.2019 (Joe): Depressionen und das Öffentlichmachen


Depressionen und das Öffentlichmachen


Als ich vor rund fünf Jahren in dieses fiese dunkle und unsagbar schwerwiegende Loch namens Depression gefallen bin, war mir nach nicht viel zu Mute. Und erst recht nicht danach, es irgendwie öffentlich zu machen. Das war an sich zu der Zeit am Anfang auch noch gar nicht möglich, da ich erstmal ein halbes Jahr gebraucht habe, um wirklich zu verstehen bzw. zu merken, dass etwas ganz gewaltig schief läuft.

Statt den einsetzenden Schwermut, die immer stärker werdenden Ängste, die innerliche Veränderungen oder das Nichtwissen um meine mentale Situation irgendjemandem mitzuteilen, habe ich die ganze Angelegenheit einfach mal in mich hineingefressen. Leider ohne dabei zu zunehmen. Eher im Gegenteil. Je weiter der Fortschritt der Krankheit gewesen ist, desto weniger habe ich gegessen. Zum tiefsten und schwärzesten Zeitpunkt hatte ich nicht einmal darauf Lust. Hunger? Joa...egal. Nur das Nötigste. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich einfach nur trockenes Toastbrot mit Nuss-Nugat-Aufstrich gegessen habe...morgens, mittags und abends...wobei Zeit irgendwann auch egal war. Ich wollte eigentlich nur schlafen und nichts mehr mitbekommen müssen. Das war, wie gesagt, zum Zeitpunkt der totalen Bodenlosigkeit und Aufgabe...ja...ich habe oft genug zwischendurch gedanklich aufgegeben...es war mit großem Abstand die dunkelste, schwerste und emotionalste Phase in meinem Leben, die ich bewusst durchlebt habe.

Rückblickend betrachtet kamen damals einfach viel zu viele negative Veränderungen aufeinmal in mein Leben, die mir nach und nach den Boden und die Grundlage für ein normales Sein genommen haben. Ich, hochsensibler Mensch, Master im Gedankenmachen und super empfänglich für emotionale und mentale Veränderungen, bin nach und nach einfach vor die Hunde gegangen. (Wenn ich heute einfach nach und nach vor die Hunde gehe, hat das - zu meinem enorm großen Glück - wirklich mit Hunden zu tun! Und das ist sehr sehr gut so! (Im Nachhinein ist es so gut, zu merken, dass ich wieder Sarkasmus und Wortspielereien in dem Thema Depression einbauen kann)).

Nach gut einem halben Jahr habe ich es dann geschafft/gewollt/gemusst, einen Arzt aufzusuchen. Tadaaa: Diagnose, schwere Depression. Okay.... Machte es das nun leichter, zu verstehen oder einfacher, damit umzugehen? Nicht wirklich! Klar, meine Hausärztin hat damals mit mir die Möglichkeiten der Hilfe bei Depressionen durchgesprochen und alles. Aber was ich machen konnte, außer mir professionelle Hilfe zu suchen, wusste ich immer noch nicht richtig. Verständnis und Akzeptanz der Erkrankung: immer noch Fehlanzeige!
Öffentlichmachen in dem Sinne aber auf jeden Fall. Der Gang zum Arzt und die damit verbundenen Optionen der Behandlung waren nun etwas "Offizielles". Ich hatte ein Papier - und wir alle wissen, Papiere sind in Deutschland das A und O... - auf dem gestanden hat, was mit mir los gewesen ist. Ich wurde ersteinmal bis zum Dorthinaus krankgeschrieben und als arbeitsunfähig eingestuft. Der Schritt zum Arzt war definitiv der erste ganz, ganz Wichtige! Damit hat es dann auch so langsam angefangen, dass ich ein Bewusstsein für diese depressiven Episoden im meinem Leben entwickeln konnte.

Öffentlichmachen: beim Arbeitgeber, beim Arbeitsamt, demnach bei Versicherungen, beim Arzt.
Und auch bei meinen Eltern. Was im Nachhinein der zweite ganz, ganz wichtige Schritt gewesen ist! Ich verstehe mich blendend mit meinen Eltern. Es herrscht eine wunderbare Familienmentalität, man liebt sich. An sich wäre es ja kein Problem gewesen, direkt an die Menschen heranzutreten, die in jedem Falle Verständnis für meine Person gehabt hätten. Sich selber aber ersteinmal einzugestehen, was da los ist und es dann auch noch jemanden zu sagen, hat mich damals einfach aufgefressen. Ich wollte niemandem zu sehr zur Last fallen. Dachte mir, ja, das wird schon wieder. Ich hab zu dieser Zeit super viel einfach verdrängt, mich unsagbar viel mit Zocken und Kiffen abgelenkt und mich nicht wirklich damit auseinander gesetzt, was wichtig gewesen wäre.

Im Rahmen von Behandlungen und Möglichkeiten, wie man der Depression entgegenwirken kann, wurde dann auch immer mehr die Familie integriert und eine gewisse Information über den aktuellen Stand der Dinge wurde verbreitet. Aber das war okay für mich. Ich habe es tatsächlich und zum Glück einfach angenommen und wollte etwas dagegen unternehmen. "Depressionen kann man behandeln...", ja, das kann man! Es ist keine Phrase, auch wenn es so klingt, man muss es aber leider - und das ist das Schwierige, wenn man gar nichts machen kann oder will - zulassen und anfangen sich innerlich selbst zu behandeln. So hab ich's auf jeden Fall hinbekommen, wieder ein normales Leben führen zu können. Das Öffentlichmachen in diesem Sinne, hat mir auf jeden Fall sehr geholfen, die Situation aus anderen Sichtweisen, weniger subjektiv bzw. reflektierter zu sehen.

Mittlerweile bin ich in einem tollen, neuen Leben angekommen und habe keinerlei Probleme, über Depressionen, meine Phasen und die damit verbundenen Pakete zu sprechen. Es gehört nun zu mir. Es ist ein Teil von mir geworden. Es hat mich verändert. Besser gemacht. Und ja, es ist enorm wichtig, es auszusprechen und sich mitzuteilen. Therapie besteht zu einem Großteil aus Reden und gehört werden. Das ist wichtig! Aber es dauert. Es dauert mitunter Jahre. Es ist einfach voll der Weg, den man immer wieder gehen muss. Ich hab es zwar nie bewusst an die große Glocke gehangen, aber dennoch in unzähligen Beiträgen in meinem Blog thematisiert und auch verarbeitet. Ganz klar. Wobei es mir in meinen Texten mehr ums Verarbeiten, als ums Veröffentlichen geht. Dennoch trägt es dazu bei, zu helfen. Primär und sekundär.

Seine Probleme völlig unreflektiert in einem öffentlichen Raum - sagen wir mal: Facebook - zu thematisieren und sich darüber zu erhoffen, dass man Bestätigung, Mitleid, Hilfe oder irgendetwas anderes bekommt, ist allerdings etwas ganz anderes und der völlig unrichtige Weg. Bitte jetzt nicht falsch verstehen: es ist total gut, offen mit einer solchen Problematik umzugehen, aber man muss immer bedenken, dass gewisse Dynamiken aus dem öffentlichen Raum nicht ausbleiben und man damit dann auch umgehen muss! Und wenn man so befangen ist, dass man eh mit nichts wirklich umgehen kann, ist etwaiges Feedback meist kontraproduktiv. Man bekommt zwar Bestätigung und Verständnis, Zuspruch und auch eine gewisse Energie, aber diese ist in der Regel nur temporär und sehr kurzfristig, so dass man schnell merkt: "Hmmm, irgendwie gehts mir ja immer noch nicht besser." Und es geht einem auch solange nicht besser, bis man akzeptiert, annimmt und wieder nach und nach frei wird.

Im Endeffekt sind solche Schreie nach Hilfe nur die Hilfe wert, wenn wirklich etwas dabei rum kommt. Gerade im Netz sind die Menschen meistens so oberflächlich, dass der Wert und die Tragweite einer solchen Veröffentlichung total schnell abhanden gehen oder sich einfach anders darstellen, als man es "erhofft" hat. Hoffnung ist bei Depressionen - in meinen Augen ist Hoffnung aber eh allgemein zu ersetzten, weil sie einfach nichts bringt - zwar schön, aber auch nur Augenwischerei. Zuversicht. Kraft. Energie. Das Einsetzen eines neues Weitblickes. Darauf kommt es an. Das kann auch durchaus beim profilierten Öffentlichmachen einsetzen, setzt aber eine gewisse Reflektiertheit voraus. Deshalb halte ich auch nichts davon, im Sumpf des Selbstmitleides zu schwimmen und sich nur über Wasser zu halten. Irgendwann geht die Kraft nämlich komplett flöten und man säuft wieder ab. Das offene Umgehen mit einer Depression ist erst dann richtig offen, wenn man sie verstanden hat. Ganz oft, so lese ich es immer wieder, sind die Leute, die es dann tatsächlich "mal eben" öffentlichmachen aber einfach noch nicht soweit. Man muss schon extrem viel Glück haben, um darüber die richtig richtigen Menschen zu finden, die einem wirklich helfen. Grundsätzlich gilt aber: Hilf dir selbst und stärke dich. Du bist für dich verantwortlich. Genauso ist man selbst verantwortlich, zuzulassen, aufzumachen und anzunehmen. Erkenntnisse sind wichtig. Individuelle Eingehen aber auch. Demnach ist die "Meinung" oder der "Zuspruch" der breiten Masse auch so schizophren und eher weniger wert. Die meisten haben aber auch einfach keine Ahnung, wie man sich fühlt, wenn es richtig dunkel wird im Leben.

Ich habe meine Depression hier nun zum xten Mal quasi öffentlich gemacht. Die die mich kennen, wissen es aber eh schon, welche Odysee passiert ist. Ich sag ja immer: lies meinen Blog und du weißt schon ziemlich viel aus meinem Leben. Zwar stelle ich es nicht immer komplett klar, meist zwischen den Zeilen, dar, was mich beschäftigt und ausmacht, aber es ist da - für jeden ersichtlich. Und das ist auch ganz gut so. Ich bin aber auch mittlerweile so cool mit mir, der Thematik und dem Umgang, dass ich ganz genau weiß, was ich meinem Kopf sagen muss, um mich selber weiterhin am Leben zu halten und nicht abzurutschen. Im Endeffekt muss man mit sich selber cool sein und es wollen. Auf andere Menschen ist in der Regel selten wirklich verlass, also: nicht hoffen, sondern machen. Mit Zuversicht und Tatendrang, mit Geduld und Demut.

Depressionen sind scheiße. Niemand sollte so etwas erleben müssen. Es ist wirklich alles andere als schön, erstrebenswert oder toll. Seid froh, wenn es euch noch nicht gepack hat und schätzt eure Leichtigkeit, wenn sie gegeben ist. Es ist nicht selbstverständlich, wenn es so ist. Und die Dunkelziffer in Bezug auf mentale Erkrankungen ist eh so viel größer, als es in der Masse auffällt.

Pro darüber sprechen, pro sich damit auseinander setzen! Aber bitte denkt an eine vernünftige Plattform, wo dies passiert. Seid stark, bleibt dran. Alles kann immer wieder gut werden, wenn man selber will!

Schreib-Challenge #3.2019 (Mystery): Depressionen und das Öffentlichmachen


Depressionen und das Öffentlichmachen
 

kein "so schlimm ist es nicht"
kein "sowas hab ich auch erlebt"

sei da- hör zu - sag nix

kein wettkampf, kein überbieten
kein "da weiß ich auch noch was"

sei da - hör zu - sag nix

kein ausfragen, kein druck,
einfach nur zuhören

sei da -hör zu -sag nix

aufmerksamkeit