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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ein Kartenhaus

...ist es Magie oder Zauberei? Gar Hexerei? Voodoo? Kartenhäuser: Illusion, Schein, Fingerfertigkeit oder bloß ein Taschenspielertrick?

Fragen über Fragen. Ein guter Einstieg in diesen Text und Beitrag, wie ich finde. Nun gut...das sind ja eher einzelne Worte, die mit einem Fragezeichen versehen sind...dennoch, eine Kartenhaus-Metapher: Was ist sie? Was will sie hier? Ein subjektive Ansicht:


Ein Kartenhaus. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Wenn man sich Eines vor Augen führt, weiß man sehr klar, wie es klassischer Weise auszusehen hat. Obwohl...baldige Generationen kennen es wahrscheinlich nicht mehr (wie traurig), aber wir sind ja im Jetzt, da ist die Sorge um etwaiges Heranwachsen mutierter, zukünftiger Lebewesen eher müßig.
Fast jeder wird solch ein Kartenhaus schon selbst einmal gebaut haben. Zumindest haben es sehr viele wenigstens einmal versucht. (In Köln ist mal jemand umgekommen, weil er nicht aufhören konnte ein Kartenhaus zu bauen. Das Problem: er hatte ganz schlechte, bis gar keine Karten.)

Etwas Geschick, eine ruhige Hand und Geduld gehören schon dazu, wenn man es richtig machen will. So eine Kartenhaus-Struktur ist auf den ersten Blick relativ simpel und gut zu durchschauen (...) Ein einfaches Konstrukt aus Karten sollte wirklich jeder auf die Beine stellen können...obwohl... (böser Witz über Menschen, die nichts dafür können bahnt sich an...Michael J. Fox kann es leider nicht mehr so gut)...Wie dem auch sei. Wenn man von dem Standard-Haus, bestehend aus zweiunddreißig Karten, schnell gelangweilt ist, geht man hin und nimmt einfach mehr Karten. Vierundsechzig, zum Beispiel. Das ist sehr zu empfehlen, da man viel mehr bauen und vermeintliche Stabilität einarbeiten kann. Die Anzahl der Karten bestimmt immerhin die Größe eines Kartenhauses. Aber: je größer, desto stabiler? Jetzt fängt's auch langsam an, etwas metaphorischer zu werden. Größe ist gut, aber bei einem Kartenhaus auch nicht Alles. Wahre Größe ist aber eh ein ganz anderes Kapitel auf einer anderen Seite in einem anderen Buch. Zwar im gleichen Leben, zur gleichen Zeit, im selben Universum, aber in Bezug auf Kartenhäuser eher durchsichtig, als immerzu präsent. Das gewisse magische Etwas, was Kartenhäuser haben, macht zwar auch eine Art von Größe aus, aber es ist nur einen Teil bzw. es sind nur ein paar Teile der Größe enthalten, die über das Kartenhaus hinweg blicken blasssen. Wenn man es schafft, hinter die Fassade eines Kartenhausen zu blicken, ohne einfach hindurch zu sehen, ist man dieser Größe schon ein gutes Stück auf die Schliche gekommen.

Der grundsätzliche Aufbau ist ja immer irgendwie gleich. Man kennt das: Man arbeitet sich von unten nach oben vor. (Anderer Situation entsprechend, sollte es wohl anders herum sein. Da wir aber weiterhin bei der Kartenhaus-Metapher sind, bezieht es sich erstmal nur auf das Dazwischen und danach erst auf das Darin. Was ihr aus diesen Worte (in den Klammern) macht, ist eure Sache). Zuerst bildet man ein solides Podest und beginnt dann in die Höhe zu bauen. Karten-Etage um Karten-Etage wird ein Kartenhaus immer höher. Es wird allerdings nie breiter als der Sockel es zu lässt. Das klassische Kartenhaus bildet somit die zulaufende Form einer nicht ganz dreidimensionalen Pyramide. Unten breit, oben spitz. Soll es insgesamt größer werden, muss man wieder unten anfangen und die Ebenen für die neuen Etagen aus Karten am Sockel gründen. So kann man sein Kartenhaus, wenn man denn genug Karten besitzt, immer größer werden lassen und gar kunstvoll anmutende Bauwerke erfinden und errichten. Je nach dem, wie der eigene Anspruch so ausgerichtet ist.

Es gibt ja Leute, die bauen Kartenhäuser wirklich nur aus dem einen Grund: nämlich um sich mit ihnen darzustellen, zu brüsten und sich selbst in einen Fokus zu rücken. Neuzeit-Houdinis...alles Lappen! Im Bestfall sind das Fertig-Kartenhäuser, ohne Fleiß und Aufwand. Ohne Magie. Sie existieren alleine zu dem Zweck, um sagen zu können: "Guck, hier: Meins ist das Größte." Kann man machen, passiert. Ist aber Zirkus. Das hat für mich aber nur den metaphorischen Reiz einen Vergleich zu der Größe von Autos herzustellen und das Ganze in Anbetracht von schon erwähnter wahrer Größe, als nicht relevant für die Magie von Kartenhäusern einzuordnen. Plattheit hat selten Magie. Außer man isst einen magischen, sehr flachen Crepe.

Zurück zum Trick. Ein Kartenhaus ist irgendwie anmutig, geduldig, schön und hat Magie. Es ist ein Haus. Es bietet ein Dach und Raum. Es ist bunt, farblich wiederholend, gemustert, dennoch individuell. Es besteht aus vielen einzelnen Segmenten, die zusammen ein Gesamtes ergeben. Es stützt sich in sich selbst und trotzdem ist es immer etwas instabil. Es ist löchrig, etwas wackelig, anfällig bei Wind und Unwetter. Es fällt unter Umständen einfach so zusammen und erliegt sich in seinen eigenen Trümmern. Platt am Boden, auf dem Kopf, durcheinander, wiederholend. Wenn es fällt, fällt meistens viel.

Nun kommt es natürlich etwas auf die Solidität des Sockels an, inwiefern die Wände fallen, bzw. wie weit das Kartenhaus in sich zusammenfällt. Was bleibt nach so einem Sturm von dem Kartenhaus übrig? Ein bunter Haufen von Stücken eines Ganzen. Das sprichwörtliche Zusammenfallen, was so schnell passiert, macht das mühselig Erbaute, das geduldig Erschaffene in einem Moment kaputt. Zack, Thanos-Style.


Die große Schwäche von Kartenhäusern ist definitiv ihre anfällige Stabilität. Da können sie noch so geduldig, vielschichtig, prachtvoll oder imposant sein. Was bleibt, ist immer Chaos. Wie gesagt: in meinen Augen bleibt es immer ein magisches Chaos, ein bunter Haufen Fleiß. Eine subtile Zeit. Eine Erfahrung. Ein Wert. Ein kleines Märchen. Ein bisschen Hokus-Pokus. Deshalb bereue ich es auch nicht, wieder einmal in die Trümmer meines persönlichen Kartenhauses zu blicken und zu sehen, welche Muster geblieben sind. Kartenrücken an Karten-Vorderseite, Zahl an Bild, König an Dame. Bube auch an Dame. Alles durcheinander. Wäre es eine Spiegel-Metapher, täte man sich etwas schwerer, unverletzt die Überreste aufzusammeln und wieder neu zusammen zu setzen. Ein Glück, dass Kartenhäuser keine Spiegelhäuser sind. Die Sortierung wird eine Altbekannte sein.

Ich baue einfach ein Neues. Ein weiteres Kartenhaus. Vielleicht baue ich aber auch erstmal eine Mauer drumherum oder nen Windschutz. Es wird auf jeden Fall den gleichen Grundstein bekommen, wie meine anderen Kartenhäuser. Die waren gut, wie sie waren. So sollte es sein. 
Der Sockel ist nicht gänzlich zerstört, demnach ist die Grundlage weiterhin gegeben. Das macht das Wiederaufbauen noch ein bisschen einfacher.

Werde ich großartig etwas an der Bausweise oder Art des erneuten Kartenhauses ändern? Vermutlich nicht so viel. Es wird höchstwahrscheinlich etwas mehr Zeit benötigen, bis es wieder in vollem Glanz erscheinen kann. Es wird aber immer genau diese, meine, eigene Vorstellung von Magie und Anmut sein, die es beleben und stabilisieren soll und wird.
(Im Übrigen bin ich strickt dagegen, ein Kartenhaus mit Kleber zu verstärken. Das ist wie Cheaten, Fremdgehen oder Trump wählen: Geht gar nicht! Wir sind ja nicht bei Bauer sucht Schwiegertochter?! (Ein Glück!!))

Was ist es nun...dieses Kartenhaus? Einbildung, Vorstellung, Träumerei? Oder ist es ein Refugium, eine Art des subjektiven Ausdruckes oder Schutzes?
Ist es Magie? Ja, auf jeden Fall. Zauberei? Nein, eher nicht. Hexerei auch nicht. Voodoo? Ja. Schon ein bisschen. Ein Taschenspielertrick ist es nicht, dafür sind Taschenspielertricks zu "schmierig" behaftet. Es ist paradox aber keine Illusion. Es kann alles sein und nichts. Es ist fein aber gebrechlich. Es fesselt dich aber lässt immer etwas Durchblicken.

Kartenhaus, oh Kartenhaus, ich hoffe, ich habe mich nicht vertippt und schrob irgendwo Gartenhaus...das wäre fies, peinlich und so anders-sinnig. Drückt mir die Daumen, die Fehler am Merz gepackt und sie vor die Türe gestellt zu haben.

Ich mag Kartenhäuser. Gäbe es ein Kartenhaus-Museum, würde ich nach den Kartenhäusern Ausschau halten, die auch mehr sind als nur Taschenspielertricks. Diese Kartenhäuser, die das Eigene besitzen. Die, die in Größe strahlen, ohne physisch groß sein zu müssen. Die, bei denen es egal ist, ob Vorderseite oder Kartenrücken. Individuelle Muster, gepaart mit Feinschichtigkeit und der inneren Resonanz, zu strahlen, haben mich ja immer schon begeistert.

Metaphern sind ja schon was Feines, ne?!

Bald in Ihrem Museums-Zirkus: ein neues, altes Kartenhaus.

Freitag, 19. Oktober 2018

Sequenzen eines Traumes

Wir sitzen auf dem Boden. Sitzen uns gegenüber.
Wir sprechen miteinander, tauschen uns aus.
Es scheint ein reger Austausch zu sein. Es wird emotional.
Du steht's plötzlich auf. Was haben wir besprochen?
Dann fängst du an zu weinen. Ich stehe nun auch auf, möchte dich beruhigen.
Du wehrst dich, bist aufgelöst. Tränen rinnen. Du sackst zusammen. Ich fange dich auf.
Ich will dir den Kummer nehmen, nehme dich in die Arme und halte dich.
Tränen trocknen einheitlich.

Szenenwechsel:
Party, laute Musik. Viele Menschen. Treibende Beats, Bässe, Neonlicht.
Alkohol, Rausch. Exzessives Tanzen.
Wir beide mittendrin. Ausgelassen, Spaß habend. Freiheit und Zusammengehörigkeit. Loyalität.
Wir feiern uns und das Leben.
Plötzlich: Menschen, die sich zwischen uns drängen.
Ich verlieren dich aus den Augen.
Verliere dich aus meinen Händen.
Dunkelheit.
Stille.

Szenenwechsel:
Dunkelheit, wabernd. Alles ist verschwommen.
Es dröhnt keine Musik. Sounds hingegen.
Wo bist du?
Blicke ich nach unten, sehe ich den Boden nicht. Blicke ich nach oben, sehe ich den Himmel nicht. Nebel. Orientierungslosigkeit. Ich rufe nach dir. Keine Antwort.
Ich suche eine Türe, einen Weg, um zurück zu finden.
 Unter mir öffnet sich ein schwarzes Loch.
Ich falle.
Falle immer weiter. Kein Widerstand.
Ich fühle deine Anwesenheit, falle aber zu schnell, um zu finden.
Dann: eine Stimme.
Deine Stimme: ich bin hier, warte auf mich!

Ich wache auf. Verwirrung, Fragen und etwas Melancholie.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Erinnerung. Der schönste Speicher

Wenn Sätze aus dem On/Off inspirieren: "Die Erinnerung ist der schönste Datenspeicher"

Wie wahr, wie wahr. Erinnerungen, unser Gedächtnis. Bilder, Emotionen, Gedanken. Alles auf einmal.

Mit einer schönen Erinnerung, die man sich selber vorstellen kann - an die man sich bewusst erinnert, sich diese vor die inneren Augen führen kann - verbindet man doch so Vieles auf einmal. Ich habe so viele Erinnerungen eingelagert, die immer mal wieder bewusst oder auch unbewusst, dann von außen herausgekitzelt, passieren. In meinem Kopf laufen zusätzlich zu den Erinnerungen auch weitere Assoziationen ab. Dinge die man neu mit den Erinnerungen verknüpfen kann, da man sie erst nach der Erinnerung in Erfahrung gebracht hat, diese aber nun zu einer Erinnerung passen (assoziativ) und dadurch eine Verknüpfung und Verbindung erhalten. So werden Erinnerungen unter Umständen mehr, als sie es mal gewesen sind.

Ich finde Erinnerungen unglaublich toll und bin so froh darum, dass ich mir Dinge merken kann. Klar, heutzutage, in einer Zeit, in der Datenspeicherung salonfähig geworden ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass wir (die Gesellschaft) die Dinge auch speichern, aufnehmen und behalten wollen. Wir bedienen uns dazu aber oft und immer mehr dem Hilfsmittel, der Foto- und Video-Erinnerung. Alles wird heutzutage aufgenommen. Alles, wirklich Alles und ja...früher oder später wird genau das Alles auch irgendwie mal im Netz landen. Dann wird aus der Archivierung schnell die Verbreitung und tja...wenn man Glück hat wird man zum YT.Star und merkt es nichteinmal. Sachen gibts immer wieder.

"Ich war kurz Millionär und habs nichts mal mitbekommen." Andy, Mitte vierzig, Internettroll und Famehure.

Diese immer transparenter werdende Gesellschaft ist mittlerweile wahrscheinlich auch gar nicht mehr fähig, Erinnerungen so richtig zu behalten. So ganz klassisch, mein ich. Angucken, merken, behalten, sich erinnern. Emotion! Während wir uns Veranstaltungen, die Natur, oder einfach nur das Leben anschauen, sind wir so damit beschäftigt, ein Handy hochzuhalten, auf Play zu drücken, den Fokus zu checken, Ladebalken, Benachrichtigungen, Zeit, Wetter, Empfang...so viel Informartion in so einer kleinen Zeile!

Aber sollten wir diese vermeintlich besonderen Momente nicht einfach wahrnehmen und genießen, anstatt Sie zudem künstlich zu archivieren? Klar, es ist irgendwie schön, sich nach vierzig Jahren Bilder anschauen zu können oder eben ein Video. Bewegte Bilder mit Ton und Allem. Ein Fotoalbum ist ja auch seit je her ein klassisches Andenken-Sammelsurium. Schön und gut. Erinnerungen werden dadurch einfacher aktiviert. Man schwelgt in Erinnerungen, wenn man sich in vergangenen Bildern sieht, alte Aufzeichnung anschaut oder durch die Mitnahme eines Konzertmitschnittes, einen Höreindruck bekommt. Für den Zweck sich auf die Zukunft "vorzubereiten" sind dieses Aufnahme-Einstellungen der Leute auf jeden Fall gut.

Aber genießt man dann noch? Ein Konzert, z.B. oder eine Theateraufführung, ein Feuerwerk, das Meer, die Sonne, die Umwelt, die Menschen!! Jeder ist immer mehr Kameramann, Regisseur und Darsteller zugleich und dreht seinen eigenen kleinen Film. Die Anthologie der Egos. Episode für Episode. Im Endeffekt, besteht ein vieler Leben aus reinen Fortsetzungen. Man weiß ja, was man so über Fortsetzungen sagt...oder: nicht jedes Franchise wird ein Kassenschlager.

Was halt flöten geht, ist die Gegenwart. Der Moment, den wir uneingeschränkt wahrnehmen sollten. Mit all unseren Sinnen. Momente, in denen wir frei sein könnten. Momente, die, wenn wir sie einfach wahrnehmen, für immer in Erinnerung bleiben werden. Wir brauchen keinen zusätzlichen, digitalen Sinn. Es sind doch nur Instrumente und Werkzeuge und kein Ersatz für die Wahrnehmung. Dennoch ist die Bereitschaft, sich dieser Werkzeuge zu behelfen enorm groß geworden. Wie schon so oft gesagt, es gibt für Alles eine App. Jeder wäre so froh, wenn es die eine App gäbe, die dein Leben leichter machen würde...

So bedienen wir uns lediglich sprichwörtlicher Momentaufnahmen. Ohne sie selber so aufzunehmen, wie wir es einmal im Stande gewesen sind, diese aufzunehmen. Ich denke ja weiterhin, dass durch die permanente Nutzung von Hilfsmitteln und Werkzeugen, die Fähigkeit zu Eigenständigkeit abhanden geht. Wir prägen uns und unser Verhalten und die Fähigkeiten durch Routine und Rhythmus. Spiele eintausend mal das gleiche Lied und es bleibt hängen. Irgendwann kann man es auswendig, sofern man noch in der Lage ist, den Lern- und Denkprozess bei Wiederholung und Wahrnehmung arbeiten zu lassen.

Veränderungen passieren so schnell und automatisch, dass wir sie gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Die Kurzfristigkeit der Dinge lässt uns weiterhin immer mehr kurzfristige Dinge tun. Auch im Kopf. Die Erinnerungsfähigkeit nimmt auf Dauer ab. Mit den Werkzeugen/Hilfsmitteln machen wir uns faul. Irgendwo ganz normal, dass das passiert. Autofahren war ja auch schon vor dem Internet da. Und viele die fahren, fahren lieber statt zu laufen, auch wenn es nur dreihundert Meter um die Ecke sind. Man wird eben gemütlicher und fauler. Innen und außen. Wobei ich die Kopffäule im Allgemeinen am erschreckendsten finde. Der Begriff Smombie ist aktueller denn je, befürchte ich. Wird Zeit, dass die neue Staffel von TWD wieder beginnt. Dann kann man wieder so schöne Parallelen ziehen.

Was wäre, wenn die Apokalypse nicht erst kommt, sondern gerade passiert? Wer würde dann als Gewinner aus den Trümmern hervorgehen? Die Smombies oder die, die sie dazu gemacht haben?


Ich erinnere mich spontan an ein Weihnachten von vor über 20 Jahren. Ich sehe das angenehme Licht der Kerzen, kann mir vorstellen, wie es im Haus meiner Eltern gerochen hat. Es riecht nacht Nadelbaum und Räuchermännchen. Funkeln. Geschenke. Familie. Harmonie. Eine wunderschöne Zeit, ein toller Moment. Weihnachten in Frieden, was Anderes gab es bei uns nie. Die Kinder mussten nicht irgendwas singen, was sie nicht wollten, das Essen wurde für Alle gleich genehm ausgewählt. Fotos wurden so gut wie nie gemacht. Auch damals haben wir einfach den Moment genossen. Und er bleibt. Er ist da und kann, auch ohne Hilfsmittel zurückgeholt werden.

"Die Erinnerung ist der schönste Datenspeicher." (ich glaub der Nafets hats so formuliert)






Donnerstag, 31. Mai 2018

Narziss und Echo - Geschichten aus dem Feuerkorb

Es war einmal...

...ein Schönling names Narziss. Ein ansehnlicher Bursche, halb Gott, halb irgend etwas anderes. Entstanden aus der Triebhaftigkeit seines Vaters Kephissos mit einer schönen Nymphe namens Leiriope. Da die Zeugung nur einseitig freiwillig war bzw. forciert wurde, wurde Kephissos für seine Schandtat der Nymphe gegenüber, von Poseidon höchstpersönlich bestraft und unter die Erde verbannt. Wohlgemerkt, für Kephissos, als göttliche Personifikation des mächtigen Flusses Kephissos, war das schon ne harte Nummer. Er ist bestimmt irgendwann einfach unterirdisch versickert...

Wie dem auch sei, aus dieser einseitigen Liebe entstand der Bub Narziss. Er war schön und beliebt und erfreute sich an den Lebensumständen der damaligen Zeit. Bestimmt viele Orgien, Saufgelage, hier mal mit dem Finger schnippen, da mal etwas halb-göttlich sein...könnte schlimmer sein. Narziss allerdings war so sehr von sich und seiner Schönheit befangen und begeistert, dass er die Zuwendungen und Annäherungen sämtlicher Verehrerinnen und Verehrer zurückwies. Er strafte der anderen Leute Zuwendung mit eiskalter Herzlosigkeit. Er liebte sich selbst am meisten und konnte im Grunde keine andere Liebe zulassen. (Die Idee mit den Orgien und Saufgelagen sollte man in seinem Fall dann wohl auf eine Person reduzieren. Daraus wird dann Selbstbefriedigung und Volllaufenlassen.) Narziss' Vorteil dabei war, "alleine saufen, macht hässlich" konnte gar nicht zutreffen, dafür war er einfach zu schön und holte sich darauf eben regelmäßig einen runter. Kann man machen, aber wartet ab: seine Selbstliebe wird sich noch rächen...


Narziss' Vater war ein Vergewaltiger der Natur. Er meanderte an der Flussnymphe Leiriope herum... (ungefragt!) ...dessen Vater, Okeanos, war sogar der Vater aller Götter und galt als Ursprung der Welt, King of the Hill quasi (je nach Überlieferung). Narziss selbst, war ein eingebildetes Arschloch. Merkt man was? Okay, der Ursprung der Welt sollte nicht als negativ betrachtet werden (oder vielleicht doch, wenn man damit den "Anfang allen Übels meint"). Allerdings passiert direkt in der zweiten Generation Scheiße und einer schlägt über die Stränge. Dass Narziss Schicksal irgendwo vorherbestimmt war, sollte man Anhand von DNA Analysen bestätigen können. Ginge man davon aus, mythische Wesen und Götter der griechischen Antike hätten so etwas wie Biologie. Sagen wir einfach: eine göttliche Fügung. Nachher heißt's noch, Götter würden an Schicksal glauben...na Prost Mahlzeit!


Zurück zum Protagonisten: Narziss spazierte manchmal einfach gerne herum. Durch den Wald, an Flüssen und Bächen vorbei. Über Stock und Stein. Meistens jedoch über Wege und Trampelpfade. In der Natur fühlte er sich irgendwie aufgehoben, dachte er. Sie war Ihm scheinbar wohlgesonnen. Die Vöglein zwitscherten munter vor sich her. Obligatorische Rehe kreuzten dann und wann seine Wege und hielten für einen Klischee-Moment inne, um ihm diesen typischen Reh-Blick zu zuwerfen, bevor sie wieder gemütlich in den Wald huschten. Ziemlich selbstverliebt, dennoch im Einklang, geriet er eines wundervollen Tages an eine Lichtung. Es war eher eine halbe Lichtung, mit einem Ufer eines kleinen Sees, der friedlich darin eingebettet lag. Narziss ging so zum Ufer, schaute über die glatten Wogen der nicht vorhandenen Wellen hinweg. Schaute nach links, nach oben, nach rechts. Dann blickte er sich schlagartig um. Schulterblick, ohne Auto, Respekt. Warum auch immer er das tat?! Da war nämlich nichts...(außer der Hauch seines nicht vorhandenen Gewissens und die Nemesis, die  stumm eine Todesmelodie summte...die Narziss aber nicht wahrnahm. Selbstliebe schützt vor äußeren Einflüssen, sollte man meinen.)

Die ruhige Ruhe der Idylle eingeatmet, setzte Narziss sich dann am Ufer nieder und blickte das erste mal hinab ins Wasser. Und das, was er dann dort sah, war nichts anderes als sein Spiegelbild. Narziss war direkt hin und weg. Er schaute keine 5 Sekunden in dieses wunderschöne Gesicht, das ihn anblickte und konnte nicht anders, als sich vollends in sich selbst zu verlieben. Damit war es dann um ihn geschehen. Mit dieser Erkenntnis und einem noch breiteren, selbstverliebteren Grinsen, machte er sich - nachdem er sein Spiegelbild gute 5 Stunden angehimmelt hatte - auf den Rückweg zu seiner Behausung. Der Rückweg blieb, bis auf die obligatorischen Rehe, relativ unspektakulär. Außerdem war Narziss viel zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu lieben. Noch merkte er nicht, dass die völlige Selbstliebe sein Untergang sein würde...er dachte weiterhin nur an sich.


Zur Erklärung: 5 Tage bevor er sich vollends in sich und sein eigenes Spiegelbild verliebte, gab es zwei einschneidende Zurückweisungen, die sich für Narziss noch rächen sollten:

Zum Einen war da der Schönling Ameinios, der sich Narziss angeboten hatte. Man focht ein wenig miteinander, strebte nach Kraft und protzte mit Schönheit. Zu mehr war Ameinios aber nicht in der Lage. Narziss' Egoismus erteilte ihm eine eiskalte Abfuhr. Zu guter letzt schenkte Narziss ihm sogar noch ein nicht minder prachtvolles Schwert. "Es würde Ameinios insgesamt aufwerten", so meinte er. Aufgrund der Zurückweisung, der Schmach und seines verletzten Stolzes, erstach sich Ameinios mit dem geschenkten Schwert und rief im Sterben die Götter an, seinen Tod, für den er Narziss verantwortlich machte, zu rächen. Dieses Gebet erhörte die Göttin des gerechten Zornes Nemesis und strafte Narziss zum ersten mal mit dem Fluch der volkommenen Selbstverliebtheit. Narziss belächelte diese Tatsache einfach nur und tat weiter, wie ihm bestimmt war.

Zum Anderen, traf er am Abend bei einer Jagd auf die Bergnymphe Echo. Als Narziss sich beim Verfolgen eines Hirsches im Dickicht verlor, war die gute Echo so nett, ihm zu folgen und ihn zu suchen. Dabei muss man wissen, dass die Nymphe Echo eine eigene Vorgeschichte hatte:
Sie wurde selber Opfer göttlichen Zorns und verlor auf Befehl von Hera Ihre Sprache.
Echo war am Hofe der Hera als Erzählerin tätig und wurde aufgrund einer zornigen Kurzschlussreaktion der Ober-Uschi zum Sündenbock und musste einfach herhalten. Immerhin ließ ihr Hera die Möglichkeit, die letzten Worte eines Satzes, den sie zuvor gehört hatte, zu wiederholen.

Kommen wir zur Krux: Narziss, verirrt im Wald, Echo hinterher. Echo kann aber nicht eigenständig rufen. Demnach war sie jetzt erstmal keine große Hilfe, ihn zu finden. Aber er war doch so schön, sie wollte unbedingt hinter im her. Irgendwann merkte auch Narziss, dass er irgendwo falsch abgebogen war und rief einfach nach seinen Jagdkameraden. Zufälliger Weise war Echo tatsächlich in relativer Nähe zu ihm gewesen und sie konnte ihn rufen hören und erwiderte sein "Ist jemand hier?", mit "Hier!". Narziss reagierte darauf erneut und rief "Wo ist denn hier?". Echo wiederholte es: "Hier!" Narziss konnte sich grob an der Stimme orientieren und nach ein paar weiteren "Hiers" kamen die beiden tatsächlich im Wald zusammen. Echo, überglücklich, dass sie trotz des Sprachentzuges, diesen schönen Menschen gefunden hatte, wollte Narziss umarmen und herzen. Dieser allerdings war sich keines Dankes bewusst und wies Echo eiskalt ab! Über Nemesis oder der Gleichen verschwendete er keinen einzigen Gedanken.

Echo war am Boden zerstört und gab sich in diesem Moment der Undankbarkeit und Ablehnung auf, verkroch sich in einer Höhle und verschmolz irgendwann wieder mit den Felsen und Gesteinen, stieß noch ein letztes Gebet aus und war für immer dahin...verschmäht, einsam und traurig. Nemesis vernahm auch diese erneute Undankbarkeit und gestaltete den Ausflug, den Narziss in 5 Tagen machen würde so, dass er auf jeden Fall zu einem See gelangte und sich dann im Wasser selber sehen würde. Er würde sich vollends in sich selbst verlieben. Sie wiederum liebte es, wenn ein Plan funktionierte...


Wieder fünf Tage nach vorn:

Narziss tat auch nach dem Spiegelbild-Erlebnis das, was er tat. Er wies, wie zuvor, kommende Anwärter und Verehrerinnen ab und liebte sich selbst in höchstem Maße. Stunde um Stunde...Woche um Woche. Monat um Monat.
Eines grauen Tages dann, alleine, ohne Kuscheldecke, ohne Regentropfen am Fenster, weil keine Fenster, kam Narziss endlich zu einer erschütternden Erkenntnis. "Die Nemesis, diese hinterhältige Schachtel", dachte er. Und diese Erkenntnis war sein Ende.

Narziss liebte sich, ja. Er liebte sich selbst, wie nichts anderes auf der Welt. Er schmachtete jedesmal Stundenlang vor Spiegelbildern in diversen Wasserquellen. Aber er sehnte sich auch so sehr nach sich selbst, dass er nicht anderes mehr zuließ. Sein Narzissmus schlug ihm eiskalt ins Gesicht. Obwohl er die ganze Zeit selbst präsent war, verzehrte er sich trotzdem nach Liebe. Letztlich überkam ihn die Erkenntnis, dass er seinen eigenen Wunsch nach Selbstliebe niemals würde erfüllen können. So stark er sich auch liebte, es reichte nicht, um ein erfülltes Leben zu leben, geschweige denn zu lieben.

Und so trat ein langer, zäher Prozess des Verfalls in Kraft. Narziss konnte nicht anders, als für ihn bestimmt war. Durch den Fluch der unendlichen Selbstliebe - ausgelöst durch Rachegedanken, Zorn und die Zurückweisung von allem anderen - verendete er irgendwann vor einem Spiegelbild schmachtend und schied alleine, voller Liebe aber dennoch komplett leer, dahin.

Spätere Entdeckungen gaben preis, dass an dem Ort, wo Narziss starb, keine Leiche und keine Gebeine zu finden waren. Das kleine Stück Ufer wurde lediglich von einer wunderschönen Narzisse dekoriert.



Basierend auf der Quelle Wikipedia und externen Einflüssen. Alles andere ist Mythik und Überlieferung, plus ein paar ausschmückende Elemente.