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Sonntag, 1. September 2019

Abstinenz - unendliche Weiten

Der Kosmos. Das Weltall. Die Universen. Abstinenz. Hurz!


Tag 1 (0.5), Mittwoch:

Heute habe ich mich relativ spontan dazu entschieden ein kleine Pause einzulegen und Abstinenz auszuprobieren. Zugegeben, sie schmeckt ziemlich geschmacklos und hält sich derweil auf der einen Seite mit einem lockeren Angang und auf der anderen Seite mit einem durchaus merkbaren Abgang. Es ist natürlich von einer Social-Media-Abstinenz die Rede. Da ich in den letzten Monaten wieder sehr regelmäßig und konstant bei FB unterwegs war, (die einslive Freundeskreis Gruppe, das private Profil, der Blog) fühlt sich dieser Wegfall von Unterhaltung, Spaß und Kommunikation definitiv zwiegespalten an.

Tag null komma fünf ist's eigentlich, weil ich heute, am Mittwoch, den 28.08.19 noch bei FB aktiv war und erst im Laufe des Tages entschieden habe, diese Plattform, sowie Instagram und auch WA so gut es geht zu vermeiden. Gesagt, getan. Ich hab Nachmittags noch 'ne Benachrichtigung bekommen, dass mich jemand unter meinem Beitrag vom Mittag markiert, bzw. erwähnt haben muss. Diese habe ich aber einfach weggewischt, ohne bisher nachgesehen zu haben. Ich bin quasi seit heute, Arbeitsbeginn gegen 13 Uhr, ohne die größten Kommunikations- und Profilierungsplattformen unterwegs. Bei Instagram habe ich eh im Moment nur die Blogseite im Fokus. Die private Seite ist seit geraumer Zeit eher semi bis noch weniger aktiv. Andere offene Kommunikationen standen auch nicht mehr im Raum.

Ich habe diese spontane Idee natürlich nirgendwo angekündigt und bin gespannt, wie lange ich damit durchhalten werde und ob darauf irgendjemand eingeht. Zu letzt habe ich ja wieder wunderbare neue Kontakte erfahren dürfen und natürlich pflege ich Diese auch super gern. Im Rahmen der Kurzfristigkeit der Dinge wird sich nun zeigen, wie kurzfristig die Leute wirklich sind. Mit der Einstellung der sozialen Medien fällt natürlich auch ganz spontan die Pflege dieser und fast aller Kontakten weg, da die Meisten über WA erreichbar sind und auch darüber der häufigste Austausch passiert. Demnach habe ich die Benachrichtigungen aus unserer Vollvossten-WA-Gruppe natürlich ebenso ignoriert und WhatsApp nicht geöffnet.


Tag 2, Donnerstag:

Eine Nacht ohne, ist wie eine Nacht ohne. Und besonders der Morgen danach verliert sich, wenn ohne, in ziemlicher Eintönigkeit. Meine Benachrichtigungs-Pop-Up-Zahlen auf dem Telefon halten sich ja eh meist in Grenzen und zudem ist diese Anzeige der Benachrichtigungen in meinen Augen etwas kaputt. Ich spreche über diese kleine Zahl, die oben an dem App-Icon steht. Icon-Zahlen sind irgendwie im Moment wie Windows-Minuten. Wenn da steht, es dauert noch acht Minuten, dann kann es sein, dass es entweder nur noch fünfundvierzig Sekunden braucht oder vielleicht aber fünfundvierzig Stunden. Bei den Icon-Zahlen ist das ähnlich. Da steht dreiunddreißig und in der App sind's nur vier...man weiß es nicht so genau...wie auch immer...bei mir waren es heute nach dem Aufstehen sieben an der Zahl bei FB und um die dreißig neuen Nachrichten in der WA-Gruppe.

Dieser Donnerstag steht, genau wie der Mittwoch, voll im Zeichen der Arbeit. Zwei Tage gab ich mir Zeit, um im Betrieb zwei Baucontainer á 8 Kubik und 11 Kubik mit diversem Möbelschrott zu füllen. Dementsprechend heißt es: früher anfangen, mehr schaffen. Normalerweise beginne ich mit der Arbeit gegen 16 Uhr und die Schicht endet um 21 Uhr. Gestern und heute ist der Beginn um 13 Uhr. Zudem haben wir heute noch ein internes Betriebsgrillen für die Belegschaft.

Wie geplant konnten wir heute, ich hatte einen fleißigen Helfer an meiner Seite, den zweiten Container komplett voll machen und lagen dabei sehr gut in der Zeit. 13 bis 18 Uhr Schrott schleppen, ein bisschen zur Ruhe kommen und dann um 19 Uhr das Grillfest. Mein Telefon hatte ich während der Arbeit nicht in der Tasche. Zum einen, weil es einfach beim Schleppen und Wuchten gestört hätte, zum Anderen, weil es eh keinen besonderen bzw. banalen Grund gehabt hätte, es zu checken. Kommunikation und Austausch mit Menschen hatte ich dafür auf der Arbeit. Beim Grillfest natürlich auch mal etwas privater und nicht nur arbeitsbedingt.

Das war alles echt ganz nett und angenehm, muss ich sagen. Auch wenn ich mich im Vorhinein gedanklich natürlich wieder selbst bekloppt gemacht habe. Essen in der Öffentlichkeit...größere Menschengruppen...funktionieren müssen...die Angst vor der Angst, nicht entsprechen zu können...Gedankentrallala trotz Social-Media-Abstinenz. Aber im Endeffekt waren es mal wieder unnötige Gedanken. Eine Bestätigung an mich selbst: ja, auch das hast du wieder geschafft!
Das Essen war lecker, die Leute waren locker. Alles gut. Feierabend. 21.30 Uhr zu Hause.

Was noch zu erwähnen wäre, ist die Tatsache, dass ich meinen Chef heute spontan gefragt habe, ob ich morgen nicht frei machen könne...zwecks Überstunden Abbau. "Wenn Ihr mit Allem gut durchkommt und Alles im Container liegt, spricht da nichts gegen."
Wie man nun weiß, waren wir fleißig und dem freien Freitag stand tatsächlich nichts mehr im Wege. So ging der Tag auch echt locker von der Hand, muss ich sagen.
Eine weitere schöne Sache, die durchaus erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass ich meine Probezeit im Betrieb heute erfolgreich absolviert habe!

Eine komplette Kommunikationsabstinenz blieb heute in der Tat nicht aus. Allerdings nicht von meiner Seite initiiert, sondern durch meinen Schlagzeuger. Er fragte über Telegram, (was übrigens der einzig wahre Messenger ist) wie es so geht und ob ich schon in die neue Tool Platte reingehört habe, die just veröffentlicht wurde. Auf mein Tom-le-Mot-Navigationssystem ist Verlass! WA, FB und Instagram habe ich weiterhin ignoriert und an diesem Abend nur noch die Serie "The People vs O.J. Simpson" weitergeschaut. Nochmal so drei ein halb Folgen, dann bin ich pennen gegangen.


Tag 3, Freitag:

Ein neuer Tag. Ein freier Tag. Ausschlafen wäre in jedem Fall ein Traum gewesen. Aber Pustekuchen. Seit dem mein Nachbar irgendwie 'nen Spleen hat und regelmäßig um halb neun auf voller Lautstärke seinen Fernseher anmacht, sind die Schlafphasen auch ohne Wecker meist abrupt vorbei. Das geht mir im Moment echt auf den Sack. Ich mein, ne?!...da machst'e nichts. Lautstärkebestimmungen über Tag sind ja recht locker. Das ist ja auch okay...aber muss man immer das ganze Haus mit seinem Scheiß beschallen? Ich neige dazu, solche Menschen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit zu verachten. Was mache ich dann? Kopfhörer aufsetzen und Musik hören, genau.

Ich schaue selbst Filme und Serien immer über Kopfhörer, weil ich meiner Umwelt nicht auf die Nerven gehen will...aber nun gut. Die Ansprüche von Leuten sind in der Regel nicht die Meinen.
Wie auch immer. Zeitig wach, trotz freiem Tag. Kaffee, Kippe, ein Brot.

Über die WA Benachrichtigungen (sprich bei den Pop Ups, die im Display erscheinen) habe ich gesehen, dass die liebe Dani heute Geburtstag hat. Ich habe ihr dann im Laufe des Tages ebenfalls gratuliert. Tatsächlich auch über WA, aber auch nur das Nötigste. Auf die zig anderen Nachrichten (von Mittwoch bis heute) bin ich weiterhin nicht eingeganen.

Im Laufe des Vormittages habe ich mal bei meinen Eltern angerufen und mich erkundigt, wie die Lage ist und ein bisschen mit meiner Mutter gequatscht. "Ein bisschen" ist meistens untertrieben. Grundsätzlich bin ich ja ein sehr kommunikativer Mensch und bei Telefonaten komme ich selten unter einer Stunde weg. Das höchste der Gefühlen waren einmal acht Stunden. Aber auch in jüngerer Vergangenheit waren Telefonate von zwei bis vier Stunden durchaus üblich. Warum auch nicht, ne?! Wer kann, der kann. Und jedes Mal stelle ich fest, dass ein Telefonat soviel mehr ist, als Text- oder Sprachnachrichten. Ich schätze Kommunikation, die eins zu eins passiert, wirklich sehr.
Alles Andere hat zwar auch seine Vorzüge, aber es geht nichts über den direkten Austausch. Und es waren zuletzt wieder sehr inspirierende und gute Gespräche gewesen.

Über das Telefonat teilte ich meiner Mutter dann ebenfalls mit, dass ich die Probearbeitszeit erfolgreich bestanden habe. Sie hat sich gefreut und bat mich, dass ich das ja auch in unserer Familien-WA-Gruppe mitteilen könnte, da sich meine Schwester und mein Bruder ebenfalls über diese positive Nachricht freuen würden. Das war dann die zweit WA-Ausnahme. Auch wenn ich dort wiederum eher kurz angebunden gewesen bin.

Meiner Mutter, sowie meinem Schlagwerker habe ich von der Abstinenz erzählt. Die beiden sind aktuell aber auch die Einzigen, die es wissen. Und bisher kam noch keine weitere direkte Kommunikation von anderen Stellen. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich 'ne Masse an Kontaktpersonen habe, dennoch merke ich heute, dass es mir fehlt. Mir fehlt der oberflächliche Spaß bei FB. Mir fehlt das Rumalbern im öffentlichen Raum. Mir fehlt das Tragen von Sarkasmus.
Was aber wirklich fehlt, ist der Austausch mit den Menschen, die ich kennen und schätzen gelernt habe. Ich bin heute kurz davor gewesen, wieder selbst die Initiative zu ergreifen und Kontakt zu machen. Aber: nein...wenigstens den Freitag noch.

Der Tag schlendert dann so seinen Weg entlang. Ein bisschen Fahrradfahren, ein bisschen mehr Musik auf die Ohren, Essen, Faulenzen und heute Abend lecker Fußball hören. Zwischendurch habe ich auch an dieser Idee zum "Tage-Buch" gearbeitet und ein wenig geschrieben.

...ja...Fußball...es war leider ein ernüchterndes und frustrierendes Spiel. Wir haben zu Hause verloren. Traurig, traurig. Aber es ist ja erst der dritte Spieltag, demnach: easy peasy...dennoch wie immer ärgerlich, wenn die eigene Mannschaft verliert.

Mit dem Gedanken an die Arbeit, der ich morgen einen Besuch abstatten muss, habe ich mir dann die letzten ein einhalb Folge der Serie gegeben und den Prozess um O.J. zu Ende geschaut. Eine Serie, die durchaus interessant ist, muss ich sagen. Sie plätschert zwar relativ gemächlich vor sich hin und bietet natürlich nur einen überschaubaren Spannungsbogen, trotzdem fand ich's super umgesetzt und gut dargestellt.

Der Wecker würde um 7 Uhr klingeln. Arbeitsbeginn am Samstag: 08:45 Uhr. Mit weiteren Gedanken an die Leute, die ich seit Mittwoch kommunikativ verschmähe bin ich irgendwann ins Bett gegangen und konnte, wie zu letzt eigentlich immer, recht gut einschlafen. Träumen tue ich im Moment eher nicht. Oder ich mache es, aber ich weiß es nicht mehr. Das war auch mal anders gewesen und ich bin eigentlich ganz froh darum, dass ich am nächsten Morgen nicht weiß, was mein Kopf in der Nacht alles bearbeitet hat. Ich liebe Schlaf. Schlaf ist so friedlich und ruhig. Schlaf ist die einzige Situation, in der ich komplett abschalten kann. Das ist enorm viel Wert.

Klar, es gibt potentiell noch andere Dinge, bei denen man die Zeit und die Gedanken anhalten kann. Aber das ist im Moment Mangelware. Weder regelmäßiges Musizieren und Krachmachen mit der Band, noch guter Sex, sind derweil greifbar. Mein Freizeitausgleich ist im Moment eher auf Kleinigkeiten beschränkt und es nervt etwas, dass die schönen Dinge so sehr stagnieren. Aber was soll man machen? Wie immer, wenn andere Leute von Nöten sind, wird es wieder kompliziert oder organisatorisch schwierig. Stagnation ist der Teufel.


Tag 4, Samstag:

Wie nicht anders zu erwarten, klingelte der Wecker heute pünktlich um viertel vor sieben...und dann nochmal um punkt sieben. Aufstehen. Kaffee, Kippe, Dusche, kein Social Media, n Brot, los zu Arbeit. Heute war es aber ein überschaubarer und im Verhältnis zu sonst, kleiner Dienst. Die Öffnung der Räumlichkeiten, das Warten auf die Kursteilnehmer und eine Einweisung standen an. Der Kurs war pünktlichst um kurz vor neun zugegen, ich konnte meine Arbeit machen und hatte dann den Vormittag erstmal zur freien Verfügung. Allerdings immer mit dem Bewusstsein, heute Nachmittag wieder vor Ort zu sein, um die Schließung und etwaige Aufräumarbeiten vorzunehmen.

Auch heute denke ich über die Abstinenz nach und hoffe wirklich, dass das Nichtssagen in Bezug auf das Abwesendsein mir nicht übel genommen wird. Aber das ist ja Quatsch. Sollte sich jemand dafür interessieren, warum ich merklich wegbleibe, wird und soll nachgefragt werden! Ich bleibe gespannt, wie lange ich das noch aufrecht halten kann. Zum Einen ist es weiterhin ganz schön, das Telefon nicht ständig in den Fingern zu haben, zum Anderen bleibt dennoch eine gewisse gedanklich-emotionale Abhängigkeit, die ganz klare Zeichen sendet, die eigentlich nicht gut sind.

Ich habe den Vormittag mit zwei Einkäufen, einem zweiten ausgiebigeren Frühstück und einer Doku über Rocco Siffredi verbracht. Bestes Vormittagsprogramm inklusive noch mehr Kaffee, Kippen und dem Einblick in das letzte Jahr dieses Pornodarstellers. Gar nicht verkehrt, diese Doku, muss ich sagen. Interessant war es in jedem Fall. Aber auch wieder eine wunderbare Bestätigung, selbst soweit reflektiert zu sein, Porno vom Realen unterscheiden zu können. Was für kaputte Geister und Gemüter viele der Darstellerinnen und Darsteller sind, ist nicht von der Hand zu weisen und die Einblicke von hinter der Kamera waren schon sehr eindeutig. Pornos zu drehen, ist halt echt intensiv und vor allen Dingen ist es harte Arbeit. Ich würde ja jedem Millenial wünschen, sie wüssten, wie es in Wirklichkeit zugeht. Aber die Porno-Beeinflussung seit der Zeit des Internetz ist enorm und voll in den Köpfen Vieler eingebrannt. Brave new world, again!

Heute Nachmittag ging es dann nochmal zu Arbeit, um die Dinge zu tun, dich ich tun musste und dann bin ich offiziell ins Wochenende gestartet.
Bisher gab es keinerlei weitere Kommunikation auf anderen Kanälen und ich bin noch immer eisern, was das offensichtliche Ignorieren der Social-Media-Plattformen angeht.
Die Gedanken dazu und darüber bleiben aber hartnäckig. Die Gedanken an die Menschen, die Gedanken an Ablenkung und Spaß. Ja, auch mit Social-Media kann man die Zeit vergessen. Ich habe Hunger, werde nun mal etwas Essen und hier später weiterschreiben. Hier und da erwische ich mich heute aber vermehrt, dass ich aufs Telefon schaue, um herauszufinden, ob nicht doch irgendjemand schreibt oder eine Benachrichtigung auftaucht.

Im Inneren hoffe ich darauf, dass jemand auf mich zukommt. Aber Hoffnung und ich sind seit Neuestem eh geschiedene Leute. Ich habe sie durch Zuversicht ersetzt. Demnach ist Hoffnung, dass sich jemand meldet, völlig fehl am Platze. Viel mehr sollte ich zuversichtlich sein, dass es eine gute Erfahrung ist. Ich sollte zuversichtlich sein, dass nach Wiederaufnahme der Kommunikationen alles beim Alten ist. Ich bin auf jeden Fall sehr auf die Erkenntnisse dieser Phase gespannt.


Tag 5, Sonntag:

Während des gestrigen Abendessens konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, wieder eine neue Serie anzufangen. Ntflx ist ja sooo super. Dieses Mal: "WU Assassins"...heute, ein paar Stunden nach gestern, bin ich bei der Serie schon zu Folge fünf fortgeschritten. Ja...was soll ich sagen?! Das ist 'ne Serie, die ich in meiner subjektiven Bewertung wiedermal mit einer soliden 5.5-6/10 bewerten werde. Es ist ganz okay, aber nicht der Wahnsinn und irgendwie ist auch diese Thematik schon hunderte Male da gewesen und haut mich nicht so richtig vom Hocker. Aber hey, Martial Arts mit Iko Uwais und einer höchst attraktiven Katheryn Winnick. Es gibt Schlimmeres...dennoch bleibt's bei einer überschaubaren Serien-Sache.

Wie auch immer! Heute ist Tag fünf, heute ist Sonntag und tatswahrhaftig ist gestern noch ein Teil-Ausbruch aus der Abstinenz passiert. Zuversichtlicher Weise durch eine externe Quelle. FB habe ich bisher zwar immer noch nicht geöffnet, dafür wieder lustige und erfrischende Kommunikation über WA gemacht! Das war gut und es wurde Zeit. Ich denke nämlich, auch wenn die externe Kommunikation gestern nicht passiert wäre, hätte ich mich heute so oder so wieder ins digitale Haifischbecken geworfen und wäre ein paar Runden geschwommen. Umso besser aber, wenn die Kontaktbarkeit doch schon vorher passiert ist.

Haie sind echt abgefahrene Tiere, finde ich und wenn man weiß, wie sie reagieren und welchen Instinkten sie folgen, kann man auch relativ gechillt mit ihnen in einem Becken schwimmen, ohne Gefahr zu laufen, direkt verputzt zu werden...außer in der Regel...das sollte man so ein Becken eventuell vermeiden...die wittern ja Blut und so... Aber wie gesagt, wenn man das weiß, dann weiß man das ja und dann kann man Präventiv-Maßnahmen ergreifen. Pflaster zum Beispiel. Oder einen Mantel aus mentalem Eisen oder Eis...das schützt nicht nur in der Regel..

...kein Frage: den Bogen von Haien über Becken und Blut zum Resümee zu spannen wird vielleicht etwas schwierig...ist aber im Endeffekt auch Wumpe, weil es ja eh weitergeht und sich nichts verändert hat. Natürlich hat sich nichts verändert. Es waren ja auch nur fünf Tage der Abstinenz.
Haie bleiben Haie. Die Meute bleibt die Meute und die Leute, die bleiben, die bleiben.

Alles in Allem habe ich nun rückblickend eine Erkenntnis: ja, es ist okay und machbar, sich dem digitalen Wahnsinn zu entsagen. Ich stelle aber auch fest, dass spontan ein Zeit- und Spaßfaktor entfällt. Man ist auf jeden Fall ganz schön geimpft und die üblichen Gewohnheiten im Umgang mit sozialen Medien machen die heutige Kommunikation einfach zu einem Großteil aus.
Ich habe gemerkt, dass es Dinge gibt, die ich nicht vermisst habe...Leute, die einfach nur aus Oberfläche bestehen, zum Beispiel. Wiederum habe mir gewisse, besondere, Kontakte echt gefehlt.
Aufgrund der Tatsache, dass mich diese künstliche Abstinenz tatsächlich etwas frustriert hat, zeigt mir nur, dass persönliche Isolation definitiv nicht gut für mich ist.
Da ich auf dem Gebiet ja schon reichlich ungewollte Erfahrungen vorbringen kann, war es umso wichtiger, zu bemerken, dass das niemals der Weg für mich sein sollte. (Mir kommt beim Schreiben dieses Satzes ein spontanes De-ja-vu in den Sinn. Das ist sehr gut!)

Ab heute gilt es also nun wieder: ran an den Byte-Speck und zurück in den Wilden Westen! Ich denke aber, dass ich meine alte Rolle weiterspielen werden. Die Abstinenz hat meine Identität zum Glück nicht verändert und ich werde die wichtigen Leute wieder davon überzeugen können, mir zu zuhören und darüber Aufmerksamkeit für den Inhalt zu erhalten. Das ist super, das ist gut. Mit Euch kann man arbeiten, liebe Leute!

Lets fetz, sagte das Schnitzel und sprang ins Haifischbecken!!!



Sonntag, 25. August 2019

Schreib-Challenge #2.2019 (Übersicht): Zwischen den Zeilen- kaum jemand ist in der Lage empathisch und verständnisvoll zuzuhören. (anerzogen, Genetik oder erlernbar)

"Zwischen den Zeilen- kaum jemand ist in der Lage empathisch und verständnisvoll zuzuhören. (anerzogen, Genetik oder erlernbar)"



Einen wundervollen guten Tag! Heute ist es wieder soweit! Eine neue Schreibaufgabe geht an den Start. Dieses Mal haben insgesamt sieben (7!) liebe Menschen mitgemacht und sich dem oben genannten Thema angenommen. Die Idee dahinter: Ein Thema, verschiedene Schreiber und separate Herangehensweisen und Umsetzungen des vorgegebenen Themas.

Dieses Mal hatten wir grob vier Wochen Zeit für die Umsetzung und ja, wie erwartet wurde es wieder herrlich variabel, da jeder der Schreiber frei entscheiden konnte, wie er den Beitrag verfasst und was er im Endeffekt aus diesem - wieder super gewählten - Thema macht. Wir haben dieses Erfahrungsberichte, Analysen, ein Gedicht und einen klaren Appel dabei. Also von Allem im Etwas. Richtig gut! Im Folgenden sind die einzelnen Links zu den Beiträgen zu finden. Klar, bei so viel Inhalt, bedarf es ein wenig Zeit und Muße, sich alles reinzufahren.

Viel Spaß und Erfolg dabei!


➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Caro): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Christina): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (David): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Joe): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Jörn): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Lena): Zwischen den Zeilen...

➤ Schreib-Challenge #2.2019 (Nic): Zwischen den Zeilen...


An dieser Stelle möchte ich mich nocheinmal ganz ausdrücklich bei allen Autoren für ihre Ambition und die aufgewendete Zeit bedanken! Es ist mir eine Freude, zu sehen, dass und wie ihr Euch jeweils mit dem Thema auseinandergesetzt habt und kann nur sagen: mega gut! Ich danke Caro, Christina, David, Jörn, Lena und Nic!

Ich denke, die Idee der Schreibaufgabe wird bald weitergeführt werden, so dass man eventuell den einen oder anderen Schreiberling wieder lesen wird!

In diesem Sinne: chapeau, ganz viel Dank, viel Freude beim Lesen und auf bald!



Sonntag, 14. Juli 2019

Schreib-Challenge #1.2019 (Übersicht): Schatzhasipupsimausi...

Hallo zusammen!

Ich freue mich sehr, diesen Beitrag zu verfassen; beinhaltet er doch eine neue, recht umfangreiche und hoffentlich interessante "Schreib-Challenge". Die Grundidee ist die Gleiche, wie vor geraumer Zeit: Ein Thema, verschiedene Schreiber und demnach verschiedene Meiungen, Ansätze, Interpretationen und Herangehensweisen. Dazu hatte ich in der 1 live Freundeskreis Gruppe bei Facebook einen Aufruf gestartert und zum Mitmachen angehalten und trara: es meldeten sich Interessenten, die dieses Projekt nun mit umgesetzt haben: Die Schreiber zu diesem Thema sind Caro, David, Marcel und meine Wenigkeit. Da wir möglichst frei und unbefangen zu einem Thema schreiben wollten, benannten wir ein Gremium von findigen Menschen, die ebenfalls in der FB Gruppe sind, um für uns ein Thema zu erörtern. Vielen Dank an die lieben Gremiumsmitglieder!

Herausgekommen ist ein Thema, inspiriert durch die moderne Kommunikation, das Internet, FB und die Übertragung ins echte Leben. Der doch recht umfangreiche Titel bzw. das Thema zu unserer Schreibaufgabe lautet also wie folgt:


"Schatzihasipupsimausi - das Geschmiere mit dem Honig und wieso sich Unbekannte online/virtuell abknutschen und im Real-Life nicht einmal miteinander reden können."


➤ Schreib-Challenge #1.2019 (Caro): Schatzhasipupsimausi...

➤ Schreib-Challenge #1.2019 (David): Schatzhasipupsimausi...

➤ Schreib-Challenge #1.2019 (Joe): Schatzhasipupsimausi...

➤ Schreib-Challenge #1.2019 (Marcel): Schatzhasipupsimausi...

Wir haben ein paar Wochen Zeit gehabt, dieses Thema zu beschreiben und ja, was soll ich sagen?! Es ist von Allem etwas dabei. Etwas Lyrisches, etwas Persönliches, Kritik und subjektive Betrachtungen. Richtig gut! Was jeder einzelne der vier Schreiberlinge zu digitalem Papier gebracht hat, ist nun im Folgenden zu lesen. Jeder Schreiber bekommt hier natürlich seinen eigenen Beitrag. Einfach hier in der Übersicht auf die einzelnen Links klicken oder über den Reiter "Blog" und dann zur Schreib-"Challenge" #1.2019. Ich hoffe, es macht Spaß, zu lesen, es ist interessant, inhaltlich wertvoll und abwechslungsreich. Ein bisschen Geduld und Zeit ist auf jeden Fall von Nöten, um sich durch alle Beiträge zu arbeiten. Aber so sollte es sein. Nimm dir die Zeit und lasse dich darauf ein. Vielen Dank an alle Beteiligten und viel Spaß mit unseren Beiträgen!!


Ich bin auf jeden Fall gewillt eine solche Schreib-Challenge in diesem Jahr erneut in die Wege zu leiten. Themen gibt es immer genug und talentierte und bewanderte Schreiber ebenso. Also warum nicht?! Mir macht das unglaublich viel Spaß und bestätigt das Schreiben und erreicht in jedem Fall ein paar Menschen, die sich vielleicht vorher nicht mit solch einem Lesegut auseinander gesetzt haben. Stay tuned, checkt auch den Blog vom David und hinterlasst hier, bei Facebook oder Instagram gerne Feedback zu dem, was wir so produziert haben.

Auf Bald und mit Grüßen - Joe

Samstag, 17. März 2018

Der schlafwandelnde Gitarrist

Dieser Beitrag entsteht aus einer illustren Kommunikation heraus, die im 1Live-Freundeskreis passiert ist. Jemand wollte das so, bzw. hatte die wunderbare Idee der Verflechtung von vier Einzelthemen, die ich hier beschrieben habe oder noch beschreiben werde. Es folgt eine Geschichte, eine kleine Erzählung. Sci-fi, Drama, Komödie, Fantasy? Von Allem etwas, würde ich sagen. Nehmt Euch bitte ein bisschen Zeit, es ist etwas mehr geworden. Viel Spaß und danke für die Inspiration dazu!


Der schlafwandelnde Gitarrist


...Mittwoch, drei Uhr Nachts. Ein Mann setzt sich in seinem Bett auf. Dies geschieht auf recht obskure Art und Weise. Nicht, wie man sich das unter normalen Umständen vorstellt. Denn der Mann, seines Zeichens Gitarrist, der was auf sich hält, schläft. Dennoch sitzt er nun kerzengerade in seinem Bett, vermeintlich regungslos. Die Augen sind weit geöffnet. Sein Blick ist starr. Würde man ihm nun mit einer Hand vor dem Gesicht rumfuchteln, würde er nicht reagieren, selbst ein Zucken oder Blinzeln wäre eher nicht zu erwarten. Er starrt einfach nur in eine Richtung, sich selbst nicht bewusst, dass das gerade passiert...

Der Mann, ein Gitarrist, seines Zeichens locker, flockiger Draufgänger mit promiskem Verhalten, ist nämlich Somnambulist. Er ist ein Schlafwandler. Ein Nachtwandler. Jemand, der bewusste motorische Ausübungen vollführt, obwohl der Schlaf ihn eigentlich daran hindern sollte. Jemand, der nicht mitbekommt, dass er des Nachts umherläuft, Türen öffnet oder Lichtschalter betätigt. In seinem Falle ist die Ausprägung dieser Schlafstörung so stark, dass er sogar das Haus verlässt und in Boxershorts auf der Straße und in der Nachbarschaft herumläuft. Das passiert alles unterbewusst versteht sich. Im besten Fall, so wie bisher, kam der promiskuitve und somnambulistische Gitarrist auch ohne große Zwischenfälle und unbeschadet wieder von alleine in sein Bett zurück. Meistens konnte er sich nicht mal erinnern, was während des Schlafwandelns passiert war.

Der Mann wusste aber mittlerweile von seiner Schlafstörung und dem Schlafwandeln. Diese seltene Störung hatte er nun schon ein paar Jahre miterleben dürfen (sprich immer nachträglich, oder wenn er während des Wandelns oder danach aufgewacht war). So fand er sich zum Beispiel eines morgens auf dem Küchenboden wieder, neben ihm zwei aufgeschlagene Eier, etwas Mehl, Milch. Er erwachte an jenem Morgen - auf dem Boden der Küche - aus einem verschwommenen Traum, in dem er sich mitten in der Nacht Pfannekuchen machen wollte. Zum Glück trug er nur die Zutaten zusammen...er hatte dann wohl keine Pfanne griffbereit...so schlief er, die Zutaten auf die Kacheln geworfen, wieder ein und wunderte sich am nächsten Morgen, über die veränderte Umgebung.

Solche Ereignisse hatten ihn auf jeden Fall vorsichtiger werden lassen. Er verstaute gefährliche Haushaltsgeräte nun immer sehr viel bedachter und sicherer, schloss diverse Türen ab und polsterte die eine oder andere scharfe Kante von irgendwelchen spitzen Objekten, mit irgendwelchen weichen Materialien. So konnte er guten Gewissens einschlafen, ohne Angst haben zu müssen, eines Nachts blutend, verletzt oder mit gekochten Eiern auf zu wachen. Soweit so gut. Er lebte einfach damit weiter, es war ja nie etwas Krasses passiert. Bis zu diesem einen, ganz besonderen Ereignis, das ihm bisher nur einmal passiert war. Diese Erfahrung würde er allerdings nie wieder vergessen und ihn nachhaltig verändern. Denn bei diesem Mal wachte er während eines recht lebhaften und sich real anfühlenden Traumes auf.


Folgendes ist ihm passiert:

An einem Dienstagabend kam der semi-erfolgreiche Gitarrist von einer Session nach Hause. Es war schon spät, er hatte bei der Session ordentlich gebechert und war mittlerweile gut angetrichtert. Er schwelgte in Erinnerungen an eine, für ihn, erfolgreiche Session, bei der er wundersamer Weise drei Stunden lang ganze vier Akkorde spielte. (Er konnte zwar auch noch einen Fünften, der war Ihm aber zu kompliziert, da hätte er sich bestimmt verspielt und das wollte er nicht.)
Gitarristen fallen ja immer irgendwie auf, egal ob sie gut spielen oder auch nicht. Aufgefallen war ihm an dem Abend auch das ein oder andere Mädel, das in den karg besetzten Stuhlreihen gesessen hatte und ihn mehr oder weniger anhimmelte. So war auf jeden Fall seine Wahrnehmung. Promiskuitiv wie er war, wusste er ja, was das Gitarrespielen alles bewirken konnte und das nutzte er auch aus. Von den potentiellen Sexualpartnern, die an dem Abend in der Location waren, drei an der Zahl, konnte er wenigstens eine Nummer abstauben.

Glücklich und zufrieden mit dem Gedanken, dass er ein toller Hecht sei, genehmigte er sich zu Hause noch ein Gute-Nacht-Bier, dachte an die coole Session, die Uschi, die er bald knallen würde und an die anderen Chicks, die er schon wenigstens einmal begattet hatte. Es lief bei ihm. Super praktisch war zudem auch, dass in der Nachbarschaft zwar wenige Menschen wohnten, davon aber gut die Hälfte Studentinnen in einem Wohnheim waren, die er schon mit seinem Charme und seinem wahnsinnigen Gitarrenspiel beeindrucken konnte. Er lebte seine sexuellen Vorlieben, mit vielen, verschiedenen Partnerinnen zu schlafen, also voll aus. Mit diesem Gedanken und gut Einen sitzen, ging er dann irgendwann ins Bett und schlief auch ziemlich schnell ein.

...Mittwoch, drei Uhr Nachts. Ein somnambulistischer, zudem promiskuitiver, semi-guter Gitarrist setzt sich in seinem Bett auf. Er schlafwandelt. Er bekommt nicht mit, was er in dieser Episode seines Lunatismusses erleben wird. Er sitzt, starrt in die Dunkelheit. Plötzlich schlägt er die Decke beiseite, streckt zuerst das eine Bein aus dem Bett, stellt es auf den Boden, dann das Andere. Er steht auf. Zielstrebig bewegt er sich nun aus dem Schlafzimmer heraus und geht in den Flur. Nur mit einer Boxershorts bekleidet, nimmt er die Wohnungstüre mit seinen starren Augen ins Auge und läuft an dem großen Spiegel im Flur vorbei, ohne sich selbst auch nur eines Blickes zu würdigen. Der Mann nimmt die Klinke in die Hand, öffnet sie, schreitet auf den Hausflur und geht stracks die eine Treppe ins Erdgeschoss hinunter. Hätte er mitbekommen, was er da tat, wäre Ihm aufgefallen, dass er seine Wohungstüre einfach offen stehen gelassen hatte und es zudem, drei Uhr Nachts, etwas zugig unten rum war. Aber wenn du nichts mitbekommst, ist auch ein frisches Lüftchen relativ egal. Hätte er zudem am Vorabend nicht so viel getrunken, hätte er die Wohnungstüre auch vorsorglich abgeschlossen, so wie eigentlich immer...aber naja, wir alle wissen: Alkohol macht Sachen.

Noch eine Türe geöffnet, steht er nun vor dem Mietshaus auf dem Bürgersteig, dreht sich nach links und geht ein Stück weit weiter. Die Studentinnen wohnten tatsächlich auch in dieser Richtung, in einem kleinen Wohnheim, bestehend aus einzelnen Appartements. Wahrscheinlich geriet er in den Prozess des Schlafwandelns, als er gerade von Schweinkram mit einer oder mehreren Studentinnen träumte. Diese Traumwahrnehmung veranlasste ihn wohl auch zu dieser Reise. Vielleicht trug auch der Alkohol vom Vorabend noch dazu bei. Er war ja schließlich glücklich und zufrieden eingeschlafen, mit Gedanken an irgendwelche Uschis bei irgendwelchen Sessions.

Der Gitarrist war nun tatsächlich auf der Höhe des Wohnheims angekommen, bog ein weiteres Mal scharf nach links ab und steuerte sehr zielstrebig auf ein Appartement zu. In der Vergangenheit war es schon öfter vorgekommen, dass er sich kurzfristig bei einer dieser Uschis gemeldet hatte und diese, manchmal auch Nachts noch, reagierten und auch Spaß haben wollten. Man kannte sich ja schließlich schon und war sich einig. Bisher war er aber noch nie schlafwandelnd bis vor eine Türe der Appartements gekommen. Entweder lief er immer in die andere Richtung oder aber vorbei und dann wieder zurück. Was er allerdings nicht wusste, da er bei diesen nächtlichen Reisen bisher immer wieder in seine Wohnung zurück gekehrt war.

Da stand er nun. Vor der verschlossenen Türe eines Appartements. Halbnackt, von Sex träumend, mit offenen Augen und einem halb errigierten Penis, der weiterhin für mehr Belüftung unten rum sorgte. Er klopfte zaghaft an, er klingelte nicht, er klopfte. Knöchel auf Holz. Tock, tock, tock. Für einen Außenstehenden hätte es wohl so ausgesehen, als hätte er bewusst an diese Türe geklopft. Die motorischen Automatismen beim Schlafwandeln sehen schon sehr gewollt aus. Und in der Tat...die Türe öffnete sich. Er trat ein bzw. wurde hereingelassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war der promiskuitive, semi-gute Gitarrist immernoch in einer Phase des Schlafwandelns, bekam von der Situation also weiterhin nichts bewusst mit. Er träumte bestimmt von der Einen aus dem Wohnheim...die Eine, die es irgendwie konnte, obwohl sie jetzt nicht so die mega Granate war. Aber als semi-guter Gitarrist, sind die Ansprüche ja auch angepasst. Er träumte auf jeden Fall davon, wie er eines Abends bei ihr auftauchte, um Sex zu haben. Sie tranken ein bis zwei Gläser Wein, blödelten ein bisschen herum, kamen immer mehr in Stimmung und entkleideten sich dann nach und nach. So stand er nun fast nackt, nur noch die Ungerbuchs an, in dem kleinen Appartement vor einem Bett, und träumte davon, dass er nen mittelmäßigen Ständer hatte und sie vor ihm kniete, seine Boxershorts herunterzog und anfing im ordentlich einen zu blasen. Ein tolles Gefühl, selbst im Traum. Auch wenn sie nicht die mega Granate war, Schwänze lutschen, das konnte Sie gut...richtig gut. Also Seinen, er hatte ja nur einen Penis. Aber Sie musste in Ihrem Leben schon oft geübt haben, so meinte der semi-gute Gitarrist, nachdem er das erste Mal was mit Ihr hatte. Das kommt ja wohl nicht von ungefähr, meinte er.

Er stand also weiter so da, ließ sich oral befriedigen und merkte im Traum, wie auf einmal Alles ganz schnell ging. Seine Erregung stieg immer mehr, er konnte irgendwie wahrnehmen, wie der Punkt kam, an dem Mann normalerweise innerhalb von ein paar intensiven Sekunden kommen könnte. Da er in dieser nicht ganz wachen Phase noch keine direkte Kontrolle über seinen Körper hatte, ließ er es einfach zu. Sie machte ja auch weiter. Er kam also durch einen Blowjob zum Höhepunkt und erwachte just in dem Moment, als sich die gesamte Anspannung, die sich während der Stimulierung angesammelt hatte, in einer wohlwollenden, expulsiven Erleichterung auflöste. Er wachte auf. Das letzte Bild in seiner Traumwahrnehmung war tatsächlich, dass er durch den Blowjob in ihren Mund kam. Sie es sogar wohlwollend forderte.

Das erste Bild, was er dann aber bewusst wahrnahm, als er aufwachte, zeitgleich als er kam, ließ Ihn allerdings lauthals aufschreien und in einer unglaublichen Intensität das Appartement fluchtartig verlassen. Er rannte, sich die Shorts gerade noch hochziehend, dann die Hände über dem Kopf zusammenschlagend, so schnell, wie er konnte zurück zu seiner Wohnung. Glücklicherweise war die Haustüre, Marke sehr einfach, nicht von alleine ins Schloss gefallen und stand immernoch offen, als er, völlig außer Atem, dort ankam. Er flitzte in den ersten Stock, seine Wohnung stand ebenso noch offen, betrat seine Bude setzte sich auf die Couch und versuchte zu begreifen, was da eben passiert war. Der Traum war doch so gut gewesen, auch wenn Sie keine mega Granate war, ein Blowjob ist doch immer toll...

Der semi-gute Gitarrist, mit somnambulistischem Hintergrund und dem Hang zu Promiskuität, klopfte in dieser Nacht nämlich nicht an die Türe irgendeiner Studentin, sondern an die Türe von dem einen, männlichen Studenten, der da wohnte. Der heterosexuelle Gitarrist kannte den Studenten nur flüchtig, wusste aber, dass dieser schwul war und ihn schon immer etwas zu nett anlächelte, wenn man sich über den Weg lief, so fand er.

Das erste Bild, als er in dieser Nacht also aufwachte, war ein fast fremder, halbnackter Mann, der vor ihm kniete und es ihm gerade oral besorgt hatte. Dabei schien der Student auch jetzt immer noch etwas zu nett zu lächeln. Der Gitarrist starrte den Studenten nur ein paar Sekunden an und ergriff dann panisch die Flucht..

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Student von dem Schlafwandeln des Gitarristen wusste, warum auch immer, und diese Situation einfach ganz egoistisch für sich verwendet hatte. Er habe sich dabei nicht viel gedacht, meinte es doch nur gut. Er war zwar etwas überrascht, aber freute sich auch über den halbnackten Mann, der so unvermittelt vor seiner Türe erschienen war. Der Student sah den nächtlichen Besuch auch als Angebot, als glücklichen Zufall. Und das hatte er einfach gerne wahrgenommen. Warum auch sonst, sollte ein halbnackter Mann, den er ja auch irgendwie anhimmelte, mitten in der Nacht an seine Türe klopfen? Er wollte nur spontan sein und dem Gitarristen hätte es doch auch gefallen.
Dass der Student genau zu diesem Zeitpunk noch wach war und die Türe öffnen konnte, war reiner Zufall. Dass er genau wusste, was Somnambulismus ist, machte Ihn natürlich irgendwie zu einem Täter, was ihm ein ziemlich schlechtes Gewissen bereitete. Er war doch kein schlechter Mensch und Gitarrespielen konnte er auch nicht. Er hatte sich fest vorgenommen, eine ehrliche Entschuldigung an den Gitarristen auszusprechen.
Der Gitarrist hatte allerdings viel zu viel Scham und Angst und ein kleingeistiges Denken, um die Angelegenheit mit dem Studenten überhaupt klären zu können. Er erzählte niemandem von dem Vorfall. Niemandem, niemals. Der Student war bestimmt etwas traurig, dass es nicht nochmal dazu kommen würde, der Gitarrist wollte aber einfach nie wieder darüber nachdenken, reden oder was auch immer...


...nach diesem speziellen Ereignis hatte der Gitarrist keine einzige Anwandlung von Somnambulismus mehr. Er traf sich dann, recht zügig, irgendwann mit der Uschi von der Session. Sie kamen zusammen, er legte seine promiskuitive Art ab und heiratete die Uschi. Sie bekamen zwei Kinder, einen Hund und ein Haus mit Garten. Er hatte nie wieder Sex mit anderen Partner, als mit seiner Ehefrau, der Uschi von der Session. Und das dann auch nur, um die zwei Kinder zu zeugen, die Sie wollte. Das semi-gute Gitarre-Spielen hatte er zudem als nicht mehr nötig erachtet und hing auch das an den Nagel. Letztendlich wurden beide sogar nebeneinander in einem Familiengrab bestattet. Er nahm den Grund für die komplette Veränderung seines Lebens buchstäblich mit ins Grab. Alles in Allem wurde dieser eine Traum zu seinem ganz persönlichen Trauma und änderte diesen Menschen von Grund auf.


Ein Märchen mit zwei Happy Ends...oder auch nicht, je nach dem. Dafür mit viel Moral und kaum Spaß :D Macht was daraus!


"Schlafwandelnde Gitarristen, die aufgrund ihrer Promiskuität einen Blowjob erhalten?" Ist übrigens der Satz gewesen, der das Alles ins Rollen gebracht hat, another thx!