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Donnerstag, 23. April 2020

Dunkelste Stunden

Wann ist man ganz unten angekommen? Wann ist der Zeitpunkt, der der Dunkelste in einem Leben sein kann? Himmelhoch jauchzend und im wahrsten Sinne zu Tode betrübt.

Es gab eine Zeit, die ich mit Abstand zu der dunkelsten aller Zeiten zähle. Eine Zeit voller Zweifel, Unsicherheit und Un-Selbstbewusstsein. Eine Zeit, in der es nicht anders möglich gewesen ist, als diesen triefend-schweren Mantel der Depression mit sich herumzutragen. Der Mantel war dabei leider weder optisch ein tolles Kleidungsstück, noch hat er mich warm gehalten. Er zog einfach immer mehr und immer weiter herunter, wurde schwerer und schwerer, dunkler und dunkler.

Der Moment, wenn sich in deinem Kopf alles nur noch um eine Option im noch vorhandenen Leben dreht: die Selbstaufgabe. Die letzte Möglichkeit, um dem lähmenden Griff zu entfliehen. Entkommen, Erlösung, Aufgabe. Wenn man soweit in sich gefangen ist, dass man nichts mehr zu Stande bekommt. Der Moment, wenn Zeit egal ist. Der Moment, wenn man die Augen einfach nur zu machen und nie wieder öffnen möchte. Ganz unten ankommen: emotional und gesellschaftlich betrachtet.

Die Depression ist im Stande, dich komplett aus einem regulären Ablauf und aus gängigen Strukturen herauszureißen. Du veränderst dich, schottest dich ab. Du gehst nicht mehr vor die Türe und dein Körper lässt dich im Stich. Du bekommst Angst. Du schürst deine eigenen Zweifel immer mehr. Irgendwann kämpst du nicht mehr. Irgendwann ergibt das Alles keinen Sinn mehr für dich. Du vergisst, dass dort draußen immer noch Menschen sind, die dich lieben. Menschen, die zu dir stehen und dich auffangen können. Aber du verschließt dich immer mehr. Du erzählst niemandem von den inneren Problemen. Du traust dich nicht zuzugegeben, dass du nicht mehr Leben möchtest. Am liebsten würdest du einfach davon schweben und alles hinter dir lassen.

Du willst nur noch in die friedliche Ruhe eintauchen, die dir der Tod suggeriert. Nichts macht mehr glücklich. Nichts kann dich motivieren, deine Teufelskreise eigenständig zu verlassen. Du weißt ganz genau, etwas stimmt schon lange nicht mehr, aber wirklich eingestehen kannst du es dir nur zum Teil. Einsamkeit, Traurigkeit und Sinnlosigkeit erobern deinen beschränkten Horizont und du liegst nur noch da. Wartest, versuchst zu schlafen, denkst darüber nach, wie du es beenden kannst. Liegst da und versuchst immer wieder die Stimmen in deinem Kopf auszuschalten. Du betäubst dich immer mehr, willst immer weniger mitbekommen. Du manövrierst dich immer mehr selbst in eine Welt, die als dunkelste Aller bezeichnet werden kann.

Die Depression nimmt dir alle deine Grundlagen. Sie nimmt dir jegliche soziale Kompetenz. Sie zieht dir den Boden unter den Füße weg und lässt dich endlos fallen. Fallen ohne aufgefangen zu werden. Fallen in ein nie enden wollendes schwarzes Loch, aus dem es nur noch einen Ausweg zu geben scheint...Flügel werden dir nicht einfach so wachsen. Du wirst nicht einfach so wieder empor fliegen können...

...irgendwann - im Bestfall - schlägst du auf dem teerigen Boden der Realität auf und spürst endlich wieder etwas anderes als Leere! So widrig dieser Boden auch ist, an dem du dich jetzt befindest, es ist das Beste, was dir in dieser Situation passieren konnte. Fange an nach dem Boden zu greifen. Fange wieder an, wahrzunehmen. Fange wieder an, auf die Beine zu gelangen und aufrecht zu stehen. Fange wieder an, deinen Blick schweifen zu lassen. Und fange an, dich zu öffnen. Nimm die ganze Leere und Traurigkeit und erkläre sie deinen Lieben. Fange an, dir einzugestehen, dass du es alleine nicht schaffst. Fange an, wieder zu laufen und lass dir helfen.

Wie gerne du einfach in den Arm genommen werden wolltest, aber es nie jemandem gesagt hast. Wie sehr du die menschliche Nähe vermisst hast, die so unglaublich wichtig ist. Wie sehr du die Leichtigkeit vermisst, die einst gewesen ist.

Aber jetzt ist alles anders. Es liegt ein unfassbar demütiger Weg hinter dir. Und ein sehr sehr Müßiger vor dir. Das Wichtigste: die Erkenntnis, dass du nicht alleine bist. Die Erkenntnis, die mit der Erkenntnis kommt, doch wieder einen Sinn hinter deinem Leben zu erkennen. Nimm das Licht wahr. Sieh nach vorne. Wisse um den harten Aufprall und sei dankbar, dass du dadurch nicht gänzlich zerbrochen bist. Sei dankbar, dass du Familie hast. Sei dankbar, dass du durch die Hölle gegangen bist. Sei stolz, dass du dich geöffnet hast. Sei froh, dass deine Ängste wieder weniger werden und gehe einen neuen, anderen Weg.

Dieser Weg wird dich und dein Sein neu definieren. Er wird dir zeigen, dass das Leben ganz neue Dinge bereit hält. Du wirst die Kleinigkeiten so viel mehr zu schätzen wissen. Du wirst dankbar sein, dass es dir ein Leben lang gut gegangen ist. Du wirst den Weg gehen müssen, so lange er auch dauern mag. Dein Leben wird dich verändert haben, aber das ist gut so. Du lernst wieder dazu. Du reflektierst und merkst, dass du so etwas nie wieder haben willst. Du willst wieder gut und stark und voller Selbstbewusstem sein. Und du wirst mit jedem Schritt wieder leichter. Der Kopf wird freier. Die Wolken lichten sich nach und nach und irgendwann streifst du den dunklen Mantel auf den Schultern ab und fühlst dich, wie neugeboren.

Ein neues Leben wartet. Ein besseres, ein intensiveres, ein schöneres aber auch ein anderes Leben. Nimm es an und mache daraus das, was es für dich sein soll. Du hast den Abrgrund gefühlt, du bist am Boden aufgeschlagen und du bist trotzdem noch da. Vergib dir für alles, was du dir selbst antun wolltest und sei (ganz einfach) einfach wieder glücklich. Wertschätze das Wissen, das du nun hast und nimm diese immense Veränderung und gestalte dein Leben neu. Habe Geduld und Zuversicht. Sei offen und positiv und dir selbst nicht zu schade, über Unzulänglichkeiten zu berichten. Bade nicht mehr im Selbstmitleid, sondern nimm das an, was das Leben dir gibt: nämlich das Leben! Mit allen Facetten und Möglichkeiten. Es ist ein tolles Leben. Es lohnt sich immer. Gib niemals auf, niemals!

Auch wenn es Jahre dauert, wieder Fuß zu fassen, es geht. Es funktioniert. Es ist möglich, aus jedem noch so ausweglosen Teufelskreis, aus jedem noch so tiefen Loch, aus jedem noch so bitteren Selbstgefühl wieder auszubrechen. Alles ist möglich, wenn man merkt, dass der Kopf nicht mehr die Kontrolle über das Selbst hat. Sei dein eigenes Selbst, immer. Mach dich zu dem, was du sein willst.

Ich bin dankbar und froh, diese Zeit hinter mir gelassen zu haben. Ich bin dankbar für diese äußerste Grenzerfahrung. Nun mit genügend Abstand kann ich sagen, ich habe gelernt. Ich habe etwas überstanden, was nie jemand durchmachen sollte. Ich bin gewachsen, ich habe mich verändert. Ich bin ein besserer Mensch geworden und ich habe so viel Liebe in meinem Leben erfahren, die ich mehr als je zuvor zurück geben möchte und kann. Es dauerte Jahre, aber zu wissen, dass man seit zwei Jahren wieder voll im Leben steht, will und sein kann ist die tollste Bestätigung für das Selbst und das Leben an sich.

Lasst euch niemals unterkriegen und gebt euch selbst die Chance, Hilfe annehmen zu können, wenn ihr denkt alleine zu sein. Das seid ihr nicht. Das Leben ist da, wir müssen es einfach nur sehen und annehmen. Das Leben ist so wundervoll, es lohnt sich immer.

Beste Grüße von einem neuen Menschen! 

xo xo

Dienstag, 3. März 2020

Gegenseitigkeit erleben



Gegenseitigkeit erleben

Dein Leben ist Veränderung,
Meines besteht aus Absicherung.
Bei dir herrscht Tohowabohu,
bei mir ist's eher andersrum.
Ständiges Funktionieren-Müssen
gegen zu viel Zeit unter meinen Füßen.
Bei dir ist alles durchgeplant,
ich lebe eher in den Tag.
Du bist immer im Alltag angekommen,
ich hänge noch ein bisschen in Erinnerungen.
Du musst stark und pragmatisch sein,
ich mache mich manchmal zu klein.
Du stehst um sieben Uhr auf,
ich schlafe meistens aus.
Dein Leben ist der Wahnsinn,
Meines läuft überschaubar vor sich hin.

Trotz unserer beider, immer noch, verschiedener Leben,
kann es einfach nichts Schöneres geben,
als die Zeit mit dir zu teilen,
ohne uns dabei zu enteilen.
Jeden Tag auf's Neue 
herrscht Dankbarkeit und immense Freude.

So Vieles, was wir nun schon zusammen erlebt haben.
So viele Monate wunderbarer Verbundenheit.
So viele Tage voller Lebendigkeit.
So viele Momente voller Zusammenhalt.
So viel unbeschreibliche Zweisamkeit.

So viel Zeit, die du weiterhin erübrigst
und uns über die Distanz das ermöglichst,
was wir beide schätzen, wollen und erstreben:
ein verbundenes und gückliches Leben.



Dienstag, 24. Dezember 2019

Dichterdienstag 19KW52 - Heiliger Abend




Heiliger Abend

Heilige Abende...so ein Quatsch.
Wenn man den Konventionen nicht folgt,
wenn man der Kirche nicht glaubt,
ist das alles nur obriger Tratsch. 
Warum sieht man darin ein Fest,
welches zur Besinnung rufen soll?
Was ist daran denn echt oder toll?
Alle tuen so, als wären sie nett,
kommen zusammen, schlürfen nen Sekt,
schenken sich Dinge, die sie nicht brauchen,
gaukeln sich vor, sich zusammen zu raufen.
Aber mal ganz ehrlich, 
braucht's solche Feste oder sind sie entbehrlich?
Wäre es nicht viel erstrebenswerter,
würden wir uns schätzen und lieben,
ohne den Mantel von Illusion und Frieden?!
Klarheit, Offenheit und Aufrichtigkeit.
Schenkt euch Liebe, Zuneigung und Zeit.
Teilt die schönen Dinge an jedem Tag,
nicht nur dann, wenn's irgendwer sagt.
Das Schöne ist immer da, wenn wir wollen.
Das Schlimmste wäre es, zu bereuen,
sich nur auf ein Datum festzulegen
und dann zu merken, es fehlte etwas im Leben.






Sonntag, 1. September 2019

Abstinenz - unendliche Weiten

Der Kosmos. Das Weltall. Die Universen. Abstinenz. Hurz!


Tag 1 (0.5), Mittwoch:

Heute habe ich mich relativ spontan dazu entschieden ein kleine Pause einzulegen und Abstinenz auszuprobieren. Zugegeben, sie schmeckt ziemlich geschmacklos und hält sich derweil auf der einen Seite mit einem lockeren Angang und auf der anderen Seite mit einem durchaus merkbaren Abgang. Es ist natürlich von einer Social-Media-Abstinenz die Rede. Da ich in den letzten Monaten wieder sehr regelmäßig und konstant bei FB unterwegs war, (die einslive Freundeskreis Gruppe, das private Profil, der Blog) fühlt sich dieser Wegfall von Unterhaltung, Spaß und Kommunikation definitiv zwiegespalten an.

Tag null komma fünf ist's eigentlich, weil ich heute, am Mittwoch, den 28.08.19 noch bei FB aktiv war und erst im Laufe des Tages entschieden habe, diese Plattform, sowie Instagram und auch WA so gut es geht zu vermeiden. Gesagt, getan. Ich hab Nachmittags noch 'ne Benachrichtigung bekommen, dass mich jemand unter meinem Beitrag vom Mittag markiert, bzw. erwähnt haben muss. Diese habe ich aber einfach weggewischt, ohne bisher nachgesehen zu haben. Ich bin quasi seit heute, Arbeitsbeginn gegen 13 Uhr, ohne die größten Kommunikations- und Profilierungsplattformen unterwegs. Bei Instagram habe ich eh im Moment nur die Blogseite im Fokus. Die private Seite ist seit geraumer Zeit eher semi bis noch weniger aktiv. Andere offene Kommunikationen standen auch nicht mehr im Raum.

Ich habe diese spontane Idee natürlich nirgendwo angekündigt und bin gespannt, wie lange ich damit durchhalten werde und ob darauf irgendjemand eingeht. Zu letzt habe ich ja wieder wunderbare neue Kontakte erfahren dürfen und natürlich pflege ich Diese auch super gern. Im Rahmen der Kurzfristigkeit der Dinge wird sich nun zeigen, wie kurzfristig die Leute wirklich sind. Mit der Einstellung der sozialen Medien fällt natürlich auch ganz spontan die Pflege dieser und fast aller Kontakten weg, da die Meisten über WA erreichbar sind und auch darüber der häufigste Austausch passiert. Demnach habe ich die Benachrichtigungen aus unserer Vollvossten-WA-Gruppe natürlich ebenso ignoriert und WhatsApp nicht geöffnet.


Tag 2, Donnerstag:

Eine Nacht ohne, ist wie eine Nacht ohne. Und besonders der Morgen danach verliert sich, wenn ohne, in ziemlicher Eintönigkeit. Meine Benachrichtigungs-Pop-Up-Zahlen auf dem Telefon halten sich ja eh meist in Grenzen und zudem ist diese Anzeige der Benachrichtigungen in meinen Augen etwas kaputt. Ich spreche über diese kleine Zahl, die oben an dem App-Icon steht. Icon-Zahlen sind irgendwie im Moment wie Windows-Minuten. Wenn da steht, es dauert noch acht Minuten, dann kann es sein, dass es entweder nur noch fünfundvierzig Sekunden braucht oder vielleicht aber fünfundvierzig Stunden. Bei den Icon-Zahlen ist das ähnlich. Da steht dreiunddreißig und in der App sind's nur vier...man weiß es nicht so genau...wie auch immer...bei mir waren es heute nach dem Aufstehen sieben an der Zahl bei FB und um die dreißig neuen Nachrichten in der WA-Gruppe.

Dieser Donnerstag steht, genau wie der Mittwoch, voll im Zeichen der Arbeit. Zwei Tage gab ich mir Zeit, um im Betrieb zwei Baucontainer á 8 Kubik und 11 Kubik mit diversem Möbelschrott zu füllen. Dementsprechend heißt es: früher anfangen, mehr schaffen. Normalerweise beginne ich mit der Arbeit gegen 16 Uhr und die Schicht endet um 21 Uhr. Gestern und heute ist der Beginn um 13 Uhr. Zudem haben wir heute noch ein internes Betriebsgrillen für die Belegschaft.

Wie geplant konnten wir heute, ich hatte einen fleißigen Helfer an meiner Seite, den zweiten Container komplett voll machen und lagen dabei sehr gut in der Zeit. 13 bis 18 Uhr Schrott schleppen, ein bisschen zur Ruhe kommen und dann um 19 Uhr das Grillfest. Mein Telefon hatte ich während der Arbeit nicht in der Tasche. Zum einen, weil es einfach beim Schleppen und Wuchten gestört hätte, zum Anderen, weil es eh keinen besonderen bzw. banalen Grund gehabt hätte, es zu checken. Kommunikation und Austausch mit Menschen hatte ich dafür auf der Arbeit. Beim Grillfest natürlich auch mal etwas privater und nicht nur arbeitsbedingt.

Das war alles echt ganz nett und angenehm, muss ich sagen. Auch wenn ich mich im Vorhinein gedanklich natürlich wieder selbst bekloppt gemacht habe. Essen in der Öffentlichkeit...größere Menschengruppen...funktionieren müssen...die Angst vor der Angst, nicht entsprechen zu können...Gedankentrallala trotz Social-Media-Abstinenz. Aber im Endeffekt waren es mal wieder unnötige Gedanken. Eine Bestätigung an mich selbst: ja, auch das hast du wieder geschafft!
Das Essen war lecker, die Leute waren locker. Alles gut. Feierabend. 21.30 Uhr zu Hause.

Was noch zu erwähnen wäre, ist die Tatsache, dass ich meinen Chef heute spontan gefragt habe, ob ich morgen nicht frei machen könne...zwecks Überstunden Abbau. "Wenn Ihr mit Allem gut durchkommt und Alles im Container liegt, spricht da nichts gegen."
Wie man nun weiß, waren wir fleißig und dem freien Freitag stand tatsächlich nichts mehr im Wege. So ging der Tag auch echt locker von der Hand, muss ich sagen.
Eine weitere schöne Sache, die durchaus erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass ich meine Probezeit im Betrieb heute erfolgreich absolviert habe!

Eine komplette Kommunikationsabstinenz blieb heute in der Tat nicht aus. Allerdings nicht von meiner Seite initiiert, sondern durch meinen Schlagzeuger. Er fragte über Telegram, (was übrigens der einzig wahre Messenger ist) wie es so geht und ob ich schon in die neue Tool Platte reingehört habe, die just veröffentlicht wurde. Auf mein Tom-le-Mot-Navigationssystem ist Verlass! WA, FB und Instagram habe ich weiterhin ignoriert und an diesem Abend nur noch die Serie "The People vs O.J. Simpson" weitergeschaut. Nochmal so drei ein halb Folgen, dann bin ich pennen gegangen.


Tag 3, Freitag:

Ein neuer Tag. Ein freier Tag. Ausschlafen wäre in jedem Fall ein Traum gewesen. Aber Pustekuchen. Seit dem mein Nachbar irgendwie 'nen Spleen hat und regelmäßig um halb neun auf voller Lautstärke seinen Fernseher anmacht, sind die Schlafphasen auch ohne Wecker meist abrupt vorbei. Das geht mir im Moment echt auf den Sack. Ich mein, ne?!...da machst'e nichts. Lautstärkebestimmungen über Tag sind ja recht locker. Das ist ja auch okay...aber muss man immer das ganze Haus mit seinem Scheiß beschallen? Ich neige dazu, solche Menschen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit zu verachten. Was mache ich dann? Kopfhörer aufsetzen und Musik hören, genau.

Ich schaue selbst Filme und Serien immer über Kopfhörer, weil ich meiner Umwelt nicht auf die Nerven gehen will...aber nun gut. Die Ansprüche von Leuten sind in der Regel nicht die Meinen.
Wie auch immer. Zeitig wach, trotz freiem Tag. Kaffee, Kippe, ein Brot.

Über die WA Benachrichtigungen (sprich bei den Pop Ups, die im Display erscheinen) habe ich gesehen, dass die liebe Dani heute Geburtstag hat. Ich habe ihr dann im Laufe des Tages ebenfalls gratuliert. Tatsächlich auch über WA, aber auch nur das Nötigste. Auf die zig anderen Nachrichten (von Mittwoch bis heute) bin ich weiterhin nicht eingeganen.

Im Laufe des Vormittages habe ich mal bei meinen Eltern angerufen und mich erkundigt, wie die Lage ist und ein bisschen mit meiner Mutter gequatscht. "Ein bisschen" ist meistens untertrieben. Grundsätzlich bin ich ja ein sehr kommunikativer Mensch und bei Telefonaten komme ich selten unter einer Stunde weg. Das höchste der Gefühlen waren einmal acht Stunden. Aber auch in jüngerer Vergangenheit waren Telefonate von zwei bis vier Stunden durchaus üblich. Warum auch nicht, ne?! Wer kann, der kann. Und jedes Mal stelle ich fest, dass ein Telefonat soviel mehr ist, als Text- oder Sprachnachrichten. Ich schätze Kommunikation, die eins zu eins passiert, wirklich sehr.
Alles Andere hat zwar auch seine Vorzüge, aber es geht nichts über den direkten Austausch. Und es waren zuletzt wieder sehr inspirierende und gute Gespräche gewesen.

Über das Telefonat teilte ich meiner Mutter dann ebenfalls mit, dass ich die Probearbeitszeit erfolgreich bestanden habe. Sie hat sich gefreut und bat mich, dass ich das ja auch in unserer Familien-WA-Gruppe mitteilen könnte, da sich meine Schwester und mein Bruder ebenfalls über diese positive Nachricht freuen würden. Das war dann die zweit WA-Ausnahme. Auch wenn ich dort wiederum eher kurz angebunden gewesen bin.

Meiner Mutter, sowie meinem Schlagwerker habe ich von der Abstinenz erzählt. Die beiden sind aktuell aber auch die Einzigen, die es wissen. Und bisher kam noch keine weitere direkte Kommunikation von anderen Stellen. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich 'ne Masse an Kontaktpersonen habe, dennoch merke ich heute, dass es mir fehlt. Mir fehlt der oberflächliche Spaß bei FB. Mir fehlt das Rumalbern im öffentlichen Raum. Mir fehlt das Tragen von Sarkasmus.
Was aber wirklich fehlt, ist der Austausch mit den Menschen, die ich kennen und schätzen gelernt habe. Ich bin heute kurz davor gewesen, wieder selbst die Initiative zu ergreifen und Kontakt zu machen. Aber: nein...wenigstens den Freitag noch.

Der Tag schlendert dann so seinen Weg entlang. Ein bisschen Fahrradfahren, ein bisschen mehr Musik auf die Ohren, Essen, Faulenzen und heute Abend lecker Fußball hören. Zwischendurch habe ich auch an dieser Idee zum "Tage-Buch" gearbeitet und ein wenig geschrieben.

...ja...Fußball...es war leider ein ernüchterndes und frustrierendes Spiel. Wir haben zu Hause verloren. Traurig, traurig. Aber es ist ja erst der dritte Spieltag, demnach: easy peasy...dennoch wie immer ärgerlich, wenn die eigene Mannschaft verliert.

Mit dem Gedanken an die Arbeit, der ich morgen einen Besuch abstatten muss, habe ich mir dann die letzten ein einhalb Folge der Serie gegeben und den Prozess um O.J. zu Ende geschaut. Eine Serie, die durchaus interessant ist, muss ich sagen. Sie plätschert zwar relativ gemächlich vor sich hin und bietet natürlich nur einen überschaubaren Spannungsbogen, trotzdem fand ich's super umgesetzt und gut dargestellt.

Der Wecker würde um 7 Uhr klingeln. Arbeitsbeginn am Samstag: 08:45 Uhr. Mit weiteren Gedanken an die Leute, die ich seit Mittwoch kommunikativ verschmähe bin ich irgendwann ins Bett gegangen und konnte, wie zu letzt eigentlich immer, recht gut einschlafen. Träumen tue ich im Moment eher nicht. Oder ich mache es, aber ich weiß es nicht mehr. Das war auch mal anders gewesen und ich bin eigentlich ganz froh darum, dass ich am nächsten Morgen nicht weiß, was mein Kopf in der Nacht alles bearbeitet hat. Ich liebe Schlaf. Schlaf ist so friedlich und ruhig. Schlaf ist die einzige Situation, in der ich komplett abschalten kann. Das ist enorm viel Wert.

Klar, es gibt potentiell noch andere Dinge, bei denen man die Zeit und die Gedanken anhalten kann. Aber das ist im Moment Mangelware. Weder regelmäßiges Musizieren und Krachmachen mit der Band, noch guter Sex, sind derweil greifbar. Mein Freizeitausgleich ist im Moment eher auf Kleinigkeiten beschränkt und es nervt etwas, dass die schönen Dinge so sehr stagnieren. Aber was soll man machen? Wie immer, wenn andere Leute von Nöten sind, wird es wieder kompliziert oder organisatorisch schwierig. Stagnation ist der Teufel.


Tag 4, Samstag:

Wie nicht anders zu erwarten, klingelte der Wecker heute pünktlich um viertel vor sieben...und dann nochmal um punkt sieben. Aufstehen. Kaffee, Kippe, Dusche, kein Social Media, n Brot, los zu Arbeit. Heute war es aber ein überschaubarer und im Verhältnis zu sonst, kleiner Dienst. Die Öffnung der Räumlichkeiten, das Warten auf die Kursteilnehmer und eine Einweisung standen an. Der Kurs war pünktlichst um kurz vor neun zugegen, ich konnte meine Arbeit machen und hatte dann den Vormittag erstmal zur freien Verfügung. Allerdings immer mit dem Bewusstsein, heute Nachmittag wieder vor Ort zu sein, um die Schließung und etwaige Aufräumarbeiten vorzunehmen.

Auch heute denke ich über die Abstinenz nach und hoffe wirklich, dass das Nichtssagen in Bezug auf das Abwesendsein mir nicht übel genommen wird. Aber das ist ja Quatsch. Sollte sich jemand dafür interessieren, warum ich merklich wegbleibe, wird und soll nachgefragt werden! Ich bleibe gespannt, wie lange ich das noch aufrecht halten kann. Zum Einen ist es weiterhin ganz schön, das Telefon nicht ständig in den Fingern zu haben, zum Anderen bleibt dennoch eine gewisse gedanklich-emotionale Abhängigkeit, die ganz klare Zeichen sendet, die eigentlich nicht gut sind.

Ich habe den Vormittag mit zwei Einkäufen, einem zweiten ausgiebigeren Frühstück und einer Doku über Rocco Siffredi verbracht. Bestes Vormittagsprogramm inklusive noch mehr Kaffee, Kippen und dem Einblick in das letzte Jahr dieses Pornodarstellers. Gar nicht verkehrt, diese Doku, muss ich sagen. Interessant war es in jedem Fall. Aber auch wieder eine wunderbare Bestätigung, selbst soweit reflektiert zu sein, Porno vom Realen unterscheiden zu können. Was für kaputte Geister und Gemüter viele der Darstellerinnen und Darsteller sind, ist nicht von der Hand zu weisen und die Einblicke von hinter der Kamera waren schon sehr eindeutig. Pornos zu drehen, ist halt echt intensiv und vor allen Dingen ist es harte Arbeit. Ich würde ja jedem Millenial wünschen, sie wüssten, wie es in Wirklichkeit zugeht. Aber die Porno-Beeinflussung seit der Zeit des Internetz ist enorm und voll in den Köpfen Vieler eingebrannt. Brave new world, again!

Heute Nachmittag ging es dann nochmal zu Arbeit, um die Dinge zu tun, dich ich tun musste und dann bin ich offiziell ins Wochenende gestartet.
Bisher gab es keinerlei weitere Kommunikation auf anderen Kanälen und ich bin noch immer eisern, was das offensichtliche Ignorieren der Social-Media-Plattformen angeht.
Die Gedanken dazu und darüber bleiben aber hartnäckig. Die Gedanken an die Menschen, die Gedanken an Ablenkung und Spaß. Ja, auch mit Social-Media kann man die Zeit vergessen. Ich habe Hunger, werde nun mal etwas Essen und hier später weiterschreiben. Hier und da erwische ich mich heute aber vermehrt, dass ich aufs Telefon schaue, um herauszufinden, ob nicht doch irgendjemand schreibt oder eine Benachrichtigung auftaucht.

Im Inneren hoffe ich darauf, dass jemand auf mich zukommt. Aber Hoffnung und ich sind seit Neuestem eh geschiedene Leute. Ich habe sie durch Zuversicht ersetzt. Demnach ist Hoffnung, dass sich jemand meldet, völlig fehl am Platze. Viel mehr sollte ich zuversichtlich sein, dass es eine gute Erfahrung ist. Ich sollte zuversichtlich sein, dass nach Wiederaufnahme der Kommunikationen alles beim Alten ist. Ich bin auf jeden Fall sehr auf die Erkenntnisse dieser Phase gespannt.


Tag 5, Sonntag:

Während des gestrigen Abendessens konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, wieder eine neue Serie anzufangen. Ntflx ist ja sooo super. Dieses Mal: "WU Assassins"...heute, ein paar Stunden nach gestern, bin ich bei der Serie schon zu Folge fünf fortgeschritten. Ja...was soll ich sagen?! Das ist 'ne Serie, die ich in meiner subjektiven Bewertung wiedermal mit einer soliden 5.5-6/10 bewerten werde. Es ist ganz okay, aber nicht der Wahnsinn und irgendwie ist auch diese Thematik schon hunderte Male da gewesen und haut mich nicht so richtig vom Hocker. Aber hey, Martial Arts mit Iko Uwais und einer höchst attraktiven Katheryn Winnick. Es gibt Schlimmeres...dennoch bleibt's bei einer überschaubaren Serien-Sache.

Wie auch immer! Heute ist Tag fünf, heute ist Sonntag und tatswahrhaftig ist gestern noch ein Teil-Ausbruch aus der Abstinenz passiert. Zuversichtlicher Weise durch eine externe Quelle. FB habe ich bisher zwar immer noch nicht geöffnet, dafür wieder lustige und erfrischende Kommunikation über WA gemacht! Das war gut und es wurde Zeit. Ich denke nämlich, auch wenn die externe Kommunikation gestern nicht passiert wäre, hätte ich mich heute so oder so wieder ins digitale Haifischbecken geworfen und wäre ein paar Runden geschwommen. Umso besser aber, wenn die Kontaktbarkeit doch schon vorher passiert ist.

Haie sind echt abgefahrene Tiere, finde ich und wenn man weiß, wie sie reagieren und welchen Instinkten sie folgen, kann man auch relativ gechillt mit ihnen in einem Becken schwimmen, ohne Gefahr zu laufen, direkt verputzt zu werden...außer in der Regel...das sollte man so ein Becken eventuell vermeiden...die wittern ja Blut und so... Aber wie gesagt, wenn man das weiß, dann weiß man das ja und dann kann man Präventiv-Maßnahmen ergreifen. Pflaster zum Beispiel. Oder einen Mantel aus mentalem Eisen oder Eis...das schützt nicht nur in der Regel..

...kein Frage: den Bogen von Haien über Becken und Blut zum Resümee zu spannen wird vielleicht etwas schwierig...ist aber im Endeffekt auch Wumpe, weil es ja eh weitergeht und sich nichts verändert hat. Natürlich hat sich nichts verändert. Es waren ja auch nur fünf Tage der Abstinenz.
Haie bleiben Haie. Die Meute bleibt die Meute und die Leute, die bleiben, die bleiben.

Alles in Allem habe ich nun rückblickend eine Erkenntnis: ja, es ist okay und machbar, sich dem digitalen Wahnsinn zu entsagen. Ich stelle aber auch fest, dass spontan ein Zeit- und Spaßfaktor entfällt. Man ist auf jeden Fall ganz schön geimpft und die üblichen Gewohnheiten im Umgang mit sozialen Medien machen die heutige Kommunikation einfach zu einem Großteil aus.
Ich habe gemerkt, dass es Dinge gibt, die ich nicht vermisst habe...Leute, die einfach nur aus Oberfläche bestehen, zum Beispiel. Wiederum habe mir gewisse, besondere, Kontakte echt gefehlt.
Aufgrund der Tatsache, dass mich diese künstliche Abstinenz tatsächlich etwas frustriert hat, zeigt mir nur, dass persönliche Isolation definitiv nicht gut für mich ist.
Da ich auf dem Gebiet ja schon reichlich ungewollte Erfahrungen vorbringen kann, war es umso wichtiger, zu bemerken, dass das niemals der Weg für mich sein sollte. (Mir kommt beim Schreiben dieses Satzes ein spontanes De-ja-vu in den Sinn. Das ist sehr gut!)

Ab heute gilt es also nun wieder: ran an den Byte-Speck und zurück in den Wilden Westen! Ich denke aber, dass ich meine alte Rolle weiterspielen werden. Die Abstinenz hat meine Identität zum Glück nicht verändert und ich werde die wichtigen Leute wieder davon überzeugen können, mir zu zuhören und darüber Aufmerksamkeit für den Inhalt zu erhalten. Das ist super, das ist gut. Mit Euch kann man arbeiten, liebe Leute!

Lets fetz, sagte das Schnitzel und sprang ins Haifischbecken!!!



Dienstag, 21. Mai 2019

Dichterdienstag 19KW21 - Gefängnisse aus Sand

Die Gefangenen der Zeit winden sich,
um sich herum, in sich einher, stetiglich.
Gefängnisse aus Sand zwar, mögen verrinnen,
doch werden sie nunmehr auf ewig erklingen.

Dem eingeteilten Plan gilt es zu entsprechen.
Man muss nun drauf achten, nicht zu brechen,
was der Rahmen so von einem abverlangt.
Gilt es doch: wenig Zeit, trotzdem aller Hand.

Von früh bis spät im Takt zu bleiben,
ohne dabei aus der Reihe zu tanzen,
darüber könnte man ganze Bücher schreiben,
oder nen neuen Rhythmus anpflanzen.

Doch der Sand hat seinen eigenen Takt.
Er gibt stringent vor und lässt nicht ab.
Oben geht er los, läuft dann hinunter,
und erneut im Kreis der Zeit, oh Wunder.

Wie soll man bei dem ganzen Müssen
dann Luft und Platz und Raum erschließen?
Sucht man im Inneren doch vergebens
nach der Stopptaste der Zeit des Lebens.

Manchmal passiert es dann aber doch,
dass man denkt, man kann die Zeit anhalten,
fern ab vom Rhythmus das Selbst erhalten
und niemals vergessen, wie die Freiheit roch.

Nicht gefangen und völlig losgelöst.
In anderen Epochen bleiben ohne zu eilen.
Alles wahrnehmen, was so lang gedöst,
voller Euphorie im zeitlosen Raum verweilen.

Getragen von fremden Strömungen, hinauf
zum Gipfel der Endorphine und des Ganzen.
Hochgefühle, Freiheit und die Lust, zu tanzen.
Einfach nicht bereuen, es nimmt seinen Lauf.

Wie schön es doch wäre, könnte jeder dieses
Ausbrechen viel öfter wagen, ohne mieses
Gefühl oder Begleitgedanken zu haben.
Zeit steht eh nicht still, warum nicht warten?!

Schnell kehrt dann oft der Sog zurück,
zieht und zerrt enorm an einem Glück.
Lässt vergessen, was gewesen sein würde.
Und stellt in Reih und Glied erneut die Hürde.

Aber der Sand hat seinen eigenen Takt.
Er gibt stringent vor und lässt nicht ab.
Oben geht er los, läuft dann hinunter,
und erneut im Kreis der Zeit, oh Wunder.

Sonntag, 3. März 2019

Besuch aus der Vergangenheit

"Besucher aus der Vergangenheit" würde in der Tat etwas mysteriöser klingen, da es eine gewisse Assoziation zum Paranormalen bzw. zu einer Art Zwischenwelt suggeriert. Da ich aber weder bei einer Wahrsagerin gewesen bin, noch Ouija "gespielt" habe, ist dieser Besuch aus der Vergangenheit eine wunderbare Überraschung positiver Natur. Dass ich das mal so schreiben würde, finde ich gerade sehr erfrischend.

Die letzten Auseinandersetzungen mit meiner persönlichen Vergangenheit, besonders der Jüngeren, beliefen sich ja eher darauf, dass es ein Aufarbeiten von Erlebtem und die Einordnung von Gedanken gewesen ist. Zu dem habe ich gelernt, dass ich mich nicht von meiner negativen Vergangenheit bestimmen lassen darf. Es gab ja durchaus genug Momente, in denen der schwere Schleier von damals wieder vehement an meine geistige Türe klopfte und ja...zu oft ließ ich diesen Schleier dann auch wieder herein. Aber das kann ich mittlerweile ganz gut kontrollieren. Das Bewusstsein für das Jetzt lässt den Schleier im Großteil der Fälle einfach wieder abziehen. Geistige Faust in your face, Schleier! Um so schöner, wenn es bei diesem Eintrag mal so gar nicht um diese Thematik geht.

Ein Besuch aus der Vergangenheit. Ein Mensch aus einer alten Zeit. Aus einer guten Zeit. Eine Zeit, lange bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe. Eine Zeit vor dem großen schwarzen Loch. Die Zeit der ersten eigenen Selbstständigkeit. Junge neunzehn Jahre alt, endlich von zu Hause raus. Der Auszug in ein neues Leben. Es war in der Tat ein gutes Leben. Sehr viel leichter noch, als es sich derweil anfühlt. Unbeschwerter, naiver, voller neuer Erfahrungen. Durch den veränderten Standort kamen natürlicher Weise auch neue Menschen in mein Leben. Besonders der musikalische Neuanschluss, der sich quasi einfach ergeben hat, half mir enorm dabei, in dieser neuen Welt Fuß zu fassen.

Die erste Band, bei der ich damals in meiner Heimat mitgemacht hatte, war eine klassische Jugendband. Wir waren Teenager. Und wie es nun mal so ist: nach der Schule orientiert man sich um, schaut wo man, wie arbeiten möchte und plant ein bisschen für die Zukunft. Andere strebten ein Studium in weit entfernten Städten an und so kam es, wie es dann oft kommt: die Band ging auseinander. So stand ich eine Zeit lang ohne Band da und war in einer neuen, noch fremden, Stadt angekommen. Dort lernte ich dann recht flott einen wichtigen Menschen kennen, der meinte, so: Du und Musik? Ja, ist cool. Ich auch Musik. Wir machen eher so Grunge und proben im Hauptbahnhof. Ja, top!, dachte ich mir. Ich spiele Bass und ihr sucht gerade? Ihr probt im Hauptbahnhof?? Jo, perfektes Timing von Ort und Mensch.

Eins kam zum Anderen, ich hab dann mal bei einer Probe mitgemacht und vorgespielt und ja, was soll ich sagen, ich war zwar nie der gelernte Musiker (und bin es immernoch nicht) aber ich durfte bleiben, obwohl die vorgegeben Qualität schon sehr hoch war. Davor hatte ich anfangs immer einen heiden Respekt. Von 2003 bis 2006 durfte ich also dieser neuen, sehr famosen und tollen Truppe beiwohnen. Die Tatsache, dass diese Band schon seit 1999 aktiv war und sich einen gewissen Namen im lokalen Umfeld gemacht hatte, erlaubte mir einen sehr schnellen und intensiven Einblick in das gesamte Lokalband-Gefüge. Es war großartig! Ich habe danach nie wieder ein so tolles Geflecht von Bands, Musikern, Organisatoren, Veranstaltungsorten, Fans, Proberäumen und Partys erlebt!

Großartige Erinnerungen stammen aus dieser Zeit, besonders mit dieser Band. Unvergessene Auftritte, unglaublich prägende Momente und extrem wertvolle Menschen. Tolle Erinnerungen aus der positiven Vergangenheit. Wenn ich Bilder von damals sehe, komme direkt alte Verbindungen in mir hoch und ergeben ein wunderbares Bild dieser Zeit.
Aber auch diese Zeit ging dann irgendwann wieder vorbei. Die Band musste sich leider trennen und die individuellen Musiker gaben sich neuen Projekten hin. Das Geflecht der lokalen Musikszene war aber weiterhin gegeben und man hatte immer noch mit den ganzen Leuten zu tun. Zwar in anderen Bands, aber wiederum mit neuen Menschen und dementsprechend auch wieder neuen Erfahrungen, musikalischer und menschlicher Natur. Danke dafür! Das werde ich alles niemals vergessen!

2011/2012 verließ ich dann relativ plötzlich und unvermittelt diese Stadt und widmete mich wiederum einem neuen Abschnitt in meinem Leben, wieder an einem neuen Standort. Bedingt durch eine extrem ekelhafte psychische Auseinandersetzung mit einer Person, auf die ich mich damals einließ, wurde dort der Grundstein für meinen Weg in das große schwarze Loch gelegt. 2014 tauchte ich dann endgültig in dieses Loch ein. Aber darüber habe ich ja schon oft genug geschrieben und das soll nun auch nicht weiter ausgeführt werden. Es geht ja schließlich immer noch um den Besuch aus der Vergangenheit. Die gute Vergangenheit vor der Zeit des schwarzen Loches.

Und so ergab es sich nun, ganz aktuell, dass ein toller und sehr geschätzter Mensch, den ich seit 2005 kenne, überraschender Weise, nach gut sieben Jahren Funkstille, den Kontakt zu mir aufnahm. Völlig unvermittelt, einfach so, quasi aus dem Nichts. Es ist gerade enorm erfrischend, muss ich sagen. Diese Person war in der ganzen Zeit von 2005 bis 2011 ein konstanter Bestandteil in meinem Leben. Wir teilten Vieles miteinander: Bier, Zeit, Respekt für den Anderen, ein Teil dieses Geflechtes zu sein, Gedanken, Freunde und Bekannte. Wir hatten immer gute Unterhaltungen und Gespräche, konnte miteinander schweigen und lachen, teilten die musikalischen Verbindungen, hatten einen ähnlichen Humor und waren meistens auf einer Wellenlänge. Wir hatten eine gute Zeit damals.

Als ich dann aus der Stadt wegging, ebbte aber auch dieser Kontakt ab. Ich hatte viel zu viel mit mir selbst zu tun und war in dieser Zeit ab 2012 eh sehr egoistisch unterwegs. Von der anderen Seite kam dann auch nicht mehr viel, was aber auch einfach an unseren beiden persönlichen Leben lag, die man unabhängig von einander lebte. Ich musste oft an sie denken, als Facebook diverse "Erinnerungen" in den digitalen Raum warf. Ich fragte mich dann immer, wie es ihr geht. Ich hoffte, gut und nahm an, dass sie ein geordnetes und erfülltes Leben führen würde. Ich wusste aber nur das, was man sporadisch über das Internet mitbekam. Ich habe also immer nur Vermutungen über ihre persönliche Ausrichtung und den Weg ihres Lebens gehabt und fragte in der Tat selber nie nach. Seit dem wir unsere neuen Leben hatten, hatten wir uns nie wieder unterhalten. Bis heute.

Überraschung: der Besuch aus der Vergangenheit. Nach fast siebenjähriger Funkstille ist da nun wieder dieser Mensch. Ein Mensch, den du kennst. Den du über eine lange Zeit kennengelernt hast. Aber auch ein Mensch, den du vor sieben Jahren das letzte Mal gesprochen hast. Sieben Jahre sind eine verdammt lange Zeit, in der viel passieren kann. Veränderungen von Wesen zum Beispiel. Menschen leben, Menschen treffen Entscheidungen, Menschen wählen ihre persönlichen Präferenzen. So ist das nun mal. Das Tolle und Erfrischende an dieser Situation ist aber die Tatsache, dass wir uns aktuell völlig ohne Vorwürfe, ob der Funkstille, enorm viel und sehr intensiv unterhalten haben. Toller Weise ist sie immernoch das Wesen, das sie immer gewesen ist. Wir knüpften direkt nahtlos an unsere vergangene Kommunikation an. Völlig easy und entspannt. Nun gut, im Grunde kennen wir uns seit fast vierzehn Jahren, auch wenn wir die Hälfte dieser Zeit gar nichts miteinander zu tun gehabt haben. Aber vierzehn Jahre sind vierzehn Jahre. Eine Verbindung, die über die Jahrzehnte besteht.

Wir haben uns nun in einer - gewiss - sehr  kurzen Zeit so unglaublich Vieles gesagt und ausgetauscht, verweilten schon wieder etliche Male in Erinnerungen und Eruierungen unserer gemeinsamen Vergangenheit. Schwelgten zusammen in Momente von damals. Herrlich. Es kam so viel mehr hoch, als beim bloßen Betrachten von "einfachen" Bildern. Sie weiß noch Dinge, die ich über die Zeit verdrängt oder vergessen habe. Wiederum kann ich Gedächtnislücken füllen, wo ihr die Puzzleteile fehlen. Es ist wirklich lustig, positiv und irgendwie strange, wenn man nach so einer langen Zeit scheinbar da weitermacht, wo man aufgehört hat. Ein wunderbares und eher blindes Verständnis für den jeweiligen Menschen. 

Obwohl wir uns beide natürlich in den letzten sieben Jahren diversen Herausforderungen stellen mussten, die unsere Leben definitiv verändert haben, haben wir offensichtlich nie den Bezug zueinander verändert, auch wenn dies nie bewusst passiert ist. Umso besser, finde ich. Eine enorm wertvolle Überraschung ist dies. Ein Kontakt, mit dem ich so niemals gerechnet hätte. Aber ich bin enorm erfreut, dass es nun so kam, wie es kam. Richtig gut. Es wird so Vieles zu bequatschen geben. Alleine das Interesse an den letzten sieben Jahren, über die wir eigentlich gar nichts wissen, reicht für stundenlange Gespräche. Herrlich! 

Und ja, was soll ich sagen, ein Danke an die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit den heutigen Mitteln, die es so, in dieser ausgeprägten Form, vor vierzehn Jahren noch nicht gab. Das macht in der Tat Vieles einfacher, in Bezug auf die Kommunikation und den Austausch. Man lernt sich gearde irgendwie wieder neu kennen, obwohl man sich schon so lange kennt. Wir werden uns Einiges zu erzählen haben und tun dies schon. Ich bin froh, dass es ihr gut geht und freue mich über neue/alte Momente voller Erinnerung und Gegenwart. Eine tolle Mixtur aus Bekanntem und Unbekanntem. Wenn wir sprechen, fühlt sich der Geist wieder an, als wäre er fünfundzwanzig, aber mit dem Bewusstsein, von zusätzlichen zehn Jahren. Was soll ich sagen, ich bin begeistert, ob der Bestätigung von diesem menschlichen Verständnis.

Schön, dass du wieder da bist!

Sonntag, 4. November 2018

Lass uns tanzen



Lass uns tanzen, hatte sie gesagt.
Und dann tanzten wir die ganze Nacht.
Wir tanzten bis zum Morgengrauen und scherten uns nicht um unsere Sorgen.
Wir tanzten froh zu so manchem Lied.
Und waren rhythmisch meistens gut.

Die Zeit vergeht.
Der Takt hingegen bleibt.

Wir tanzten bis ins Abendrot und freuten uns auf's Übermorgen.
Wissend, tanzbar sei die gesamte Zeit,
ohne Verlust von Erinnerungen.
Lass uns tanzen, hatte sie gesagt.
Und wir tanzen noch immer, die ganze Nacht.

Die Zeit vergeht.
Die Verbindung hingegen bleibt.

Tanzend durch die Straßen.
Singend durch das Leben.
Lass uns tanzen, hatten wir gesagt.
Und wir tanzen, als gäbe es keinen Morgen.
Die Welt ist nicht immer grau.
Schau.

Die Zeit steht,
still und eingefangen.

Komm, lass uns tanzen.
Jetzt und nun,
für alle Zeiten.
Lass uns tanzen, hatte sie gesagt.
Und dann tanzten wir die ganze Nacht.

Montag, 13. November 2017

Zeit, du kostbares Gut

Jaaa, Zeit, du kostbares Gut! Zeit kann so Vieles sein. Zeit als Ressource. Zeit als Wahrnehmung. Zeit als einzig wahre Konstante. Zeit als Maßeinheit. Die Zeit und der Raum...die Relativitätstheorie.

Zeit ist schon auch so ne Sache, oder?! Klar, fast Alles ist irgendwie als Sache zu bezeichnen... (wenn man Sache so verwendet, wie Gerät, zum Beispiel, als eher frei definiert). Eine Sache ist ja meistens etwas Materialistisches...Zeit eher weniger.
Die Zeit ist einfach da. Die Zeit ist in unserem Bewusstsein und deshalb auch eher schwer zu greifen. Sie existiert durch die globale Sonnenzeit, nach der wir uns eine ganze Zeit lang gerichtet haben und das für eine ganz schön lange Weile. Irgendwann hat halt dann mal jemand angefangen die Bewegungen der Erde um die Sonne und um sich selbst und die damit einhergehenden Mondphasen als einen regelmäßig wiederkehrenden Ablauf oder Zyklus zu bezeichnen. Und schwups, da hat jemand den Tag erfunden.

Den Tag als Tag zu titulieren ist aber noch nicht genug, um die Zeit zu erfinden bzw. dafür ein Bewusstsein zu erlangen. Es ist ein Anfang, aber meine Recherchen in Bezug auf die Zeit haben gezeigt, dass das Zeitempfinden, wie wir es heutzutage kennen, zwar schon lange zurück liegt, aber wohl nicht von Natur aus gegeben war. Es hat sich eine Vorstellung eingestellt, dass der Mensch im Rahmen seiner Handlungen und damaligen Überlebensstrategien erst ein Bewusstsein für Zeit entwickelt hat und die Benennung von Intervallen eine organisatorisch wichtig und taktisch geprägte Idee gewesen ist. Die archaischen Verhältnisse und eine Minderzahl der Bevölkerung, im Vergleich zu heute, haben die Zeit damals noch nicht so knapp wirken lassen. Deshalb war sie auch in den Anfängen von Gesellschaften kein direkter oder bewusster Faktor. Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Zeit wurde erst im Laufe der Jahrtausende nötig, da man irgendwann einer gewissen Koordinierung von größeren Verbünden entgegensah und die logistische Aufteilung von Arbeit zu einer zeitlichen Unterteilung führte. Die Arbeitsteilung war geboren...irgendwann auch Stechuhren. Zeit ist Geld...

...und aus der Sonnenzeit, die natürlich gegeben ist, aber eine nicht hundertprozentig regelmäßige Abfolge hat, wurde die Erdzeit oder auch Weltzeit, angepasst an die menschlichen Abläufe und gesellschaftlichen Gepflogenheiten und unterteilt in verschiedene Zonen.
Da die Erde sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt, diese also nicht kreisrund ist, zudem die Erdachse nicht komplett senkrecht auf dieser Bahn steht, kommen Unregelmäßigkeiten in den Zyklen vor. Da das ja ungenau und unproduktiv wäre, hat man die Zeit kurzer Hand ein bisschen angepasst und sich weiter zu eigen gemacht. Der Mensch macht eben Dinge und Sachen. Hier ein bisschen die Zeit einschränken, da mal n Schaltjahr installieren oder die Winter- und Sommerzeit einführen...
Durch die immer wiederkehrenden und bewusster wahrgenommenen Zyklen und den konkreteren Umgang mit dem Thema Zeit auf verschiedenen Ebenen, prägt sich somit ein Gefühl für Zeit bei uns ein. Ein Bewusstsein für die Zeit, welches definitiv, seit geraumer Zeit, auch in unserem Unterbewusstsein verankert ist. Zudem kommt es in der Neurowissenschaft bzw. der Forschung am Gehirn zu Vermutungen, dass es keine spezielle Gehirnregion für das Zeitgefühl gibt, welches wir entwickelt haben. Somit könnte auch eine universelle Empfindung von Zeit bestehen, die nicht von direkt messbaren Reizen gesteuert wird. Vielleicht sogar auf einer anderen Ebene, als der biochemischen Grundlage unserer Körper. Definiert Zeit also unser Unterbewusstsein mit?

Ganz klar. Die Zeit an sich kann ja eigentlich nur subjektiv wahrgenommen werden, da das Empfinden dafür zu stark an Denkprozesse, Erinnerungen und das Bewusstsein geknüpft ist. Dadurch ist Zeit eigentlich nicht objektiv bestimmbar. Trotzdem kann man Zeit messen. Aber diese physikalische Zeit unterscheidet sich von der selbst wahrgenommenen Zeit. Manchmal verspüren wir Abläufe, bei denen die Zeit nicht vergeht. Oder die Zeit vergeht im Gegensatz einfach rasend schnell. In der Physik ist eine Sekunde, eine Sekunde. Ganz klar definiert, zähl-, mess- und berechenbar. Wenn wir zum Beispiel von der Gegenwart, als zeitliche Position sprechen, wird diese als ein Drei-Sekunden-Zeitraum definiert. Die Gegenwart ist also immer drei Sekunden lang. Auf jeden Fall soll unser Bewusstsein so programmiert sein. Die Zeit bewegt sich konstant in eine Richtung. Aus der Vergangenheit kommend, Richtung Zukunft. Die Vergangenheit kann man auf jeden Fall auch zeitlich einsehen. Eben das Alles, was vor der Gegenwart passiert ist. Also alle drei Sekunden ein bisschen Vergangenheit mehr. Das ist einiges an Zeitmaterial, was da so zusammen kommt.
Ich finde, dass es hingegen etwas schwieriger ist, die Zukunft zu bemessen. Im individuellen, menschlichen Rahmen, okay, da können wir von einer Halbwertszeit sprechen, die absehbar ist. Aber die allgemeine Zukunft? Wie lange wird diese wohl noch dauern? Wie lange existiert so ein Universum-Gerät?! Und was passiert wirklich mit der Zeit in einem schwarzen Loch? Zeitreisen...Lost. Man weiß es leider noch nicht so genau...

Philosophisch betrachtet sah Platon, zum Beispiel, in der Zeit einen Ausdruck für etwas Gesamtes. Sie war in seiner Vorstellung und Idee ein Abbild der Ewigkeit. Eine Bezeichnung für das ewige Sein. Also insgesamt ziemlich viel Zeit, wie wir heute wissen und irgendwie hat er ja auch nicht ganz Unrecht. Die Zeit marschiert unaufhaltsam weiter und beschreibt die - ersteinmal - ewige Achse der Geschichte. Das große Sein.
Ein paar Tage später wiederum erläuterte Immanuel Kant, dass Zeit und auch der Raum, in dem das Alles passiert, für ihn als Anschauungsformen unseres inneren Sinnes dienen. Zeit ist der Zugang zur Welt und gehört seiner Theorie nach, zu den subjektiv-menschlichen Bedingungen für die Welterkenntnis und ist somit eine angepasste Form, die das menschliche Bewusstsein den Sinneseindrücken verleiht. Zeit als angepasste Wahrnehmung und eben, wie oben erwähnt, ziemlich subjektiv.
Im philosophischen Realismus wird zudem davon gesprochen, dass ein Zeitbewusstsein nur dann möglich sei, wenn der Wahrnehmung und Erkenntnis des Menschen eine zusätzliche, immaterielle Ebene zugrunde liegen würde. Diese separate Grundlage wird geistige Seele oder Geist genannt. Der Geist ermöglicht also den Erkenntnissen eine Kontinuität und Identität einer menschlichen Person. Durch diesen konstanten, quasi unveränderlichen Geist ist es erst möglich die Veränderungen und Abweichungen wahrzunehmen und darüber nachzudenken, sich somit auch erst die Zeit bewusst zu machen und diese als Solche zu erkennen...
Philosophisch ist Zeit ja echt nochmal ne ganz andere Nummer. Aber mega interessant und in meinen Augen definitiv ein erstrebenswertes Wissen, was ich da recherchiert habe. War auch ein Novum für mich, sich mit dem Thema Zeit auf verschiedenen Ebenen etwas genauer zu befassen, aber ich bin begeistert. Das sind natürlich Alles nur Bruchstücke aus den großen Lehren der Philosophie und nur Anrisse der Vorstellungen und Theorien einzelner Leute, aber Zeit eben. Ist ja auch ein umfangreiches Thema!

Abschließend möchte ich aber auch noch ein bisschen darüber schreiben, was Zeit für mich bedeutet. Auf einer subjektiv-persönlichen Verständnis- und Wahrnehmungbasis, auf meiner eigenen Grundlage.

Ich finde, dass man die Zeit auch mal metaphorisieren kann und darf. Man sollte sie manchmal viel weniger beachten und öfter darüber nachdenken, ob man vergessen hat, wie es geht, die Zeit auch mal anzuhalten. Ganz persönlich für sich selbst. Vielleicht in einem tollen Moment gefangen zu sein, sich darin verlieren. Die Zeit einfach vergessen können. Sie nicht bewusst spüren müssen. Den metaphorischen Pause-Knopf drücken.
Die innere Uhr läuft so oder so weiter, warum sollten wir dann nicht die externe Zeit ein bisschen für uns nutzen, sie gestalten oder sie einfach mal ausblenden?!
"Nimm dir die Zeit" ist für mich ein so wichtiger Satz geworden. Nimm dir die Zeit, wenn du sie brauchst. Es ist deine Zeit. Nimm dir die Zeit und verwende davon so viel für Dinge, wie es nötig ist. Ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Man darf das schon so machen. Sollte man auch. Also, dass man sich nicht selber damit unter Druck setzen muss, dass man sich Zeit stehlen würde. Man sollte sich selbst definitv keine Zeit stehlen. das macht man nicht.
Ich lasse mir meine Zeit ja gerne von Menschen stehlen, die ganz zu Recht so viel Zeit verdient haben. Menschen mit denen es egal ist, wie viel Zeit man sich gegenseitig stiehlt, da man sich einfach keine Zeit stiehlt, sondern Diese miteinander teilt und das gerne tut. Einfach mal die Zeit anhalten. Auch wenn es rückblickend unglaublich viel zeitlicher "Aufwand" gewesen ist, wenn du die Zeit nicht mehr mitbekommen hast, war und ist es gut! Bereue Nichts. Lebe das Leben und genieße die Zeit! 

Unser Arbeitssystem erlaubt uns natürlich nur einen gewissen Rahmen an freier Zeit, die man für sich selber aufbringen kann. Aber gerade dann, wenn die persönliche Zeit begrenzt ist, sollte man nicht zu viel Druck in sein persönliches Zeitmanagement investieren. Druck macht Stress. Stress macht kaputt. Der Zeit ist das ja völlig wumpe, die läuft einfach fleißig weiter. Es bringt gar nichts dieses Wettrennen zu überstürzen, am Ende verlieren wir eh, warum sich dann auf den ersten Kilometern schon komplett verausgaben. Zeit ist begrenzt aber auch unendlich, in gewisser Weise. Die Zeit ist da, so lange unser Bewusstsein dafür geschaffen ist...
...sollte man sich also von seinem Bewusstsein lösen können - und ich weiß, dass es spirituelle und mentalistische Lehren und Wege geben soll, die so etwas herbeiführen können sollen - so wäre man auf einer Ebene zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, oder darüber oder darunter...ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall wäre dann ein Vorstellung von einer anderen Zeitwahrehmung irgendwie nachvollziehbar, da man frei vom Bewussten, tatsächlich mehr Zeit für das Unterbewusste aufbringen könnte. Und da Zeit wohl schon lange, lange in unserem Unterbewusstsein verankert scheint und einen Großteil unserer Wahrnehmung beeinflusst, wäre es interessant, wie man ohne die bewusste Wahrnehmung, die Zeit an sich wahrnehmen würde oder könnte.

Nimm Dir die Zeit, sie ist da! Nehmt Euch Eure Zeit, denn sie hört nicht auf zu existieren!