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Donnerstag, 23. April 2020

Dunkelste Stunden

Wann ist man ganz unten angekommen? Wann ist der Zeitpunkt, der der Dunkelste in einem Leben sein kann? Himmelhoch jauchzend und im wahrsten Sinne zu Tode betrübt.

Es gab eine Zeit, die ich mit Abstand zu der dunkelsten aller Zeiten zähle. Eine Zeit voller Zweifel, Unsicherheit und Un-Selbstbewusstsein. Eine Zeit, in der es nicht anders möglich gewesen ist, als diesen triefend-schweren Mantel der Depression mit sich herumzutragen. Der Mantel war dabei leider weder optisch ein tolles Kleidungsstück, noch hat er mich warm gehalten. Er zog einfach immer mehr und immer weiter herunter, wurde schwerer und schwerer, dunkler und dunkler.

Der Moment, wenn sich in deinem Kopf alles nur noch um eine Option im noch vorhandenen Leben dreht: die Selbstaufgabe. Die letzte Möglichkeit, um dem lähmenden Griff zu entfliehen. Entkommen, Erlösung, Aufgabe. Wenn man soweit in sich gefangen ist, dass man nichts mehr zu Stande bekommt. Der Moment, wenn Zeit egal ist. Der Moment, wenn man die Augen einfach nur zu machen und nie wieder öffnen möchte. Ganz unten ankommen: emotional und gesellschaftlich betrachtet.

Die Depression ist im Stande, dich komplett aus einem regulären Ablauf und aus gängigen Strukturen herauszureißen. Du veränderst dich, schottest dich ab. Du gehst nicht mehr vor die Türe und dein Körper lässt dich im Stich. Du bekommst Angst. Du schürst deine eigenen Zweifel immer mehr. Irgendwann kämpst du nicht mehr. Irgendwann ergibt das Alles keinen Sinn mehr für dich. Du vergisst, dass dort draußen immer noch Menschen sind, die dich lieben. Menschen, die zu dir stehen und dich auffangen können. Aber du verschließt dich immer mehr. Du erzählst niemandem von den inneren Problemen. Du traust dich nicht zuzugegeben, dass du nicht mehr Leben möchtest. Am liebsten würdest du einfach davon schweben und alles hinter dir lassen.

Du willst nur noch in die friedliche Ruhe eintauchen, die dir der Tod suggeriert. Nichts macht mehr glücklich. Nichts kann dich motivieren, deine Teufelskreise eigenständig zu verlassen. Du weißt ganz genau, etwas stimmt schon lange nicht mehr, aber wirklich eingestehen kannst du es dir nur zum Teil. Einsamkeit, Traurigkeit und Sinnlosigkeit erobern deinen beschränkten Horizont und du liegst nur noch da. Wartest, versuchst zu schlafen, denkst darüber nach, wie du es beenden kannst. Liegst da und versuchst immer wieder die Stimmen in deinem Kopf auszuschalten. Du betäubst dich immer mehr, willst immer weniger mitbekommen. Du manövrierst dich immer mehr selbst in eine Welt, die als dunkelste Aller bezeichnet werden kann.

Die Depression nimmt dir alle deine Grundlagen. Sie nimmt dir jegliche soziale Kompetenz. Sie zieht dir den Boden unter den Füße weg und lässt dich endlos fallen. Fallen ohne aufgefangen zu werden. Fallen in ein nie enden wollendes schwarzes Loch, aus dem es nur noch einen Ausweg zu geben scheint...Flügel werden dir nicht einfach so wachsen. Du wirst nicht einfach so wieder empor fliegen können...

...irgendwann - im Bestfall - schlägst du auf dem teerigen Boden der Realität auf und spürst endlich wieder etwas anderes als Leere! So widrig dieser Boden auch ist, an dem du dich jetzt befindest, es ist das Beste, was dir in dieser Situation passieren konnte. Fange an nach dem Boden zu greifen. Fange wieder an, wahrzunehmen. Fange wieder an, auf die Beine zu gelangen und aufrecht zu stehen. Fange wieder an, deinen Blick schweifen zu lassen. Und fange an, dich zu öffnen. Nimm die ganze Leere und Traurigkeit und erkläre sie deinen Lieben. Fange an, dir einzugestehen, dass du es alleine nicht schaffst. Fange an, wieder zu laufen und lass dir helfen.

Wie gerne du einfach in den Arm genommen werden wolltest, aber es nie jemandem gesagt hast. Wie sehr du die menschliche Nähe vermisst hast, die so unglaublich wichtig ist. Wie sehr du die Leichtigkeit vermisst, die einst gewesen ist.

Aber jetzt ist alles anders. Es liegt ein unfassbar demütiger Weg hinter dir. Und ein sehr sehr Müßiger vor dir. Das Wichtigste: die Erkenntnis, dass du nicht alleine bist. Die Erkenntnis, die mit der Erkenntnis kommt, doch wieder einen Sinn hinter deinem Leben zu erkennen. Nimm das Licht wahr. Sieh nach vorne. Wisse um den harten Aufprall und sei dankbar, dass du dadurch nicht gänzlich zerbrochen bist. Sei dankbar, dass du Familie hast. Sei dankbar, dass du durch die Hölle gegangen bist. Sei stolz, dass du dich geöffnet hast. Sei froh, dass deine Ängste wieder weniger werden und gehe einen neuen, anderen Weg.

Dieser Weg wird dich und dein Sein neu definieren. Er wird dir zeigen, dass das Leben ganz neue Dinge bereit hält. Du wirst die Kleinigkeiten so viel mehr zu schätzen wissen. Du wirst dankbar sein, dass es dir ein Leben lang gut gegangen ist. Du wirst den Weg gehen müssen, so lange er auch dauern mag. Dein Leben wird dich verändert haben, aber das ist gut so. Du lernst wieder dazu. Du reflektierst und merkst, dass du so etwas nie wieder haben willst. Du willst wieder gut und stark und voller Selbstbewusstem sein. Und du wirst mit jedem Schritt wieder leichter. Der Kopf wird freier. Die Wolken lichten sich nach und nach und irgendwann streifst du den dunklen Mantel auf den Schultern ab und fühlst dich, wie neugeboren.

Ein neues Leben wartet. Ein besseres, ein intensiveres, ein schöneres aber auch ein anderes Leben. Nimm es an und mache daraus das, was es für dich sein soll. Du hast den Abrgrund gefühlt, du bist am Boden aufgeschlagen und du bist trotzdem noch da. Vergib dir für alles, was du dir selbst antun wolltest und sei (ganz einfach) einfach wieder glücklich. Wertschätze das Wissen, das du nun hast und nimm diese immense Veränderung und gestalte dein Leben neu. Habe Geduld und Zuversicht. Sei offen und positiv und dir selbst nicht zu schade, über Unzulänglichkeiten zu berichten. Bade nicht mehr im Selbstmitleid, sondern nimm das an, was das Leben dir gibt: nämlich das Leben! Mit allen Facetten und Möglichkeiten. Es ist ein tolles Leben. Es lohnt sich immer. Gib niemals auf, niemals!

Auch wenn es Jahre dauert, wieder Fuß zu fassen, es geht. Es funktioniert. Es ist möglich, aus jedem noch so ausweglosen Teufelskreis, aus jedem noch so tiefen Loch, aus jedem noch so bitteren Selbstgefühl wieder auszubrechen. Alles ist möglich, wenn man merkt, dass der Kopf nicht mehr die Kontrolle über das Selbst hat. Sei dein eigenes Selbst, immer. Mach dich zu dem, was du sein willst.

Ich bin dankbar und froh, diese Zeit hinter mir gelassen zu haben. Ich bin dankbar für diese äußerste Grenzerfahrung. Nun mit genügend Abstand kann ich sagen, ich habe gelernt. Ich habe etwas überstanden, was nie jemand durchmachen sollte. Ich bin gewachsen, ich habe mich verändert. Ich bin ein besserer Mensch geworden und ich habe so viel Liebe in meinem Leben erfahren, die ich mehr als je zuvor zurück geben möchte und kann. Es dauerte Jahre, aber zu wissen, dass man seit zwei Jahren wieder voll im Leben steht, will und sein kann ist die tollste Bestätigung für das Selbst und das Leben an sich.

Lasst euch niemals unterkriegen und gebt euch selbst die Chance, Hilfe annehmen zu können, wenn ihr denkt alleine zu sein. Das seid ihr nicht. Das Leben ist da, wir müssen es einfach nur sehen und annehmen. Das Leben ist so wundervoll, es lohnt sich immer.

Beste Grüße von einem neuen Menschen! 

xo xo

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Ein Rückblick nach vorne 2019

Einmal Rückblick und nach vorn?! Wenn ich mir die letzten Monate und dieses Jahr anschaue, muss, kann und will ich sagen, wie toll es einfach ist, wenn man die richtigen Menschen kennen lernt und sie in sein Leben lässt. Die, die einfach immer da sind und besonders die neuen Menschen, die man kennen lernen darf und die dann tatsächlich bleiben.
Aber erstmal zum Anfang: wenn schon Rückblick, dann auch mit Reflektion...ansonsten braucht man den nicht zwingend!!!

Anfang des Jahres kam wie aus dem Nichts eine alte neue Persönlichkeit in mein Leben, die mir ein paar wunderbare, sehr intensive aber überschaubare Wochen bereitet hat. Das war toll und hat mich seit langer Zeit mal wieder etwas Nähe fühlen lassen. Diese Verbindung hielt leider nicht so lange, wie man sich es im Vorhinein vorgestellt hatte, war aber dennoch voller guter, schöner und wichtiger Momente. Bereuen? Kein bisschen! Sich weiterentwickeln? Total. Auch wenn es ne Zeit lang echt schwierig war, regulierte es sich und die Wege führten in verschiedene Richtungen weiter. Alles gut, im Endeffekt.

Gepackt von diesen neuerlichen Veränderungen bekam ich dann die Chance auf einen ebenso neuen Job, der auch bitter nötig war und eine damit verbundene neue Grundlage. Eine richtig, richtig gute Grundlage! So viel Motivation und Identifikation im Job habe ich in den letzten Jahren selten erfahren und bin um so mehr froh, dass sich daran bisher nichts geändert hat und die Möglichkeiten, die daraus resultieren, völlig gut und toll sind und bleiben! Und wenn es dann richtig positiv und zuversichtlich läuft und die Vergangenheit einen nicht unnötig belangt, ist der Weg frei für Alles andere und noch so viel mehr!

Besonders diese Verbindungen und Möglichkeiten, die passieren, obwohl man nicht damit rechnet, sind die Besten überhaupt! Und davon muss ich diese Eine, ganz Besondere nun deutlich hervorheben: Christina, wir haben uns nun vor mittlerweile gut fünf Monaten durch einen kommunikativen Zufall im FK angefangen kennenzulernen. Wie leicht und einvernehmlich wir uns von Anfang an verstanden haben, ist und bleibt ein Geschenk in dieser zerfahrenen Welt! Wir haben uns geschrieben, Nachrichten gesprochen, stundenlang telefoniert und du hast mich einfach in deine, für mich damals, völlig neue Welt, mitgenommen.

Du, trotz der Entfernung, bist mir in dieser ganzen Zeit einfach immer so unglaublich nah gewesen, dass es sich anfühlte, als wäre ich mit vor Ort, obwohl eine gewisse geographische Distanz ja nie von der Hand zu weisen war (2500 km) Aber genau das ist völlig irrelevant gewesen. Obwohl du so weit weg bist, haben wir uns so intensiv, viel, verschieden, leicht und einfach frei mit einander verhalten. Du bist für mich schon lange ein so wichtiger Bestandteil in meinem kleinen Leben geworden, den ich einfach nicht mehr missen will. Du bist mit deinen Ohren für mich da, Du schenkst mir unglaublich viel Zeit, du inspirierst mich seit Monaten, befeuerst dadurch meine Kreativität und mein lyrisches Ich. Du hast mich einfach so angenommen, wie ich war und bin und tust es weiterhin, als wäre ich der leichteste Geist auf dieser ErdeIch schätze und respektiere dich und deine Art völlig! Du leistest in deinem Job sooo viel, gehst immer wieder über deine energetischen Grenzen und trotzt den Umständen und Gegebenheiten bei dir vor Ort ein ums andere Mal! Du bist einfach richtig stark!

Ich bin so froh und dankbar, dass ich bei dir immer so sein kann, wie ich bin, dass ich mir keine Gedanken machen muss, was ich denke und dass du einfach so bist, wie du bist! Ich bin enorm glücklich, dass wir uns kennen, schätzen und respektieren. So eine wunderbare, leichte und intensive Verbindung über solch eine Distanz zu wahren, das ist der Wahnsinn und nicht alltäglich oder gar selbstverständlich! Die Möglichkeit dann, dich und den Verein direkt vor Ort besucht haben zu können und zu dürfen, ist für mich ganz klar ein Highlight der letzten Jahre (Reisebericht Konitsa 2019) !! Ich bin so dankbar, da gewesen zu sein, so dankbar für die neuen Erfahrungen und Eindrücke. So dankbar, dass ich selbst keine Bedenken bei einer solchen Reise haben musste. So dankbar, dass wir uns auch ohne die Kommunikation über das Internet, ganz in echt, wunderbar und völlig einfach und gut verstanden haben und es weiterhin tun. Ich komme wieder, keine Frage und ich weiß, wie sehr ich willkommen bin. Du bist so eine eindrucksvolle Person und Persönlichkeit und es reicht bei Weitem nicht, diese Zeilen zu verfassen, um ansatzweise zu begreifen, was du alles leistest! Danke für diese ganze Zeit bisher und auf weitere neue, spaßige Unterhaltungen, Sinnieren, Hunde retten, Quatschen, Schweigen, das Wetter verteufeln uns über Dinge aufregen, Telefonieren, trotz der Distanz diesen Draht zu einander zu haben und und und...!

Tom, mein Lieblingsdrummer und Anker, du bekommst hier jetzt eindeutig weniger Text ^^ , trägst aber eh weiterhin, permanent zu dieser Entwicklung bei und das seit 3 Jahren! Du weißt wie sehr ich dich schätze und ich weiß sehr, was ich dir zu verdanken habe! Ich danke dir, auch wenn es hier und da mal dynamisch nicht nach unseren Vorstellungen lief...its so good to have you!
Mein Jahr geht also mit einer neuen Grundlage, neuen Verbindungen, alten aufgelösten Verbindungen, keinen Zweifeln, Klarheit, Glück, Zuversicht, Bestätigung und Motivation zu Ende. Es ist rückblickend weiterhin eines der "leichtesten" Jahre der letzten Jahre und ich zeige mich voller Demut und Dankbarkeit für diese Entwicklung!

Freitag, 23. November 2018

Ein Moment der inneren Stille

Gerade verstummte die letzte Note der Abspann-Musik einer Serie, die ich schaute. Nun flimmert sie nicht mehr, die Kiste. Jetzt ist's still. Nur das leichte Feedback der digitalen Tasten und ab und zu ein Auto, das über weitestgehend leere Straßen fährt. Viel mehr Geräusche sind gerade nicht zugegen. Das ist angenehm, muss ich feststellen. Ich halte inne und suche das Chaos, das einst in mir wohnte. Ich denke, jeden Moment wird es wieder an meiner Seele zerren. Wenn ich still wurde, nahm es sich einen Platz und herrschte. Aber das tut es nicht mehr. Es zerrt nicht mehr, wenn ich in mir Ruhe suche. Es ist wirklich sehr sehr angenehm, eine innere Stille so wahrnehmen zu können. Das sollte man viel öfter mal tun.

Gleich folgt dann noch die letzte Folge dieser Serie. Ganz bewusst und gewollt. Ist ne gute Serie. Ich hab sie gern gesehen. Die innere Stille wird auch nach den nächsten fünfundzwanzig Minuten wieder einkehren. Da bin ich mir sehr gewiss.

Innere Stille: fast so viel Wert wie das Schweigen des Goldes. Aber auch nur fast. Gold ist ja nur ne Ressource. Der Seelenfrieden hingegen wird niemals mit Gold aufgewogen werden können.
Dennoch kann dieses Selbst ein enormes Gewicht haben und einen runterziehen. Dann ist es aber kein Gold, was an dir zerrt, sondern die Schwere eines Momentes. Die Schwere einer Situation oder über lange Sicht, die Schwere einer Phase oder die Schwere eines Lebens. Selbst der Schmerz der Welt kann einen so arg erdrücken, dass nicht mehr viel Luft für die eigene Seele bleibt.

In der Tat starte ich aber nun die zwölfte Folge dieser Serie und werde den Text danach noch einmal lesen. Im Bestfall selbst-bestätigend. Da es mir nicht mehr an Zuversicht fehlt, bin ich mir da sehr sicher. Auch wenn es nur um eine kleine Selbstreflektion der inneren Ruhe/Stille geht. Bestätigung des Selbst ist immer eine gute Sache.

Die Serie endete leider merkwürdig abrupt und erhält auf Grund fehlender Zusammenhänge dann doch nur ne subjektive 6/10. Spricht man bei einer Staffel a 12 Folgen überhaupt schon von einer Serie? Wenigstens kann man von einer Serie von Folgen sprechen. Ich befürchte aber, da kommt nichts mehr nach. Demnach bleibts bei 12 Folgen.

Freitag, 2. November 2018

Die Inspiration der Dinge

Jetzt sitze ich hier und schreibe, neben den spontanen, kleinen Werken, der Geschichte um den Weber in Gedichtform, nun einfach mal zwischendurch diesen Beitrag. Ein Reflektierender, es wird. Die Inspiration der Dinge. Die Bilder der Gesellschaft. Die Übertragung auf unser Selbst. Wandel, Handel, Heiterkeit. So könnten wohl etwaige Überschriften, Phrasen oder Kalendersprüche heißen.

In Wirklichkeit sind es meine Gedanken, die ich meistens eins zu eins niederschreibe, wie sie mir gerade in den Sinn kommen. Dabei laufe ich immer etwas Gefahr, von einem Gedanken auf den anderen zu wechseln und diesen ebenfalls niederzuschreiben. So wie jetzt gerade. So verliert die Struktur etwas an Struktur. Aber ich hoffe, dass ich mit guten Umschreibungen und enorm gewieften Phrasen immer wieder den Faden finden werden, den es gilt zu weben.

Super Überleitung. Gewieft, quasi. Und einfach, weil dieses Wort großartig ist, erwähne ich es gerne nochmal: gewieft.

Meine Inspiration im Moment geht stark auf eine klassische, man könnte sagen alte Ansicht oder ein Bild auf die Verbindung und etwaige Bande zurück. Ein Band. Eine Verbindung. Ein Faden. Ein Garn. Weben. Verflechten. Zusammenführen. Stärken. Verfeinern. Halt. Geleit. Sicherheit. Wege. Weben. Der rote Faden. Das rote Band. Vieles davon geht weit zurück. Altertum, griechische Mythologie, asiatische Kulturen oder auch Spirituelles. Es sind auf diesem Weg nunmehr mehrere Ebenen, auf denen sich die Metaphern, Bilder und Umschreibungen befinden.
Das Potential, so wie ich es sehe - natürlich dann, wenn man die Dinge auf die sozialen, subjektiven Ebenen hebt -, ist einfach enorm, umfangreich und sehr wertvoll, was das Alles betrifft. Das Alles. Das Insgesamte. Große Ganze etc. 42.

Allein in der Metaphorisierung und der Verwendung dieses Bildes vom Bande - in verschiedenen Kulturen und Epochen - liegt soviel Potential, welches nicht zu Unrecht oft und literarisch bis philosophisch erwähnt wird. Daher lassen sich auch super gut, enorm viele dieser Bilder in Gedichtform bringen. Ich für meinen persönlichen Teil setze mich seit dem großen Bruch ja enorm viel mit der Weg-Thematik auseinander. Habe darüber schon extrem viel niedergeschrieben, verarbeitet, versucht zu reflektieren und einen eigenen Weg dann irgendwann endlich wieder zu finden.

Ich habe zum Glück wieder einen Weg gefunden und ich gehe ihn, mittlerweile fast ohne größere Steine oder dann mit den entsprechenden Ambitionen, diese potentiellen Steine aus dem Weg zu räumen. So far so good. The way is long and beautiful. No need to run. Und über diese wiederkehrende Thematik des Weges schleicht sich immer öfter auch ein Wesen in meine Texte ein. Ein Wesen, ein Geist, ein Leben, eine Personifizierung, wenn man so will. Die Andere Ebene eben. Die Seele, die es auf Wege zu leiten gilt. Die Seele, die eine Verbindung braucht. Die Seele, die man selber ist...

Auf jeden Fall passiert mir eine erneute und großartige "Wieder-Sicht" auf die Dinge, die ich lange nicht hatte, nicht haben konnte. Die Eingliederung in das ganz Normale passiert wieder und weiterhin. Vor 2 Jahren ca. war ich noch am Anfang, suchte einen Weg. Fand damals wunderbare Menschen, von denen einer immer noch wunderbar ist und lernte wieder, zu laufen. Man musste mich zwar etwas an die Hand nehmen. Aber auch dort - wenn ich jetzt lese, was ich eben darüber geschrieben habe - waren auch schon die Seelen des Weges vertreten, die die Verbindung, den Faden, das Garn, das Band, aufrecht gehalten haben. Das Band war damals die Band. Band, Musik, Gruppe. Band = Band. Verrückt.

Was ist eine Verbindung? Eine Übereinkunft. Ein stetiges Etwas. Etwas, dass nicht immer einen haptischen Zugriff haben muss. Es kann ein Band sein. Es kann eine Band sein. Es kann der Faden sein. Ein Garn. Ein Versprechen. Ein Verständnis. Solidarität. Loyalität. Es kann so Vieles sein und wiederum Nichts. Aber dennoch ist es immerzu eine zu erstrebende Sache.
Als ich damals fast alle Verbindungen lösen musste und mich komplett zurück zog, war mir dieses Ausmaß an Verbindungsschwund und die damit verbundenen Konsequenzen natürlich nicht bewusst.
Warum auch. Völliger Schleier regierte noch meinen Verstand und das dazugehörige Wesen.

Mittlerweile sage ich seit geraumer Zeit, dass es mir so gut geht, wie schon lange nicht mehr. Und es bleibt dabei: ich kann es nicht anders sagen. Das ist toll. Und zudem ist es auch toll, zurückblicken zu können - wie einst diese Band, mit den Brüdern, von dieser Insel, besungen hat - dont look back in anger. So werde ich langsam wieder zu Etwas, das ich lange vermisst habe. Bzw. es erst jetzt so sagen kann, da ich im Umgang mit mir Selber, wieder die richtigen Wege gefunden habe. Ich bin froh, dass ich wieder den Sinn in Verbindungen und Ebenen sehen kann. Und darüber hinaus wahrscheinlich um die Lobotomie herumkommen werde, whoop!!! Das Leben ist ja eh ein Irrenhaus. Warum nicht einfach mitspielen?!




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Friede und Freude





 

Dienstag, 2. Oktober 2018

Der Aufstieg einer Insel

..."Diese Insel, genau, wie die anderen Musik-Inseln in meinem bisherigen Leben, wird immer ein Teil von mir bleiben und ich bin unendlich dankbar für eine ganz wunderbare Zeit, die ich wahrnehmen durfte! Eine für mich persönlich sehr wichtige Zeit. Eine Zeit, in der ich unglaublich viel Neues lernen und erfahren durfte. Eine Zeit, die mich gestärkt hat. Eine Zeit, die mir Mut gemacht hat. Eine Zeit die mich positiv verändert hat. Eine Zeit, die mich wieder mehr zu dem gemacht hat, was ich mal gewesen bin und was ich wieder sein will. Eine tolle musikalische Erfahrung, die bleibt. Schade und traurig ist es aber dennoch! Und es wird bestimmt noch ein paar Momente brauchen, bis ich das versunkene Makiwara auf dem Grund meiner Erinnerungen besuchen kann, ohne dabei nach Luft zu schnappen oder mir Kiemen wachsen lassen zu müssen. Genau wie Crowd, Dadrox, Earmarked und Atlantis, wird Makiwara eine versunkene, aber nicht verschwundene Stadt sein, in der ich sehr gerne gelebt und meine Zeit verbracht habe!"...

...so beschrieb ich vor ungefähr einem halben Jahr die Trennung von meiner letzten Band. Heute schreibe ich voller Freude über den Aufstieg einer neuen Insel!


Es war vollbracht...nachdem Tommy Stickwurf und Baessmaen sich mit dem schnell zusammen geschusterten Floß von ihrer alten Insel entfernt hatten, trieben sie mit einem bestimmten Ziel umher. Diese Aussage sollte man also umformulieren. Sie trieben nicht umher, sondern folgten ganz konkret einem inneren Kompass, der zwar noch keine finale Destination visualisierte, aber doch ein gutes Gefühl bot und die Basis schaffte, um dann irgendwann auf einen einsamen Busch auf einer ansprechenden Insel zu führen. Gar nicht mal so lang, war ihre Reise. Und alles andere als langweilig. Schwer mitunter, ja und auch müßig. Aber auch sehr reflektierend in Bezug auf die verlassene Insel. Der Bruch war einfach zu gewaltig gewesen, um so zu tun, dass alles in Ordnung sei. Dafür war man aber auch nicht gemacht. Man setzte sich mit Dingen auseinander.

Während Ihres Weges über die Wogen der Ursuppe namens Leben, kamen natürlich immer wieder Groll und negative Gedanken auf, die den beiden Floß-Fahrern nächtelange Gespräche und einen regen Gedankenaustausch bescherte. Ziemlich flott wurde klar, dass man sich immer wieder sehr schnell im gedanklichen Kreis drehte. Die Entscheidung die Insel verlassen zu haben, wurde in keinster Weise bereut, allerdings sehr oft hinterfragt. Eine völlig verständliche Reaktion, wenn man überlegt, dass Tommy Stickwurf wirklich viele Jahre auf dieser Insel verbracht hatte. Seine Bindung und die damit einhergehenden Gedanken waren über die ganze Reise hinweg ein Begleiter, der ab und an für Ballast sorgte und die Fahrt etwas verzögerte. Aber das war okay. Baessmaen wusste um den zeitlichen Faktor der Bindung und bemühte sich um Verständnis aber auch Weitsicht. Er war allerdings etwas radikaler im Umgang mit der Trennung. Das wiederum kam Tommy Stickwurf zu Gute. So glich man sich gegenseitig aus und neutralisierte den Ballast ein ums andere Mal.

Und so trieben sie dann eines frohen Tages auf eine kleine und fein anmutende Insel zu. Sie schien wie aus dem Nichts vor ihnen aufzutauchen und erstreckte sich in einer kompakten aber annehmbaren Größe vor ihren Augen. Sie war hübsch anzusehen und auch das Klima und die weitere Vegetation war zur vollen Zufriedenheit mit "gut" zu bewerten.
Tommy und Baessmaen nahmen Kurs auf eine Anlegestelle und waren freudiger Erwartung, hier die neue Flagge mit den richtigen Ambitionen hissen zu können. Home is where the flag was put in the sand...oder so ähnlich.
Als die Beiden von Ihrem Floß stiegen und die Insel betraten, nahmen sie relativ umgehend die Anwesenheit einer Präsenz war. Man kannte diese Präsenz irgendwo her...sie kam einem relativ vertraut vor. Eher positiv als neutral...aber definitiv neutraler als negativ. Man sah sich um, suchte nach Anwesenheiten, die darauf deuten ließen, dass die Insel doch nicht so frei war, wie sie sich das erhofft hatten.

Tommy und Baessmaen waren fast schon etwas verunsichert und wussten nicht so richtig, ob und wie sie nun Ihre Flagge hissen sollten. Man streifte umher suchte nach der schwebenden Präsenz, die die Insel auf eine eigene Art und Weise umgeben hatte. Sie tigerten einmal um die Insel herum. Tommy links lang, Baessmaen ging rechts entlang. Sie Trafen sich auf der Rückseite der Insel wieder und auch dort fanden sie letztendlich diese präsente Anwesenheit auf dieser kleinen aber feinen Insel.

Es war ein Busch, der da am Wasser stand und in die Wellen blickte. Tommy näherte sich langsam von der linken Seite, legte dem Busch eine Hand auf die Schulter und sagte: "Yo, Busch, was geht ab!? Was machste hier? Ich dachte Amerika läge geographisch und gesellschaftlich in einem anderen Gebiet?!" Der Busch zögerte nicht lange und entgegnete: "Weder noch, weder noch. Ich warte hier lediglich auf Euch. Und jetzt hisst endlich die bekackte Flagge!"...raunte der Busch etwas mürrisch. Man sollte es ihm nicht verübeln. Für jemanden der am Strand stand, auf die Wellen schaute und offensichtlich schon etwas länger wartete, war er noch relativ entspannt.

Und genau diese entspannte Art, stellte sich dann als totaler Optimismus und in Positivität dar. Denn, wer konnte das ahnen: der Busch hatte auch Bock auf eine neue Insel. Er war sogar recht bewandert, was die Pflege und die Intakthaltung - was im Endeffekt das Gleiche ist - anging. Man war sich ziemlich schnell einig, dass man aus der bestehenden Anhäufung von Sand eine erneut, neue Insel machen könnte. Zusammen, gemeinschaftlich. Eine gute Option, sagte Tommy. Baessmaen stimmte dem zu und auch der Busch war guter Dinge, sich auf eine gemeinsame Insel einzulassen und ihr neues Leben einzuhauchen. (In Kombination mit einer möglichen Metapher und der Idee, dass jemand Busch heißen könnte, sollte den Busch in seiner Inselform aber nicht weniger wert erscheinen lassen. Die Erzählweise könnte dies eventuell vermitteln, falls man sich tatsächlich einen Busch vorstellen würde.)

Aber kommen wir mal zurück zur Realität und nennen die Dinge beim Namen. Tommy Stickwurf aka Tommy Stickwurf, der Busch alias Dennis und meine Wenigkeit, sind mit der Idee der neuen Insel voll am Start. Ich bin wirklich froh, sagen zu können, dass wir, Tom und Ich, auf unserer Suche nach neuen Band-Companeros, gar nicht so lange haben suchen müssen. Wir haben ja nicht mal großartig gesucht. Die Findung hatte sich im Endeffekt über Vitamin B, bzw. aus einer lockeren Bekanntschaft heraus ergeben. Und wir sind sehr froh darum, dass es sich so schnell und unkompliziert gefügt hat. Und von Fügung sollte man in diesem Rahmen auf jeden Fall sprechen. Die Tatsache, dass wir über wirklich wenig Einsatz von Kommunikation nun einen top Gitarristen an unserer Seite haben, der zudem auch noch enorm motiviert, ideenreich und technisch bewandert ist, ist ganz klar Fügung. Da kann der Dennis jetzt machen, was er will, er muss nun für sein Leben lang die Gitarre bei uns bedienen. Aber das ist auch ganz gut so.

Lange Reise, riesen Sinn. Neue Insel am Start und schon einen Bewohner konvertiert, yay! Die Basis steht und wächst. Nun sind wir natürlich alle sehr dahinter her, dieses Mal eine komplette Insel zu schaffen. Dafür fehlt uns zu unserem Bandgefüge aber noch allerhand. In erster Linie natürlich ein Gesang, eine Stimme, ein charismatischer Front-Mensch! In Zweiter Linie allerdings auch eine weitere Gitarre und eventuell bleibt dann sogar noch Luft für einen Tasten-/Synthi-Menschen. Da wir uns selbst vielschichtige Musik zutrauen und nicht zwingend festgelegt sind, wäre eine Komplettierung um diese weiteren Elemente natürlich das Nonplusultra. Für meinen Geschmack würde aber auch eine Insel mit fünf Bewohnern völlig genügen. Anhand von technischen Hilfsmitteln und etwaigen Möglichkeiten für Soundgenerierungen von Saiteninstrumenten, sollte man auch mit ohne Tasten sehr viele Facetten bedienen können, bzw. die Musik machen können, die man sich vorstellt.

Und ja, was soll ich sagen? Wir sind sehr fleißig, arbeiten jede Probe an neuen Songs, haben einen echt guten Workflow weiterhin und was das Wichtigste ist: es macht Spaß, es erfüllt uns alle mit diesem gewissen Moment, den man nur haben kann, wenn man in einem harmonisierenden Bandgefüge Musik machen darf. Und das ist so toll. Die Insel lebt und sie wird wachsen. Die Flagge ist gehisst und strahlt mit kräftigen Tönen und zeigt eindeutig: We are Many!

Trotz des halben Jahres und der gemeisterten Etappe der neue Reise erreichen uns dennoch immer mal wieder Wellen von der alten Insel. Sie sind noch da. Sie rufen, wenn sie am Ufer branden, Erinnerungen wach. So mögen diese Wellen nun endlich verebben! Es ist ein bisschen wie alter Kaugummi, der unterm Schuh klebt und RTL. Beides ist scheiße und hält sich leider viel zu lange. Es gibt im Endeffekt noch organisatorische Nachwirkungen, die zu klären sind. Die Wellen, die rüber schwappen sind dabei aber nur der fade Beigeschmack der Unmöglichkeit von Kommunikation und den damit verbundenen Sachen, die erledigt werden müssen. Wir haben es leider nicht selbst in der Hand, das ist das Problem bei den Wellen und der alten Insel. Sie scheint immer noch auf der Stelle zu treiben und dreht sich dabei unentwegt im Kreis. Sie produziert eine Art von Bewegung, aber kommt selbst nicht voran. Man würde am liebsten sagen: "Insel, so funktioniert das nicht." Oder haben wir das schon längst getan? Natürlich! Durch die Blindheit, die wahrscheinlich entsteht, wenn man sich permanent im Kreis dreht, wird so etwas von der betroffenen Partei dann aber weiterhin nicht wahrgenommen. Und wir sehen dann nur die Wellen, die ab und an an unsere eigene Insel schwappen und ein bisschen dafür sorgen, dass das Ufer temporär etwas unschön oder hässlich wird.

Wenn diese Wellen der negativen Energie dann bald komplett verebbt sein werden, wird unsere neue Insel noch mehr strahlen können. Dann werden auch die Ufer und Strände immer in prachtvoller Sandigkeit sein, umrahmt, von dem tiefen, leuchtenden Blau der Ursuppe. Keine negativen Wellen. Nur Musik und Harmonie.