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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Dichterdienstag 19KW40 - Leicht



Leicht

Eigentlich ist es ganz leicht.
Streiche einfach das "eigentlich"
und was bleibt, ist das leicht,
welches ist und für sich steht
und den Weg dann mit dir geht.

So viel Schwere, potentielle,
muss doch gar nicht sein.
Tritt nicht auf der Stelle
und sei dir selbst im Herzen treu.
Dann schau und sieh, wie man sich freut.
Denn wenn du zuversichtlich bist,
vergeht die Scheu, die Schleier fliegen
und die Leichtigkeit, sie wird obsiegen.

Mach dich frei vom Erwartungsdruck
des ganzen, großen Massenglücks.
Entsprich dir selbst und sei dir selbst bewusst.
Dass du gut bist, hast du eh längst gewusst.
Sei dir selbst ein König und verhalte dich
so königlich-nötig, wie möglich.
So wird es bald ein Leichtes sein,
dir selbst ein kleines Wunder zu sein.

Wunder? Ja, die gibt es.
Und es gibt sie immer wieder.
Lass sie zu und sieh sie an.
Denn bei Zeiten, dann und wann,
sind sie einfach für dich da,
nimm sie an und nimm sie wahr.
Denn im tiefen Leichten, kaum verborgen,
liegt dein bestes Glück ohne Sorgen.
Es ist bereit für dich.
Sei du selbst.
Sei leicht.
Sei glücklich.

Dichterdienstag 19KW39 - 39



39

Diese Zahl an sich, so ganz für sich,
könnte unter Anderem vom Lotto sein,
oder gar eine Addition vieler Dreien.
An und für sich ist sie aber ganz anders wertig.
Wird sie doch kleiner, je weiter
man sich der Reduzierung nähert.
Je weniger die Zeiten werden,
desto größer wird die Freude werden.
Ein Countdown sie zu knechten,
eine Zahl die zum Echten
wird und endlich das zusammenführt,
was ganz einfach zusammengehört.
Diese Zahl gilt es nun zu verwenden,
um damit tägliche Vorfreude zu senden.
Warum dreht die Zeit sich manchmal nur so langsam?
Wäre es nicht schön, wäre sie jetzt schon unaufhaltsam
schnell und rasant heruntergezählt?!
Oh ja, das wäre völlig fantastisch,
total großartig und galaktisch.
Auf jeder Ebene erstrebenswert
und einfach wundervoll und lebenswert.
Bald, bald und immer mehr
kommt er dann immer näher:
der Tag an dem die Null dann steht
und endlich die Verbindung passiert.
Ich zähle nun die Tage,
sehe nach vorne ohne Frage,
freue mich auf jede Stunde
und höre es schon aus deinem Munde.
Wie lang es damals noch gedauert hat...
und jetzt, schließlich, endlich ist der Tag!

Dienstag, 17. September 2019

Dichterdienstag 19KW38 - Kreativität

Kreativität tropft aus allen meinen Poren.
Ich Kann sie weder stoppen noch hindern,
zu fließen. Sie ist da, ungewollt auserkoren
und hilft mir dabei, die Tristess zu lindern.

Kreativität tropft aus allen meinen Händen,
tropft und tropft und hört nicht auf
in Worten sich zu ergründen,
in Tönen sich zu ergießen,
in Farben sich zu erfließen.
Sie tropft und tropft und hört nicht auf.

Kreativität tropft aus allen meinen Seelen,
fliegend, auf und nieder, immer wieder,
im Kreis herum, um sich selbst ergeben,
strahlend, gleißend, leuchtend, immer wieder.

Kreativität strömt aus
meinen Poren,
meinen Händen,
meinen Seelen,
Öffnet Schranken, Fenster, Türen,
schreibt Bände, spielt Lieder und malt Bilder.
Immer wieder, nie zu wider,
stet'ger Quell, stet'ges dunkles Hell,
Niemals versiebend, ihr ständig erliegend.

Eines sei dir gesagt, liebe Kreativität:
Ich danke dir!

Dichterdienstag 19KW37 - Sonntags - das Nachts fürs Gehirn

Nachts - das Sonntags für's Gehirn

Nachts, da ist es meistens friedlich,
denn dann, meistens, schlaf' ich
ungestört vom Gedankenapparat.
Manchmal mag ich zwar auch Salat,
aber eher selten. Denn, was zählt, wenn
ich darf, ist die Stille, wenn ich penn'.

Wenn die Lider sich vor die Augen schieben,
sich wie ein schwerer Vorhang vor die Pupillen legen,
dann ist das Theater meist vorbei,
die Bühne ist leer. Stummes Geschrei
dröhnt dann nicht mehr, nimmer
das Palavern des Einheitsbreis.
Alles ruhig, alles still.
Selbst in mir drin.

Irgendwann endet dieser Frieden natürlich  wieder,
dann gehen sie wieder auf, die Lider.
Auf geht der Geist und der Verstand.
Auf geht das Ohr und noch was Anderes.
Palim, palim, da ist sie ja schon wieder.
Kaum verändert, kreischend hell,
erdrückend laut und fahrig schnell.
Diese schöne, bunte, runde Welt.
Widewidewie sie mir gefällt.
Vielleicht träume ich ja noch.
kann es sein, dass es gerade nach Kaffee roch?

Und schon wieder war ein Sonntag vorbei.
Hooray, dachte ich mir noch, als es nach Kaffee roch.
Aber das war Einbildung! Danke Sonntag,
wirklich, danke! Es gibt keinen besseren Tag,
um zu merken, wie wichtig doch die Zeit ist,
die man nicht bemerkt, wenn es wieder mal soweit ist.

Das nächste Sonntags folgt auch meist,
spätestens später dann, wenn's wieder heißt:
Augen zu und in den Staub mit dem Lärm
Nachts - das Sonntags für's Gehirn.

Dienstag, 3. September 2019

Dichterdienstag 19KW36 - Manchmal Melancholie


Manchmal Melancholie

Ich schreibe so viel und mache so wenig,
denke so viel und handle nur mäßig.
Manchmal gucke ich in den Himmel empor,
lasse die Gedanken Gedanken sein und stelle mir vor,
wie es wäre, jetzt auf dem Mond zu sein.
Wäre es friedlich, luftleer oder allein?

Ich schweige so viel und sage so wenig,
diskutiere mit mir selbst oft zu emsig.
Manchmal schaue ich mir die Sterne an,
lasse die Gedanken Gedanken sein und frage mich dann,
wie es wäre, wären wir nicht allein.
Wäre es neutral, krieglich oder gar fein?

Ich empfinde so viel und gebe so wenig,
nehme es auf und verarbeite es täglich.
Manchmal schaue ich stur in den Horizont,
lasse die Gedanken Gedanken sein und fahre fort,
mir zu wünschen und zu erstreben:
ein freies, gutes und wundervolles Leben.

Ich bin nicht viel, zudem auch wenig,
leuchte meistens dunkler als ein Irrlicht.
Manchmal schaute ich dich einfach an,
ließ die Gedanken Gedanken sein und sagte dir dann,
wie schön du bist, wie hell du scheinst.
Wie furchtbar es ist, wenn du weinst.
Wie erstrebenswert dein Kosmos ist,
wie wunderbar und toll du bist.

Manchmal schaue ich in die Nacht empor, 
lausche den Wolken und bin ganz Ohr.
Ich höre dich noch von Weitem rufen,
schaue mich um und fange an, zu suchen.
Aber es ist nur ein Echo vergangener Zeiten,
was mich daran erinnert, nicht zu entgleiten.

Kurzzeiliges für Kurzweiliges #13 (Nerven/Zölibat/Entzug)




Sonntag, 1. September 2019

Abstinenz - unendliche Weiten

Der Kosmos. Das Weltall. Die Universen. Abstinenz. Hurz!


Tag 1 (0.5), Mittwoch:

Heute habe ich mich relativ spontan dazu entschieden ein kleine Pause einzulegen und Abstinenz auszuprobieren. Zugegeben, sie schmeckt ziemlich geschmacklos und hält sich derweil auf der einen Seite mit einem lockeren Angang und auf der anderen Seite mit einem durchaus merkbaren Abgang. Es ist natürlich von einer Social-Media-Abstinenz die Rede. Da ich in den letzten Monaten wieder sehr regelmäßig und konstant bei FB unterwegs war, (die einslive Freundeskreis Gruppe, das private Profil, der Blog) fühlt sich dieser Wegfall von Unterhaltung, Spaß und Kommunikation definitiv zwiegespalten an.

Tag null komma fünf ist's eigentlich, weil ich heute, am Mittwoch, den 28.08.19 noch bei FB aktiv war und erst im Laufe des Tages entschieden habe, diese Plattform, sowie Instagram und auch WA so gut es geht zu vermeiden. Gesagt, getan. Ich hab Nachmittags noch 'ne Benachrichtigung bekommen, dass mich jemand unter meinem Beitrag vom Mittag markiert, bzw. erwähnt haben muss. Diese habe ich aber einfach weggewischt, ohne bisher nachgesehen zu haben. Ich bin quasi seit heute, Arbeitsbeginn gegen 13 Uhr, ohne die größten Kommunikations- und Profilierungsplattformen unterwegs. Bei Instagram habe ich eh im Moment nur die Blogseite im Fokus. Die private Seite ist seit geraumer Zeit eher semi bis noch weniger aktiv. Andere offene Kommunikationen standen auch nicht mehr im Raum.

Ich habe diese spontane Idee natürlich nirgendwo angekündigt und bin gespannt, wie lange ich damit durchhalten werde und ob darauf irgendjemand eingeht. Zu letzt habe ich ja wieder wunderbare neue Kontakte erfahren dürfen und natürlich pflege ich Diese auch super gern. Im Rahmen der Kurzfristigkeit der Dinge wird sich nun zeigen, wie kurzfristig die Leute wirklich sind. Mit der Einstellung der sozialen Medien fällt natürlich auch ganz spontan die Pflege dieser und fast aller Kontakten weg, da die Meisten über WA erreichbar sind und auch darüber der häufigste Austausch passiert. Demnach habe ich die Benachrichtigungen aus unserer Vollvossten-WA-Gruppe natürlich ebenso ignoriert und WhatsApp nicht geöffnet.


Tag 2, Donnerstag:

Eine Nacht ohne, ist wie eine Nacht ohne. Und besonders der Morgen danach verliert sich, wenn ohne, in ziemlicher Eintönigkeit. Meine Benachrichtigungs-Pop-Up-Zahlen auf dem Telefon halten sich ja eh meist in Grenzen und zudem ist diese Anzeige der Benachrichtigungen in meinen Augen etwas kaputt. Ich spreche über diese kleine Zahl, die oben an dem App-Icon steht. Icon-Zahlen sind irgendwie im Moment wie Windows-Minuten. Wenn da steht, es dauert noch acht Minuten, dann kann es sein, dass es entweder nur noch fünfundvierzig Sekunden braucht oder vielleicht aber fünfundvierzig Stunden. Bei den Icon-Zahlen ist das ähnlich. Da steht dreiunddreißig und in der App sind's nur vier...man weiß es nicht so genau...wie auch immer...bei mir waren es heute nach dem Aufstehen sieben an der Zahl bei FB und um die dreißig neuen Nachrichten in der WA-Gruppe.

Dieser Donnerstag steht, genau wie der Mittwoch, voll im Zeichen der Arbeit. Zwei Tage gab ich mir Zeit, um im Betrieb zwei Baucontainer á 8 Kubik und 11 Kubik mit diversem Möbelschrott zu füllen. Dementsprechend heißt es: früher anfangen, mehr schaffen. Normalerweise beginne ich mit der Arbeit gegen 16 Uhr und die Schicht endet um 21 Uhr. Gestern und heute ist der Beginn um 13 Uhr. Zudem haben wir heute noch ein internes Betriebsgrillen für die Belegschaft.

Wie geplant konnten wir heute, ich hatte einen fleißigen Helfer an meiner Seite, den zweiten Container komplett voll machen und lagen dabei sehr gut in der Zeit. 13 bis 18 Uhr Schrott schleppen, ein bisschen zur Ruhe kommen und dann um 19 Uhr das Grillfest. Mein Telefon hatte ich während der Arbeit nicht in der Tasche. Zum einen, weil es einfach beim Schleppen und Wuchten gestört hätte, zum Anderen, weil es eh keinen besonderen bzw. banalen Grund gehabt hätte, es zu checken. Kommunikation und Austausch mit Menschen hatte ich dafür auf der Arbeit. Beim Grillfest natürlich auch mal etwas privater und nicht nur arbeitsbedingt.

Das war alles echt ganz nett und angenehm, muss ich sagen. Auch wenn ich mich im Vorhinein gedanklich natürlich wieder selbst bekloppt gemacht habe. Essen in der Öffentlichkeit...größere Menschengruppen...funktionieren müssen...die Angst vor der Angst, nicht entsprechen zu können...Gedankentrallala trotz Social-Media-Abstinenz. Aber im Endeffekt waren es mal wieder unnötige Gedanken. Eine Bestätigung an mich selbst: ja, auch das hast du wieder geschafft!
Das Essen war lecker, die Leute waren locker. Alles gut. Feierabend. 21.30 Uhr zu Hause.

Was noch zu erwähnen wäre, ist die Tatsache, dass ich meinen Chef heute spontan gefragt habe, ob ich morgen nicht frei machen könne...zwecks Überstunden Abbau. "Wenn Ihr mit Allem gut durchkommt und Alles im Container liegt, spricht da nichts gegen."
Wie man nun weiß, waren wir fleißig und dem freien Freitag stand tatsächlich nichts mehr im Wege. So ging der Tag auch echt locker von der Hand, muss ich sagen.
Eine weitere schöne Sache, die durchaus erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass ich meine Probezeit im Betrieb heute erfolgreich absolviert habe!

Eine komplette Kommunikationsabstinenz blieb heute in der Tat nicht aus. Allerdings nicht von meiner Seite initiiert, sondern durch meinen Schlagzeuger. Er fragte über Telegram, (was übrigens der einzig wahre Messenger ist) wie es so geht und ob ich schon in die neue Tool Platte reingehört habe, die just veröffentlicht wurde. Auf mein Tom-le-Mot-Navigationssystem ist Verlass! WA, FB und Instagram habe ich weiterhin ignoriert und an diesem Abend nur noch die Serie "The People vs O.J. Simpson" weitergeschaut. Nochmal so drei ein halb Folgen, dann bin ich pennen gegangen.


Tag 3, Freitag:

Ein neuer Tag. Ein freier Tag. Ausschlafen wäre in jedem Fall ein Traum gewesen. Aber Pustekuchen. Seit dem mein Nachbar irgendwie 'nen Spleen hat und regelmäßig um halb neun auf voller Lautstärke seinen Fernseher anmacht, sind die Schlafphasen auch ohne Wecker meist abrupt vorbei. Das geht mir im Moment echt auf den Sack. Ich mein, ne?!...da machst'e nichts. Lautstärkebestimmungen über Tag sind ja recht locker. Das ist ja auch okay...aber muss man immer das ganze Haus mit seinem Scheiß beschallen? Ich neige dazu, solche Menschen aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit zu verachten. Was mache ich dann? Kopfhörer aufsetzen und Musik hören, genau.

Ich schaue selbst Filme und Serien immer über Kopfhörer, weil ich meiner Umwelt nicht auf die Nerven gehen will...aber nun gut. Die Ansprüche von Leuten sind in der Regel nicht die Meinen.
Wie auch immer. Zeitig wach, trotz freiem Tag. Kaffee, Kippe, ein Brot.

Über die WA Benachrichtigungen (sprich bei den Pop Ups, die im Display erscheinen) habe ich gesehen, dass die liebe Dani heute Geburtstag hat. Ich habe ihr dann im Laufe des Tages ebenfalls gratuliert. Tatsächlich auch über WA, aber auch nur das Nötigste. Auf die zig anderen Nachrichten (von Mittwoch bis heute) bin ich weiterhin nicht eingeganen.

Im Laufe des Vormittages habe ich mal bei meinen Eltern angerufen und mich erkundigt, wie die Lage ist und ein bisschen mit meiner Mutter gequatscht. "Ein bisschen" ist meistens untertrieben. Grundsätzlich bin ich ja ein sehr kommunikativer Mensch und bei Telefonaten komme ich selten unter einer Stunde weg. Das höchste der Gefühlen waren einmal acht Stunden. Aber auch in jüngerer Vergangenheit waren Telefonate von zwei bis vier Stunden durchaus üblich. Warum auch nicht, ne?! Wer kann, der kann. Und jedes Mal stelle ich fest, dass ein Telefonat soviel mehr ist, als Text- oder Sprachnachrichten. Ich schätze Kommunikation, die eins zu eins passiert, wirklich sehr.
Alles Andere hat zwar auch seine Vorzüge, aber es geht nichts über den direkten Austausch. Und es waren zuletzt wieder sehr inspirierende und gute Gespräche gewesen.

Über das Telefonat teilte ich meiner Mutter dann ebenfalls mit, dass ich die Probearbeitszeit erfolgreich bestanden habe. Sie hat sich gefreut und bat mich, dass ich das ja auch in unserer Familien-WA-Gruppe mitteilen könnte, da sich meine Schwester und mein Bruder ebenfalls über diese positive Nachricht freuen würden. Das war dann die zweit WA-Ausnahme. Auch wenn ich dort wiederum eher kurz angebunden gewesen bin.

Meiner Mutter, sowie meinem Schlagwerker habe ich von der Abstinenz erzählt. Die beiden sind aktuell aber auch die Einzigen, die es wissen. Und bisher kam noch keine weitere direkte Kommunikation von anderen Stellen. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich 'ne Masse an Kontaktpersonen habe, dennoch merke ich heute, dass es mir fehlt. Mir fehlt der oberflächliche Spaß bei FB. Mir fehlt das Rumalbern im öffentlichen Raum. Mir fehlt das Tragen von Sarkasmus.
Was aber wirklich fehlt, ist der Austausch mit den Menschen, die ich kennen und schätzen gelernt habe. Ich bin heute kurz davor gewesen, wieder selbst die Initiative zu ergreifen und Kontakt zu machen. Aber: nein...wenigstens den Freitag noch.

Der Tag schlendert dann so seinen Weg entlang. Ein bisschen Fahrradfahren, ein bisschen mehr Musik auf die Ohren, Essen, Faulenzen und heute Abend lecker Fußball hören. Zwischendurch habe ich auch an dieser Idee zum "Tage-Buch" gearbeitet und ein wenig geschrieben.

...ja...Fußball...es war leider ein ernüchterndes und frustrierendes Spiel. Wir haben zu Hause verloren. Traurig, traurig. Aber es ist ja erst der dritte Spieltag, demnach: easy peasy...dennoch wie immer ärgerlich, wenn die eigene Mannschaft verliert.

Mit dem Gedanken an die Arbeit, der ich morgen einen Besuch abstatten muss, habe ich mir dann die letzten ein einhalb Folge der Serie gegeben und den Prozess um O.J. zu Ende geschaut. Eine Serie, die durchaus interessant ist, muss ich sagen. Sie plätschert zwar relativ gemächlich vor sich hin und bietet natürlich nur einen überschaubaren Spannungsbogen, trotzdem fand ich's super umgesetzt und gut dargestellt.

Der Wecker würde um 7 Uhr klingeln. Arbeitsbeginn am Samstag: 08:45 Uhr. Mit weiteren Gedanken an die Leute, die ich seit Mittwoch kommunikativ verschmähe bin ich irgendwann ins Bett gegangen und konnte, wie zu letzt eigentlich immer, recht gut einschlafen. Träumen tue ich im Moment eher nicht. Oder ich mache es, aber ich weiß es nicht mehr. Das war auch mal anders gewesen und ich bin eigentlich ganz froh darum, dass ich am nächsten Morgen nicht weiß, was mein Kopf in der Nacht alles bearbeitet hat. Ich liebe Schlaf. Schlaf ist so friedlich und ruhig. Schlaf ist die einzige Situation, in der ich komplett abschalten kann. Das ist enorm viel Wert.

Klar, es gibt potentiell noch andere Dinge, bei denen man die Zeit und die Gedanken anhalten kann. Aber das ist im Moment Mangelware. Weder regelmäßiges Musizieren und Krachmachen mit der Band, noch guter Sex, sind derweil greifbar. Mein Freizeitausgleich ist im Moment eher auf Kleinigkeiten beschränkt und es nervt etwas, dass die schönen Dinge so sehr stagnieren. Aber was soll man machen? Wie immer, wenn andere Leute von Nöten sind, wird es wieder kompliziert oder organisatorisch schwierig. Stagnation ist der Teufel.


Tag 4, Samstag:

Wie nicht anders zu erwarten, klingelte der Wecker heute pünktlich um viertel vor sieben...und dann nochmal um punkt sieben. Aufstehen. Kaffee, Kippe, Dusche, kein Social Media, n Brot, los zu Arbeit. Heute war es aber ein überschaubarer und im Verhältnis zu sonst, kleiner Dienst. Die Öffnung der Räumlichkeiten, das Warten auf die Kursteilnehmer und eine Einweisung standen an. Der Kurs war pünktlichst um kurz vor neun zugegen, ich konnte meine Arbeit machen und hatte dann den Vormittag erstmal zur freien Verfügung. Allerdings immer mit dem Bewusstsein, heute Nachmittag wieder vor Ort zu sein, um die Schließung und etwaige Aufräumarbeiten vorzunehmen.

Auch heute denke ich über die Abstinenz nach und hoffe wirklich, dass das Nichtssagen in Bezug auf das Abwesendsein mir nicht übel genommen wird. Aber das ist ja Quatsch. Sollte sich jemand dafür interessieren, warum ich merklich wegbleibe, wird und soll nachgefragt werden! Ich bleibe gespannt, wie lange ich das noch aufrecht halten kann. Zum Einen ist es weiterhin ganz schön, das Telefon nicht ständig in den Fingern zu haben, zum Anderen bleibt dennoch eine gewisse gedanklich-emotionale Abhängigkeit, die ganz klare Zeichen sendet, die eigentlich nicht gut sind.

Ich habe den Vormittag mit zwei Einkäufen, einem zweiten ausgiebigeren Frühstück und einer Doku über Rocco Siffredi verbracht. Bestes Vormittagsprogramm inklusive noch mehr Kaffee, Kippen und dem Einblick in das letzte Jahr dieses Pornodarstellers. Gar nicht verkehrt, diese Doku, muss ich sagen. Interessant war es in jedem Fall. Aber auch wieder eine wunderbare Bestätigung, selbst soweit reflektiert zu sein, Porno vom Realen unterscheiden zu können. Was für kaputte Geister und Gemüter viele der Darstellerinnen und Darsteller sind, ist nicht von der Hand zu weisen und die Einblicke von hinter der Kamera waren schon sehr eindeutig. Pornos zu drehen, ist halt echt intensiv und vor allen Dingen ist es harte Arbeit. Ich würde ja jedem Millenial wünschen, sie wüssten, wie es in Wirklichkeit zugeht. Aber die Porno-Beeinflussung seit der Zeit des Internetz ist enorm und voll in den Köpfen Vieler eingebrannt. Brave new world, again!

Heute Nachmittag ging es dann nochmal zu Arbeit, um die Dinge zu tun, dich ich tun musste und dann bin ich offiziell ins Wochenende gestartet.
Bisher gab es keinerlei weitere Kommunikation auf anderen Kanälen und ich bin noch immer eisern, was das offensichtliche Ignorieren der Social-Media-Plattformen angeht.
Die Gedanken dazu und darüber bleiben aber hartnäckig. Die Gedanken an die Menschen, die Gedanken an Ablenkung und Spaß. Ja, auch mit Social-Media kann man die Zeit vergessen. Ich habe Hunger, werde nun mal etwas Essen und hier später weiterschreiben. Hier und da erwische ich mich heute aber vermehrt, dass ich aufs Telefon schaue, um herauszufinden, ob nicht doch irgendjemand schreibt oder eine Benachrichtigung auftaucht.

Im Inneren hoffe ich darauf, dass jemand auf mich zukommt. Aber Hoffnung und ich sind seit Neuestem eh geschiedene Leute. Ich habe sie durch Zuversicht ersetzt. Demnach ist Hoffnung, dass sich jemand meldet, völlig fehl am Platze. Viel mehr sollte ich zuversichtlich sein, dass es eine gute Erfahrung ist. Ich sollte zuversichtlich sein, dass nach Wiederaufnahme der Kommunikationen alles beim Alten ist. Ich bin auf jeden Fall sehr auf die Erkenntnisse dieser Phase gespannt.


Tag 5, Sonntag:

Während des gestrigen Abendessens konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, wieder eine neue Serie anzufangen. Ntflx ist ja sooo super. Dieses Mal: "WU Assassins"...heute, ein paar Stunden nach gestern, bin ich bei der Serie schon zu Folge fünf fortgeschritten. Ja...was soll ich sagen?! Das ist 'ne Serie, die ich in meiner subjektiven Bewertung wiedermal mit einer soliden 5.5-6/10 bewerten werde. Es ist ganz okay, aber nicht der Wahnsinn und irgendwie ist auch diese Thematik schon hunderte Male da gewesen und haut mich nicht so richtig vom Hocker. Aber hey, Martial Arts mit Iko Uwais und einer höchst attraktiven Katheryn Winnick. Es gibt Schlimmeres...dennoch bleibt's bei einer überschaubaren Serien-Sache.

Wie auch immer! Heute ist Tag fünf, heute ist Sonntag und tatswahrhaftig ist gestern noch ein Teil-Ausbruch aus der Abstinenz passiert. Zuversichtlicher Weise durch eine externe Quelle. FB habe ich bisher zwar immer noch nicht geöffnet, dafür wieder lustige und erfrischende Kommunikation über WA gemacht! Das war gut und es wurde Zeit. Ich denke nämlich, auch wenn die externe Kommunikation gestern nicht passiert wäre, hätte ich mich heute so oder so wieder ins digitale Haifischbecken geworfen und wäre ein paar Runden geschwommen. Umso besser aber, wenn die Kontaktbarkeit doch schon vorher passiert ist.

Haie sind echt abgefahrene Tiere, finde ich und wenn man weiß, wie sie reagieren und welchen Instinkten sie folgen, kann man auch relativ gechillt mit ihnen in einem Becken schwimmen, ohne Gefahr zu laufen, direkt verputzt zu werden...außer in der Regel...das sollte man so ein Becken eventuell vermeiden...die wittern ja Blut und so... Aber wie gesagt, wenn man das weiß, dann weiß man das ja und dann kann man Präventiv-Maßnahmen ergreifen. Pflaster zum Beispiel. Oder einen Mantel aus mentalem Eisen oder Eis...das schützt nicht nur in der Regel..

...kein Frage: den Bogen von Haien über Becken und Blut zum Resümee zu spannen wird vielleicht etwas schwierig...ist aber im Endeffekt auch Wumpe, weil es ja eh weitergeht und sich nichts verändert hat. Natürlich hat sich nichts verändert. Es waren ja auch nur fünf Tage der Abstinenz.
Haie bleiben Haie. Die Meute bleibt die Meute und die Leute, die bleiben, die bleiben.

Alles in Allem habe ich nun rückblickend eine Erkenntnis: ja, es ist okay und machbar, sich dem digitalen Wahnsinn zu entsagen. Ich stelle aber auch fest, dass spontan ein Zeit- und Spaßfaktor entfällt. Man ist auf jeden Fall ganz schön geimpft und die üblichen Gewohnheiten im Umgang mit sozialen Medien machen die heutige Kommunikation einfach zu einem Großteil aus.
Ich habe gemerkt, dass es Dinge gibt, die ich nicht vermisst habe...Leute, die einfach nur aus Oberfläche bestehen, zum Beispiel. Wiederum habe mir gewisse, besondere, Kontakte echt gefehlt.
Aufgrund der Tatsache, dass mich diese künstliche Abstinenz tatsächlich etwas frustriert hat, zeigt mir nur, dass persönliche Isolation definitiv nicht gut für mich ist.
Da ich auf dem Gebiet ja schon reichlich ungewollte Erfahrungen vorbringen kann, war es umso wichtiger, zu bemerken, dass das niemals der Weg für mich sein sollte. (Mir kommt beim Schreiben dieses Satzes ein spontanes De-ja-vu in den Sinn. Das ist sehr gut!)

Ab heute gilt es also nun wieder: ran an den Byte-Speck und zurück in den Wilden Westen! Ich denke aber, dass ich meine alte Rolle weiterspielen werden. Die Abstinenz hat meine Identität zum Glück nicht verändert und ich werde die wichtigen Leute wieder davon überzeugen können, mir zu zuhören und darüber Aufmerksamkeit für den Inhalt zu erhalten. Das ist super, das ist gut. Mit Euch kann man arbeiten, liebe Leute!

Lets fetz, sagte das Schnitzel und sprang ins Haifischbecken!!!



Sonntag, 14. Oktober 2018

PODCAST: DIADN #8 - Miriam, Ka-Li

Ein letztes Mal für Staffel 2 heißt es nun: Das Interview aus der Nachbarschaft! In Folge 8 von #DIADN hatte ich niemanden zu Besuch, denn wir trafen uns auf halber Strecke. Einmal Krefeld, Cafe. Ich habe Miriam aus Kamp-Lintfort getroffen und wie immer gab es Fragen über Fragen, Eindrücke und weitere gute Sachen. Es war plauschig, etwas lauter als sonst aber wie immer sehr angenehm. Vielen Dank und erfreutes Hören.

➧ DIADN #8 - Miriam, Ka-Li

music by Tom le Mot
(das Gespräch wurde am 15.09.18 aufgezeichnet)


Die Interviews verabschieden sich nun wieder fürs Erste. Staffel 2 ist komplett und online. Hört auch die anderen Menschen, falls das noch nicht geschehen ist. Vielen, vielen Dank an alle Beteiligten! Muchas gracias!! Staffel 3 wird kommen, keine Frage, stay tuned!

Sonntag, 9. September 2018

Ein Schwenk aus dem Leben

Dass ich das mal schreiben würde - ein Schwenk aus dem Leben - verrückt. Aber hey, Sachen passieren ja glücklicherweise.

Freitag auf Samstag Nacht, halb vier. Ich bin dann mal wieder raus zur Arbeit. Mittlerweile immer mit dem Gedanken, ob der Typ der das Material da ablegt, dieses Mal wohl pünktlich ist. In letzter Zeit, besonders Samstags, kam es häufig zu Verspätungen. Dann steht man da an dem Ablagepunkt herum. Und das unter Umständen bis zu ner dreiviertel Stunden. Das war bisher die längste Wartezeit...obwohl, einmal wars fast ne Stunde...wie auch immer: super lästig. Besonders dann, wenn man keine zeitliche Idee davon hat, wie lange die Verspätung und die damit verbundene Verzögerung im Betriebsablauf sein wird. Ich habe ja Geduld, aber das ist dann, wie auf die DB zu warten...verschwendete Lebenszeit.

Ich gehe an dem Ort des Geschehens dann meistens auf und ab. Gehe sehr gemächlichen Schrittes eine ungefähr drei mal sieben Meter große Fläche ab. Immer wieder von der einen Hausseite nach vorne und zurück. An der Vorderseite ist die Straße, die Kreuzung, an der der Typ mit dem Lieferwagen immer erscheint. Deshalb stehe ich dann auf halbem Wege immer an der Straße und werfe hoffnungsvolle Blicke nach links, in Erwartung, die Karre böge als bald um die Ecke. Irgendwann erscheint ja dann jemand...aber bis dahin, naja, ich muss mir was ausdenken, am besten etwas Produktives, was ich in der Zeit von ungefähr fünfundvierzig Minuten machen kann. Das wäre gut.

Am Samstag Morgen war es mal wieder soweit, Verspätung, Zeitüberbrückung, Schritte, Kippen. Aber: Menschen. Also ein Mensch. Bürgersteig, Vorderseite, aus der linken Richtung. Nun gut, auf der Straße, ungefähr einhundert Meter von der Ecke der Kreuzung entfernt, da ist halt auch ne Kneipe. Und an einem Samstag morgen, retrospektiv Freitagabend, kann es gut sein, dass betrunkene Menschen aus der Kneipe auf der Straße laufen und irgendwo hinwollen...oft nach Hause. Ganz ehrlich: wenn ich um diese Uhrzeit sichtlich betrunkene Menschen auf mich zu kommen sehen, habe ich immer ein leicht merkwürdiges Gefühl. Wer weiß, was das für Leute sind. Allerdings, so die Erfahrung, sind einzelne Betrunkene eher harmlos. Gruppen von drei bis vier betrunkenen Halbstarken, die eine leicht asoziale Herkunft zu haben scheinen, sind da schon ne andere Nummer. Ich will ja nie etwas beschwören, allerdings bin ich da echt vorsichtig geworden. Die Welt halt, man kennt sie.

However, der einzelne betrunkene Mensch kam dann so langsam in meine Richtung. Er hielt auf halber Strecke zweimal inne, hustete, spuckte auf den Boden und torkelte dann weiter. Immer mit einer Hand, der Rechten, leicht erhoben an den Häuserfronten entlang. Na, herzlichen Glückwunsch. Mittlerweile war es so vier Uhr morgens. Ich hab mein Telefon, was ich da gerade in den Fingern hatte, erstmal verstaut und guckte mir weiter das torkelnde Etwas. Welche Elend, dachte ich mir. Es kam dann näher, bog um die Ecke, stracks auf mich zu. Hart am nuscheln aber immerhin bemüht ein freundliches tschööön nbend heraus zu bringen, brachte er dann ein tschööön nbend heraus und fragte mich, ob ich mal Feuer hätte. Jo, sagte ich. Und zweifelte daran, dass er die Zigarette, die er gerade im Begriff war zu drehen, wirklich was werden würde. Alles in Allem machte er mir den Anschein, in meinem Alter zu sein, sehr betrunken, aber harmlos. Er lehnte dann da so an der Hauswand, drehte bestimmt drei Minuten an der Fluppe rum, bevor ich ihm dann das Feuerzeug aushändigte.

Er war einer der Betrunkenen, die so leicht nach vorn über gebeugt dann da so mit dem Verfall und dem Prozess des Alkohols leicht kämpfen. Dennoch auf meinen Hinweis, ob er die Kippe wohl rauchen können, die er da gebastelt hatte, lachte er nur kurz und meinte, klar, kein Thema...ja das sah man. Selbstgedrehte mit Filter im Suff sind so ne Sache. Entweder völlig luftig oder so scheiße gedreht, dass der Filter bei der kleinsten Berührung mit den Leben wieder flöten geht. Ich fand das amüsierend und etwas traurig. Aber wir kamen dann ins Gespräch, was ich hier mache, als er mir das Feuerzeug zurück gab. Von sich aus. Sehr löblich.

"Arbeit, ne, ich warte hier schon ein bisschen..."

"Ja, wer will jetzt schon arbeiten?"

"Muss, oder? Aber ist eigentlich ganz angenehm, um die Uhrzeit. Und du? Kommst da vorne aus der Kneipe?"

"Jo...Bierstüü..."

Ein ekelhafter Husten überkam diesen Menschen. Rauchen, Alkohol, es war relativ frisch. Er so in Pulli und Jeans, machte wie gesagt einen echt normalen Eindruck. Und wahrscheinlich echt eloquent, wenn er nüchtern war.

"Ja, das Bierstübchen, was für ein Laden! Schon auch eher so die Kaschemme, oder?"

"Joo..."

Ich dachte mir nur, was macht ein relativ junger und normaler Mensch alleine in so einer Kneipe, an einem Freitagabend. Trifft man da wirklich Gleichgesinnte? Eigentlich ist das so ne Kneipe, wo die Mitfünfziger täglich abhängen und es eigentlich keinen anderen Gäste, als diese Stammgäste gibt. Man weiß es nicht so genau, warum, weshalb, wieso. War ja auch nicht mein Bier. Ich wollte nur, dass der Typ mit dem Lieferwagen umme Ecke biegt.

"Darf ich dich mal unverschämter Weise nach der politischen Einstellung fragen?" sagte er dann recht unvermittelt.

"Ja, sicher. Das System fickt uns alle."

"Jooo...ds Sysss"

"Genau, die Wirtschaftspolitik ist so sehr verzahnt mit den Mittelschiebern dieser Welt, dass es mir einfach nur auf den Sack geht, dem dennoch entsprechen zu müssen. Aber ich halte mich da sehr raus, aus der Politik. Das läuft eh so weiter, wie es die Wirtschaft will. Wir müssten einfach mal alle aufhören zu arbeiten. Dann würde dem System so Einiges durch die Lappen gehen. Aber der kleine Mensch, wahlweise die breite Masse ist überhaupt nicht bereit, zu verstehen, dass es anders sein könnte. Ich sags dir, die Kurzfristigkeit der Dinge...auch hier..."

"Jooo. Echt mal" bei diesem Satz wurde seine Stimme leicht lebendiger und definitiv lauter. Alkoholdynamik, wenn man emotional wird. "Die ganzen Pisser da oben...die drücken uns doch eh nur und wollen manipulieren."

"Vielen ist es aber echt egal, oder die setzen sich damit nicht weiter auseinander. Auch ein Problem unserer Generation. Wir sind nicht richtig am Anfang und nicht am Ende. So mitten drin. Etwas schwebend und wartend auf den großen Verfall."

"Jooo, das mal ne gute Einstellung, findsch korrekt."

Seine Zigarette hatte dann im Laufe der Unterhaltung in der Tat ihren Filter verloren...er war zwar bemüht immer mal wieder dran zu ziehen, aber das war doch sehr effektlos. Dann schleuderte er den übrigen Stummel unmotiviert auf den Boden und schien im Begriff zu sein, sich von der Hauswand zu lösen und sich auf zu machen.

Ich fragte noch, wo hin des Weges, er darauf: nach Odenkirchen. Ich so: na herzlichen Glückwunsch!! Er würde zu Fuß mindestens noch ne Stunde unterwegs sein, von da wo er jetzt war.

"Oha, dann wünsche ich mal eine gute Ankunft."

"Du bist korrekt, weißte?"

Er reichte mir zur Bestätigung seine Hand und torkelte wieder weiter.

Kurz drauf kam dann auch der Typ mit dem Lieferwagen um die Ecke.







Donnerstag, 6. September 2018

...made legday great again

Ein Tag sie zu knechten, so steht es geschrieben.
Ihre Beine zu binden, denn sie werden es lieben.
Schaut her, was ich da für Euch habe:
etwas Tolles, gar Bodenständiges, keine Frage.

Die Euphorie ist groß, die Bewunderung gewaltig.
Ein Bein für ein Bein, so wird es immer sein.
In regelmäßiger Notwendigkeit und dazu stetig,
ein Bein für ein Bein, für ein Bein ein Bein.

Voll stoischer Bewunderung und etwaiger Entgeisterung
bleibt das Volke dann am Bilde kleben,
denn es weiß, und das zu Recht, ein Bild von Beinen,
da kann es kaum was Schöneres geben?!

Scrollst du noch oder klickst du schon
den Button an, der sagen soll: Begeisterung?!
Oder wählst du doch die andere Option,
und bleibst bei einer Standard-Vorstellung!?

Große Ambitionen und ein wenig Profilieren,
der Sinn und Zweck des Tages ist ganz klar:
denn lange Beine gegen Langeweile, die sind rar,
mach bloß mit, sonst wirst auch du ihr erliegen.

Denn wenn die Langeweile einen dorthin treibt,
wo der Westen wild ist und man bleibt,
dann ist es schnell um uns geschehen.
Denn schöne Beine, die will man dann dort sehen.

Um auch die zu erwähnen, die nicht so lang geraten,
auch ihr, kurzen, dicken, krummen und geraden,
Stelzen, ihr seid genauso gefragt, wie die anderen,
lasst Euch nichts erzählen oder gar entmutigen.

Da, wo die wilden Beine wohnen,
ein Ort voll Bytes und Datenvolumen,
dort ist es schön, dort ist es toll,
Los, Beine, meistens seid ihr wundervoll.

Hast Du diese Aufgabe erst ein Mal gemeistert,
wird es Zeit für eine weitere Übung,
denn der Tag, der Tag des Beines, begeistert.
Gib dich dem Sog hin und schwelge schon bald in Erinnerung.

Sei froh um die Beine, die Dich tragen
denn sie bringen dich überall hin, ohne zu fragen.
Dann erfüllst auch du den Sinn, und kannst sagen:

I made legday great again!