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Mittwoch, 20. Februar 2019

Der ewige getretene Hund

Fiktive Dialoge aus dem Leben (FDADL): 


Er: "Yo, Bro! Was geht ab?!"

Ich: "Yo. Alles, was nicht fest ist?!"

Er: "Yo. Sehr lustig."

Ich: "Ja, so bin ich. Kennst' mich doch!
Was läuft bei dir? Wieder die zweite Pulle Bier am Start?"

Er: "Klar. Standard. Was soll ich machen. Feierabend...da häng' ich halt so mit meinem Kumpel Flasche rum. Läuft.
Harharhar.
Oh...bald brauch ich wieder nen neuen Kumpel. Kommste gleich mit, einen Neuen holen."

Ich: "Jo, klar, machen wir gleich, trink du mal erst zu Ende.
Aber ja, das sehe ich...Kumpel. Wie gehts dir sonst so? Was machen die Frauen?"

Er: "Ach, die können mich alle mal ficken...ach nee...die sollten mich mal alle ficken. Und wat is? Wieder nur Blabla, du bist da nicht der Typ für, F-, Friendzoneboy, blabla...drecks Fotzen...alle...!"

Ich so: "Okay!?"

Er so: "Huh?"

Ich: "Ja, dein Kumpel scheint Dich ja schon richtig in Stimmung gebracht zu haben!
Fahr' mal runter, die Leute gucken schon!!!"

Er schaut sich um: "Ach, alles blöde Fo..."

Ich so spontan: "Alter, es ist fast noch mitten am Tag, haste mal auf den Tacho geguckt?!
Aber yo, komm', wir gehen dir noch n Bier holen, ich trinke auch eins mit, denke ich."

17:13 Uhr. Draußen. In der Stadt. Öffentlicher Platz.
Wir eilten also flott zum nächsten Kiosk, um noch zwei Pilsetten zu erwerben. Gesagt, getan, zschhuuut, plöp. Prost. Wieder am Platz, an dem man Bier trank, angekommen, setzten wir uns erneut auf die Stufen und blickten in den Himmel, an dem die Sonne zunehmend unterging. Ein leichtes Orange berührte die Schleierwolken, die sich langsam aufzulösen schienen.

Ich: "Es ist mir übrigens schleierhaft, warum du die ganze Zeit nur am Jammern bist, dass alle, bevorzugt Frauen, so schlimm und doof sind. Was ist denn da los, sag mal!? Das war doch mal anders, du warst auch mal entspannter?! Wie alt warst du noch gleich?? Harharhar."

Er: "Wat? Alt genug auf jeden Fall. Wenn ICH die Fresse nicht aufmache, macht's doch eh keiner. Ich rege mich auf, so viel ich will. Und wenn die alle scheiße sind, da kann ich ja nichts für... "

Ich seufzte innerlich, nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und stellte fest, dass Seine schon wieder halb leer war. Es muss Magie sein, dachte ich mir. Wie kann man in so kurzer Zeit nur so schnell trinken?!

Er weiter: "...ich solle mich mal etwas ändern und an der eigenen Nase fassen, sagen die."

Ich so: "...an die eigene Nase..."

Er: "Was? Ach, halt die Fresse.
Warum soll ich mich ändern? Wenn die nicht auf mich und meine Personality klarkommen, ist das ja nicht meine Schuld, sollen die sich halt anpassen. Ich bin n geiler Typ. Das sagt mein Kumpel auch immer!"

Ich: "Dann scheint es aber so zu sein, dass du immer die datest, die die Falschen sind und ihre eigene "Personality" haben? Oder? Ich mein...du kannst ja nichts erzwingen. Meinst'e nicht, dass da was dran ist und du vielleicht etwas festgefahren bist, im Umgang mit Menschen und Mädels?!"

Er: "Ach, halt die Fresse. Sollen mich halt alle in Ruhe lassen. Bin eben Künstler. Ich hab mir mein Schicksal nicht ausgesucht...Ich kann gar nichts dafür, dass ich ein getretener Hund bin. Ich beiße halt, wenn man mir versucht auf den Sack zu gehen."

Hastig setzte er die Bierflasche an und saugte die letzten Reste des Gerstensaftes förmlich in sich hinein.

Er: "Ach, schon wieder leer. Guck, die Bitches machen mit mir, dass ich trinken muss."

Ich so: "Yo, das wird's sein...
Um nochmal kurz auf diese Wahrnehmung und die Wirkung auf Andere zurück zu kommen. Was erwartest du denn, wenn du dich scheinbar, wie ein unreflektiertes Arschloch, das völlig uneinsichtig ist, wenn es um Veränderung geht, verhälst?!"

Er: "Was soll ich schon erwarten? Enttäuschung wahrscheinlich..."

Ich: "Und warum?"

Er "Ja, weil die sich halt eh nicht anpassen und nicht auf mich klarkommen. Ach, alles scheiße. Ich geh gleich nach Hause und saufe da weiter, dann muss ich mich hier auch nicht vor dir beklagen und gehe niemandem auf den Sack.

Ich: "Du trinkst doch nie zu Hause? Wann hab ich dich mal zu Hause gesehen? Du schläfst da nur oder?"

Er schielte in die leere Flasche, wie man eben in eine leere Flasche hineinlinst, wenn man schon etwas mehr getrunken hatte, aber dennoch gerne nachsehen wollte, ob sich nicht vielleicht doch noch ein kleiner Rest irgendwo in dieser durchsichtigen Flasche versteckt hielt...und bekam meine Frage gar nicht mit, sonst hätte er bestimmt wieder damit gedoht, mir die Freundschaft zu kündigen.

Ich: "Da beschwer dich nicht und nimm es einfach hin, wie jeder andere auch. Du weißt doch, Mimimimi-Mittwoch ist nur Mittwochs!!!"

Er: "Aber was soll ich denn mit so Leuten?! Wenn doch alle scheiße sind..."

Ich: "Du hast eben was von einem getretenen Hund gesagt...meinste nicht, dass man immer das ist, was man ausstrahlt?!"

Er: "Ausstrahlung hab ich. Guck hier durch die leere Flasche in die Sonne. Strahlt mächtig grün. Politik ne...auch so ein Thema..."

Ich: "Ja...Politik ist mir ziemlich egal, da musste mir jetzt nicht mit anfangen! Wenn du nur halb so viel Jammern würdest, wie du trinkst, wäre das schon ein guter Anfang. Ich bin, um ehrlich zu dir zu sein, einfach genervt von deiner ständigen, negativen, "Die Welt ist so schlimm, ich bin ein Opfer"-Haltung. Und trink mal weniger. Niemand findet es geil, wenne zum Date schon mit so ner Fahne aufläufst..."

Er: "Eh..."

Ich: "Jetzt hälst du mal die Fresse. Wenn du weniger im Selbstmitleid baden würdest, würdest du auch andere Menschen anziehen, als die, die du bisher erreichst. Klar, du musst irgendwie ein Image aufrecht erhalten, der ewig getretene Hund. Irgendwie süß, räudig aber auch zu bemitleiden. Darüber hinaus, völlig traumatisiert und nicht fähig, einen normalen Umgang zu zulassen. Bediene dieses Bild ruhig weiter, aber bitte, hör auf, immer alle für deine Unzufriedenheit zu belangen. Ich reiche dir hiermit einen metaphorischen Spiegel."

Er: "Ich muss mich nicht im Spiegel ansehen, um zu wissen, dass ich geil bin. Den kannste behalten.
Ich hole mir jetzt noch ein Bier für den Heimweg in der Bahn und eines für danach und dann mach ich mich vom Acker, du Fucker."

Ich: "Yo. Mach das mal, Schneewittchen. Hau rein. Wir schreiben."

Er: "Jaa, jaa."

In der Ferne bellte leise ein Hund.





Samstag, 2. Februar 2019

Das ewige Mädchen

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich Blumen und Blüten. Dann rieche ich Lavendel. Ich sehe sie in der Gegenwart aber auch in einer alten Zeit. Ich sehe sie in etwas Vergangenem, was zugleich präsent erscheint. Die Aura, in der sich meine Gedanken an sie bewegen, ist erfüllt mit zeitlosem Dasein schwingender Harmonie. Es war jeher ein sehr einvernehmliches Miteinander, obgleich sich unsere direkten Wege eher selten kreuzten. Ich schätze ihren Sinn für das Gesamte und die unsichtbare Akzeptanz, die sie aufbringen kann.

Wenn ich an sie denke, denke ich an Übereinstimmung. Ich denke an tiefes Verständnis und Demut. Ich erinnere mich gut, wie sie etwaige Konversationen mit ihrer fröhlich-frechen Art und Weise ein ums andere Mal erheiterte. Ihre Augen funkelten unentwegt, als sie von den Abenteuern des Lebens und dem Enthusiasmus erzählte, der nötig war um dem Leben auf der Nase tanzen zu können. Sie liebt es, zu tanzen und sie liebt die Musik. Sie liebt das Leben und sprüht förmlich vor Optimismus. Sie ist ansteckend. Euphorisch. Inspirierend. Voll des Lebens.

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich aber auch, wie verletzlich sie sein kann. Ich muss an die intensiven und schweren Unterhaltungen denken. An die Momente totaler Offenheit und Ehrlichkeit. Die Momente des Zweifels und der Ohnmacht. Ihre Augen funkelten bei diesen Gesprächen nicht. Sie blickte oft minutenlang in eine Richtung und ließ ihre Gedanken dabei schweifen. Sie ließ die Gedanken über sich kommen. Sie starrte dabei ins Leere. Aber in ihr, das konnte ich sehen, arbeitete ihr wahres Ich auf Hochtouren. Alsbald würde sie sich des leeren Blickes mit einem raschen Schütteln des Kopfes entledigen und der Funke würde wieder in ihren Augen zu sehen sein. So war es immer gewesen, so wird es immer sein.

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich ein Lächeln. Ich sehe die Sonne. Ich freue mich darüber, ein Stückchen der Ewigkeit mit ihr teilen zu können. Ich schätze ihre Zeitlosigkeit und ihre leichtsinnig lockere Sicht der Dinge. Ich schätze es, dass wir so verschieden sind und dennoch so viel gemeinsam haben. Sie erinnert mich an jemanden, der ich immer sein wollte. An jemanden, der immer der inneren Stimme folgt. Sie erinnert mich an den Sinn der Leichtigkeit und das Bestreben, für immer eine unbeschwerte Seele haben zu wollen.

Die Ewigkeit schützt vor Schwere nicht, das wissen wir beide. Ganz im Gegenteil, die Erfahrungen der endlosen Situation sind mannigfaltig und unter Umständen ausschweifend. Wenn ich an sie denke, habe ich manchmal Angst, dass sie sich der Mannigfaltigkeit zu sehr hingibt und irgendwann nicht mehr aus ihr heraustreten kann. Das darf niemals geschehen. Und das wird es nicht!

Sie ist und bleibt das ewige Mädchen, das ich einst kennenlernte. Sie wird immer die sein, die sich hoffnungslos verliebt. Sie wird immer die sein, die ohne offensichtlichen Grund weint. Die, die auch mal zickig ist und Launen an den Tag legt. Sie wird aber auch immer die sein, auf die du dich verlassen kannst. Die mit dem guten Herzen...dem zu großen Herzen. Sie wird immer die sein, die tanzt und feiert, als gäbe es keinen Morgen. Die, die ohne Musik nicht leben kann. Sie wird immer das Mädchen sein, was Poster im Zimmer hängen hat und Idole, die es anhimmeln kann. Sie ist die, die nicht davon ausgeht, dass die Welt ungerecht und grausam ist. Sie ist die, die einfach lebt, mit allen Höhen und Tiefen. Sie ist das Mädchen, das sie immer sein wollte. Für jetzt und immer und darüber hinaus.

Dienstag, 20. November 2018

Nur Du

Menschen:
Alle sind sich ähnlich.
Viele sind gewöhnlich.
Wenige sind gleich.
Und ein Paar...sind meist zwei.

Nur Du,
Du bist einzigartig,
ganz speziell und eigen-artig.
Wunderbar verrückt.
Ich bin von Dir entzückt.



Donnerstag, 15. November 2018

VI: Weber, oh Weber

Des letzten Endes Konsequenz, erwartet man nun die Beendigungs-Sequenz.


Bei seinem Sprung vom Stuhle sah der Weber jetzt,
wie in einem Schwung sein ganzes Leben und zu letzt
die stille Dunkelheit der Leere ihm erschien.
Sein Leben war vorüber, kein Grund mehr für ihn, zu flieh'n.

Als er sank in die Unendlichkeit,
macht sich ein Lichtschein breit.
Fern und scheinbar doch so nah.
Es war akut ganz sonderbar.

Schwebend in der schwarzen Masse,
sah der Weber entfernend eine Silhuette.
Er versuchte sie zu greifen, fand aber nur blasse,
fahle Nichtigkeit und suchte nach Mittel
und Weg, zu ergründen diese Wahrnehmung.
Obgleich ihm war, als wäre es seine eigene Darstellung.

Der Weber auf der anderen Seite dieser Sphäre
glaubte nicht, was er dort sah als er in sich ging.
All die Zweifel und die Ängste, traurige und leere,
erschufen ihm ein Abbild nun, das am seid'nen Faden hing.
Er hörte ein entferntes Rufen.
Eine Stimme, einen Rat, ein Fluchen.

Weber, oh Weber, machs doch besser als ich.
Lass die Fäden, lass die Garne, lass die Messer, für sich,
einfach weiter arbeiten, und glaube Dir,
dass es nicht nötig wäre, nun schier
egoistisch zu werden und im Ganzen etwas zu empfinden,
das dich zweifeln lässt. Fang wieder an. Fang an zu binden.
Ein Weber hörte dies.
Ein Weber sagte dies.
Aus einer offensichtlich zwischenzeitlichen Ebene heraus,
gelang einem Weber einst Kontakt zu knüpfen und hinaus
zu tragen seine Taten, die nicht rühmlich waren und zu sagen,
dass es doch nicht die erstrebenswerteste Variante war, plagen
ihn doch nun Gewissensbisse, Reue und Scham.
Weber, oh Weber, schau und tu dir das nicht an!

Wie es die Dame des Garnes ihm prophezeite,
ging der Weber in sich und verweilte
mit der neuen Eingebung im Geiste
immernoch an diesem Ort und preiste
eine höhre Macht dafür, was er nicht im Stande war zu sehen,
ihm im Endeffekt nur half, zu fühlen...es zu verstehen.


Ein anderes Leben bindet seine wollend Bahne,
an die Knöpfe eines Webers und seiner Dame.
Mag es wohl zurückgelegen
oder doch von vorn entspringend?
In jedem Fall, diese Eingebung, den Geiste bindend
durch Raum und Zeit gewoben,
nun der Retter für die schwache Seele ist, die windend
aus dem Körper wurd' enthoben.

Ein weiteres Mal am Boden, das wollte der Weber nicht
und so packte er sich den ganzen Mut der Zeiten,
stieg empor und sagte der Dame des Garnes ins Gesicht:
Dame des Garnes, ich danke Dir! Deinem Leiten
zum Dank und der Erscheinung ganz ähnlich,
sehe ich die Dinge nun klar und so wähl' ich
das Leben und das Band erneut,
webe starke Garne und bin erfreut,
die Stimme aus einer anderen Zeit gesehen zu haben.
Ich bin dankbar, leichter, anders und muss sagen,
was ich sah war schauderlich und zugleich ganz annehmlich.
Weber, oh Weber, ich dank dir und wünsche mir recht inständig,
dass du Ruhe findest
und nun bindest
das wohl letzte Band.
Nimm den Faden erneut in die Hand.
Hab keine Angst und sieh nach vorn.
Nimm die Dame und das letzte Korn.

Zieht in neue Lande, immer wissend,
bindend Band verwebend gern,
ihr vielleicht auch mal die Segel hissend
über Ozeane müsstet, ob der Länder Fern'.
Trotzdem frohen Mutes stetig,
mit Verlass aufs Handwerk lebt's sich
immer ganz passable und seid ehrlich,
Ihr habt Euch, das Garn und bildlich
auch das Bande schon die ganze Zeit
Also auf, auf und macht Euch bereit,
die Garne dieser Welt zu weben,
Liebt Euch, lebt Euch und das Leben.


So bindet sich das Garn als bald
und webt und tut und gibt Gestalt
der ganz natürlichen Wahrnehmung
in Verbindung mit der Annehmung
zum Wohle des wollenden Webers, einst,
Bande schaffend, Geist vereint.
Bahn um Bahn mit Garn umgarnen,
zu verbinden, dass wir einst mal einsam waren.

V: Ein Fragment der Euphorie

Ein Fragment der Euphorie. Nimm es an, sonst wird es nie.


Nun sah der Weber auch selbst genauer hin,
auf einmal ergab es einen Sinn.
Was er in diesem Moment, als ihm Klarheit wiederfuhr,
aber auch vernahm, war eine andere Stimme, auf weiter Flur,
die ihm zurief: Weber, Weber, machs doch besser, als ich,
lass die Fäden, lass die Garne, lass die Messer, für sich,
einfach weiter arbeiten, und glaube Dir,
dass es nicht nötig wäre, nun schier
egoistisch zu werden und im Ganzen etwas zu empfinden,
das dich zweifeln lässt. Fang wieder an. Fang an zu binden.

Vertraut im Geiste aber auch der Prägung Schuld,
die der Weber spürte bei dieser sonderbaren,
intensiv geführten Konversation, waren
dieser Worte Grund, deutlich und sichtlich rund.
Wie ein Flüstern aus der Vergangenheit,
wie ein Hallen der Verbindbarkeit,
Sah der Weber nun genauer hin,
dankte des Garnes Dame,
und spürte den Sinn,
wie ein Hallen der Verbindbarkeit,
wie ein Flüstern aus der Vergangenheit.

Dies' Fragment, dies' Kleine, welches sich materialisierte,
gab dem Weber zurück, was sich manchmal zierte,
von alleine da zu sein. Es war diese Leichtigkeit,
diese Euphorie, das Sein, was Heiterkeit
und Glück erbrachte.
Er lachte.
Glaubte er nun an eine Einbildung?
Oder war es eine Eingebung?
Ein Ruf aus alter Verbundenheit,
komisch fremd und doch vertraut.

Dem Weber war dies nun ein Gedanke,
den er auch weiterhin zu denken wagte.
War es ein neuer Glaube? War es gar Magie?
Er nahm es an und webte wieder voller Euphorie.
Und auch des Garnes Dame, diese Feine,
sprach ihm zu und sagte, dass es seine,
und auch ihre, Sache wäre, sich zu binden,
um gemeinsame Garne und Bande zu erfinden.

Ein Fragment der Euphorie.
Nimm es an, sonst wird es nie.

Der Weber übte, arbeitete und mühte sich,
diese Worte der Erscheinung, ganz vorbildlich,
immerzu auch umzusetzten, dies Leben fortzuführen,
und gemeinschaftlich durch allen Türen,
die sich öffneten, zu treten, die Welt erleben.
Vorausschau, Obacht und Zusammengehen.
Alles ist möglich, so lange sie weben.
Eintracht, Harmonie und ein langes Leben.

Mit Dankbarkeit in höchstem Umfang,
Ehrfurcht zu Genüge, war es ein toller Anfang.
Wieder einmal und aufs Neue.
Der Weber zeigte dies' Mal aber keine Reue.
So webten sie wieder vor sich hin, waren glücklich
und gefunden. Verbunden ohne Wunden – endlich.

Und so fügte sich, was des Garnes Dame
einst schon zum Weber sagte.
Er glaubte ihr nun vollständig.
War dabei aber gewissentlich.

Auf dem Weg der Lebendigkeit,
gemeinsam bis in alle Ewigkeit,
webte sich ein Lebensband
und führte wieder Hand zu Hand.

Mittwoch, 14. November 2018

IV: Dunkler die Wolken kaum werden

Ein erster Streich ist niemals leicht. Besonders nicht, wenn der Faden einfach reißt.


Mit den neuen Fähigkeiten in den Fingern
ging der Weber dann zum Spinnen,
wollte seine Ware unters Volke bringen,
ohne dabei auch nur entfernt zu entsinnen,
welch fortunistische Begegnung dort,
ihn sollte holen an einen düster-dunklen Ort.
Erstmals aber frohen Mutes, webte er
und empfand was Gutes...so fühlte er.

Jung, Naiv und unerfahren.
Dennoch frei von Qualen,
ging er auf den Markte zu,
feilschte, webte und sah zu,
wie sich seiner Blick nah,
eine Maid befand und war
augenblicklich angetan, gar
euphorisiert, bekannt mit ihr zu werden,
mit diesem himmlisch' Geschöpf auf Erden.

Wurd sein Schicksals Weg nun doch perfekt?
Neue Familie, neues Handwerk, neues Glück?
Dem schien wohl so. Denn über alle Maßen,
war es der Dame gar recht, als sie sprachen.
Er bat um Ihre Hand, becircte Sie mit feinem Garn.
Sie war entzückt und er merkte schnell, den Narr'n,
den er an ihr gefressen hatte, zögerte nicht,
bat sie bei ihm zu sein und nahm sie in die Pflicht.

Sie lebte.
Er webte.

Und natürlich tat er das, was er am besten konnte.
Er webte und war verbunden mit Ihr und dem Orte.
Er sagte niemals nein, wenn sie etwas wollte,
glaubte ihr Alles...selbst skurrilste Worte.
Diese Bindung wollte er aufrecht erhalten,
um jeden Preis nicht wieder einsam werden.
So webte er weiter und sie lebte nun heiter
an ihm vorbei, nahm sein Tuch, sein Geld,
und verließ dann ruckartig seine kleine Welt,
ohne auch nur zurück zu blicken. Einfach weiter.

Düsternis umhüllte den Weber nun, als er bei sich war.
Düsternis ümhüllte den Weber nun, als er von sich nahm.
Schwere verdrängte jetzt die Leichtigkeit.
Schwere brachte ihn jetzt aus der Gleichsamkeit.
Einsamkeit und Unverständnis,
Hilflosigkeit und Missverständnis,
des Webers Geiste, malten nun ein Bild vor seine Augen,
welches er schon kannte und er suchte nun nach Glauben.
Aber fand nichts als Ratlosigkeit, überall und meilenweit.
Die Leere kam und dunkle Wolken machten sich breit.

Wie in seinem Kokon aus Erinnerungen,
schwelgte der Weber nun in dunklen Gassen,
seiner alten, traurigen Empfindungen.
Er fing an zu zweifeln und zu hassen.
Alles wofür er jemals war, was sollte es nun noch,
war doch klar, verlor nun Wert und kroch,
aus seiner Wahrnehmung, hinfort in die Unterwelt
dunkler die Wolken kaum werden, wenn man fällt.

Wenn es fehlt an eigener Beständigkeit,
an Mut und vitaler Lebendigkeit,
dann fällt der Weber nun zu Grunde,
löst die Garne und tritt zur Stunde.

Mit Hoffnung auf Erlösbarkeit,
macht der Weber sich jetzt bereit.
Tritt auf den Stuhl und sichert das Seil.

Traurig senkt sein Haupte sich
und er legt die Schlaufe sich,
um seinen Halse - kaum bitterlich.

Ein letzter Atem, gedankenlos.
Ein letzter Gedanke, atemlos.
Der Weber ließ nun gütig los.

Alles wofür er lebte, wofür er stetig webte,
war nun irrelevant. In seiner Hand das Band,
das er als erstes webte...als er noch lebte.


Dienstag, 13. November 2018

III: Ein Kokon aus Erinnerung

Ein Kokon aus Erinnerung. Eingepackt und undurchblicklich scheint die Wahrnehmung.


Wessen Wesen war der Weber einst gewesen?
Er fragte sich oft, woher er kam,
nahm nicht wirklich wahr, wusste nicht,
woher er stammte. War zu klein,
als dass ihm blühte, seine Herkunft oder Erinnerung
an die Tage seiner Entwachsung aus den Kinderschuh'n.
Ganz weit weg, unendlich vage,
verblasste die Silhuette seiner Lage.

Unbestimmt, nicht gewollt oder verwandt,
so fühlte sich der kleine Bub dann irgendwann.
Am Rande seines Daseins schwoll
flüchtig eine Erinnerung: Blass, fad
und ohne Kümmerung gar nich toll,
war sein junges Leben unnütz bald.
Ohne Bestimmungen, jetzt schon schwerlich,
ob der Wirrungen, war er doch so entbehrlich.

Er war dann weggelaufen und nahm reiß aus,
floh die Pfade lang und verlies sein Elternhaus.
Suchte Speis und Trank bei ander'n Leuten,
als bei denen, die ihn nicht wollten.
Er wusste nicht einmal, wie alt er war,
taugte zu fast nichts, außer, als er sah,
wie ein Weber, der einst im Stalle saß,
webte, was die Wolle gab.

Von dort an war der Kokon aufgerissen,
gebrochen und nicht mehr erforderlich.
Was er vernahm, war mehr als Wissen.
Die Erinnerung nun webte sich,
leicht und vorzüglich, ein ganz neues Kleid.
Fein bestickt und ohne Leid,
so fühlte er seine Gedanken nun,
Webertum, oh Webertum.

Ein neuer Weber ward geboren,
geschaffen aus einer spontanen Situation.
Obgleich seiner blassen Erinnerung,
war nun doch etwas aus ihm geworden.
Fleiß und Eifer seiner Tugend,
halfen ihm nun, zu erproben,
was nie da war, in der Jugend.
Nun dankte er dem Weber - lobend!

Endlich war er jemand und spürte Linderung
seiner Selbst und des Wesens,
welches der Weber nie zuvor gewesen.
Jetzt war er doch voll Tatendrang, mit Hang
zum Garn, die Wolle zu verweben,
auf dass sie hülfe, ihm zu leben.
Webertum, oh Webertum, so hilf mir
und zeige mir die Wege,
die zu gehen ich vermöge.

Ein Kokon aus Erinnerung.
Eingepackt und undurchblicklich scheint die Wahrnehmung.
Brich heraus und sieh die Welt mit ander'n Augen,
als mit denen, die nur nach hinten schauen.
Webe Dir dein eign'es Band,
lasse den Kokon hinter Dir.
Nimm das Handwerk in die Hand,
denn das wünsch' ich mir.

Sonntag, 11. November 2018

I: Dem Ganzen zum Wohle

Würden wir die Zukunft weiterhin erwägen, wenn wir vorher wüssten, was wird werden?


Höchstwahrscheinlich würde Wolle mehr gewoben werden,
wenn wir ambitioniertere Woll-Weber wären.
Wer weiß das schon, reimte der Gedanke,
wäre Wissen wahlweise die weise Variante,
zum Einsatz hinweg des Wissens Schranke,
mit der Wolle garnend, webend. Danke:
an die Ambition der Tüchtigkeit
und lobend gar der Zielstrebigkeit,
auf dem richt'gen Weg zu Anstrebung.
Auf dass die Weber finden Anbindung.

So lasst uns weben, was die Spindel gibt.
Weise wählend, welch' Garn verwendet wird.
In Anbetracht der Weber Zahl,
wäre des Einz'lnen Bürde keine Qual.
Wir sollten uns verwinden, alle allein,
zum ganzen Wohl und uns darin finden,
uns einfach retten in gewob'ner Tradition,
ganz klassisch, so will es doch der Lohn.
So bindet sich das Garn als bald
und webt und tut und gibt Gestalt
der ganz natürlichen Wahrnehmung
in Verbindung mit der Annehmung
zum Wohle des wollenden Webers, einst,
Bande schaffend, Geist vereint.
Bahn um Bahn mit Garn umgarnen,
zu verbinden, dass wir einst mal einsam waren.

Wer webet auch die sture Wolle,
mit Ambition und Tatendrang,
der scheint ein ganz edler Geselle,
voll mit Hang zum Allumfang.
Nun hat der ed'le Weber nicht gewoben,
um einer feinen Dame Gunst erlang',
sondern webte gar fürs Volke droben,
voll Ambition und Tatendrang.
Dankend auch der sturen Wolle,
wählend aus dem Rest der Leere,
in Anbetracht der Verarbeitung,
war dies aber keine Einschränkung.
Ganz im Gegenteil: der Weber erlangte
mit dieser vermeintlichen Resteware
feinsten Edelmut und Dankbarkeit,
zum Dank des Webers Handarbeit.

Nun sitzt der ed'le Weber dort,
wie gebunden an diesen Ort,
an dem so viele Bande er schon knüpfte.
Ganz zum Wohl der Anderen, rümpfte
er die Nas', beugte sich seinem Willen,
ging in sich und fragte, arg im Stillen,
vergaß ich mich nun selbst? Oh, Weber,
was bindest du nun zum Garne? Lieber
gebunden an die Dankbarkeit, obgleich
die Bande kratzen können? Gedankenreich
hoffte er auf Verbundenheit. Nein, sicherlich
vergaß er seiner Selbst. Rein innerlich.
Da das letzte Garn schon lang verwoben war,
wusste der Weber nicht, was jetzt geschah.

Er hatte schon lang an diesem Ort verweilt,
schaffte, machte und arbeitete hart.
Er gab so Vieles auf und diente weit.
Nun waren alle fort und er weinte...zart.
Zweifel, Angst und Beklemmungen.
Dämonen stiegen auf, ohne Hemmungen.
Des Verstandes Zustand war nun ernst.
Der Weber taumelte, schlug um sich, wild,
fiel gen Erde, ein weiteres Mal, wie blind,
heulte, flehte und sann nach Sinn.
Des Spindels feine Spitze nahm er in Betracht,
als wär's das Größte, nun aufzuhören,
um gar niemanden mehr zu stören.
Er schloss die Augen und entglitt der Nacht...

...beinahe! Aber, Aber, Weber, gib doch Acht!
Des Spindels feine Spitze soll nicht sein, dein letzter Akt.
So vieles dir doch wurd' geschenkt und vermacht,
Habe Hoffnung, Glaube, Zuversicht und verliere nicht den Takt.
Leise grünte es in seinem Ohr, schwer begreiflich, von wo es kam.
Benommen vernahm er nicht die volle Rede, aber war
merkwürdig bereit, hinzuhören und anzunehmen, was geschah.
Der Weber schüttelte sich und schauderte,
stemmte sich empor und es dauerte,
ein Weilchen bis des Schleiers dunkler Dunst
wieder in den Tiefen der Tiefen des Bodens versunk.
Weber, oh Weber! rief es aus der Ferne,
hab Dank! Du wartest bestimmt eine ganze Weile?!
Ich habe ein Garn für Dich und ein Garn für mich.
Wie wäre es, wenn du sie webtest!?
Bande schaffend, Geist vereint.
Bahn um Bahn mit Garn umgarnen,
zu verbinden, dass wir einst mal einsam waren.

Montag, 22. Oktober 2018

Wirre Wege binden sich

Und ist die Welt auch noch so wirr,
gib nicht auf und glaube mir,
dort draußen, ja, da ist jemand.
Er wartet nur und reicht Dir die Hand,
um zu zeigen Dir die Wege,
Wirre, Gerade oder Schräge.

Und ist die Welt auch noch so wirr,
gib nicht auf und glaube Dir,
dass du siehst die Wege,
Leichte, Gute oder Schräge.
Greife sicher nach der Hand
und finde so ein bindend Band.

Und ist der Weg auch noch so wirr,
gebt nicht auf und seid ein Wir.
Geht die Wege allesamt,
bindend dann, Hand in Hand,
um zu leben diese Wege,
Wundervolle, Tolle, Schöne.

Dienstag, 16. Oktober 2018

In dieser düsterschönen Utopie

Aufmerksamkeit, Kontakte und Entsprechungen. Darauf läuft es oft hinaus...ob, man den Ruhm und die Anerkennungen annimmt oder nicht. Einflüsse werden auf einen einprasseln. Im großen Stile, so wie im Kleinen. Sensibilität, Empfänglichkeit des Geistes, oder eher "negativ": mental weakness, sind dabei Faktoren, die für Viele nicht nachzuvollziehen sind. Wenn man sich dann zurückziehen muss, weil man nicht mehr in der Lage ist, zu entsprechen, dann ist das Schutz. Wenn man sich entzieht, diverser Pflichten, dann ist das eine Warnung, die es zu deuten gilt. Niemand sollte immer parat sein müssen. Wir sollten immer die freie Wahl haben, uns Selbst entsprechend zu reagieren.

Der feine Geist wird immer mehr komplizieren, als ein stumpfes Wesen.
Jeder der es kennt, weiß wie's ist. Jeder, der's nicht tut, sollte mal in sich lesen.

Sich fragen, wie es wäre, wenn man ganz am Boden ist.
Niemand, der nie am Boden war, kann sagen, wie es war,
nach oben blicken zu müssen, aus einer Sicht,
die nicht erstrebenswert, aber dennoch allumfassend, gar
nebelig und schleierhaft den Blick dann trübt,
und aus der Welt eine Andere webt.

Manchmal ist die Menge, die Fülle, eine so Große,
dass man bald nicht mehr weiß, wo vorn und hinten.
Und man fängt an zu zweifeln, sich zu winden,
sinniert dann, ob und überhaupt, zu werten ist, dies' Lose.

Man entzieht sich dann vielleicht komplett dem Ganzen
oder anders extrem: prescht noch mehr nach vorn',
um zu flüchten vor den wilden Grenzen,
die merklich immer mehr verdorr'n.

Wenn man hat ein gütig' Wesen, eine feine Art und Weise,
die stets positiv oder freundlich ist,
so ist es gegeben, dass man viel bekommt,
obwohl man eher leise, gar nicht weiß,
wie man umzugehen, den Weg dann sehen soll,
auf dieser langen, meist beschwerten Reise.

Ballast und Paketbarkeiten sind des Geistes Hindernis.
Die Möglichkeiten sind unendlich,
die Suche hingegen oft sehr mühsehlig(lich).
Das eig'ne Wohl, so soll es sein, die Wertigkeit an erster Stelle,
darf nie außer Acht gelassen werden,
auch wenn es leichter ist, nicht danach zu streben.

So grämen wir uns nicht und sehen optimistisch
auf das Befinden der eigenen Möglichkeit, wissend:
dass Aufmerksamkeit, Kontakte und Entsprechungen,
manchmal nicht mehr sind als soziale Verflechtungen,
die man auch mal stutzen darf - und sollte -,
wenn sie wuchern, was man so vielleicht nie wollte.

Lasst uns doch einander schenken, dass wir sind!
Und praktizieren einfach den eigentlichen Sinn.
Verständnis, Mitgefühl und Empathie.
Umsicht, Demut und Sympathie.
Menschsein, heut', ist leicht, wie nie!

...in dieser düsterschönen Utopie.

Donnerstag, 6. September 2018

...made legday great again

Ein Tag sie zu knechten, so steht es geschrieben.
Ihre Beine zu binden, denn sie werden es lieben.
Schaut her, was ich da für Euch habe:
etwas Tolles, gar Bodenständiges, keine Frage.

Die Euphorie ist groß, die Bewunderung gewaltig.
Ein Bein für ein Bein, so wird es immer sein.
In regelmäßiger Notwendigkeit und dazu stetig,
ein Bein für ein Bein, für ein Bein ein Bein.

Voll stoischer Bewunderung und etwaiger Entgeisterung
bleibt das Volke dann am Bilde kleben,
denn es weiß, und das zu Recht, ein Bild von Beinen,
da kann es kaum was Schöneres geben?!

Scrollst du noch oder klickst du schon
den Button an, der sagen soll: Begeisterung?!
Oder wählst du doch die andere Option,
und bleibst bei einer Standard-Vorstellung!?

Große Ambitionen und ein wenig Profilieren,
der Sinn und Zweck des Tages ist ganz klar:
denn lange Beine gegen Langeweile, die sind rar,
mach bloß mit, sonst wirst auch du ihr erliegen.

Denn wenn die Langeweile einen dorthin treibt,
wo der Westen wild ist und man bleibt,
dann ist es schnell um uns geschehen.
Denn schöne Beine, die will man dann dort sehen.

Um auch die zu erwähnen, die nicht so lang geraten,
auch ihr, kurzen, dicken, krummen und geraden,
Stelzen, ihr seid genauso gefragt, wie die anderen,
lasst Euch nichts erzählen oder gar entmutigen.

Da, wo die wilden Beine wohnen,
ein Ort voll Bytes und Datenvolumen,
dort ist es schön, dort ist es toll,
Los, Beine, meistens seid ihr wundervoll.

Hast Du diese Aufgabe erst ein Mal gemeistert,
wird es Zeit für eine weitere Übung,
denn der Tag, der Tag des Beines, begeistert.
Gib dich dem Sog hin und schwelge schon bald in Erinnerung.

Sei froh um die Beine, die Dich tragen
denn sie bringen dich überall hin, ohne zu fragen.
Dann erfüllst auch du den Sinn, und kannst sagen:

I made legday great again!