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Sonntag, 15. März 2020

Schreib-Challenge #1.2020 (Übersicht): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)

Schönen guten Tag!

Heute ist es wieder soweit. Ich darf mit Freude präsentieren: die Schreib-Aufgabe Nummer 1 im Jahr 2020 (#4 insgesamt), im Rahmen meines kleinen Blogs. Wie auch in den anderen Runden bisher geht es darum, dass wir mit mehreren Schreibern unabhängig voneinander ein Thema beschreiben, bearbeiten und zu digitalem Papier bringen. Das Thema wird jedes Mal von einer kleinen auserkorenen Runde separat von den Schreibern ausgewählt und dann geht's meist in einem Zeitrahmen von ungefähr vier Wochen an das Thema.

Die Ergebnisse zum heutigen Thema werden wie folgt nun hier lesbar sein. Und das Thema zu dieser Runde lautet:

Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)


Und hier die Links zu den einzelnen Beiträgen aller Schreiberinnen und Schreiber, die dieses Mal mitgemacht haben:

➽ David's Beitrag

➽ Eva's Beitrag

➽ Jan's Beitrag

➽ Joe's Beitrag

➽ Lena's Beitrag

➽ Sonja's Beitrag

Wie immer gilt großer Dank allen Beiteiligten für das emsige Mitwirken und Schreiben in dieser sehr heiteren Schreibrunde! David, Eva, Jan, Lena und Sonja, ich finde es großartig, was auch dieses Mal wieder bei der Schreibaugabe herumgkommen ist. Von Allem etwas, schön individuell und mit verschiedenen Herangehensweisen! Ich bin begeistert, sage danke und freue mich schon auf die nächste Runde und ein weiteres Thema, welches es dann zu beschreiben geben wird.

Viel Spaß mit allen Beiträgen und Eindrücken zum Thema "Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)!

Auf Bald

Grüße - Joe

Schreib-Challenge #1.2020 (Jan): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)

Die Wurzel der Affenhorde

Manche Freundeskreise bilden sich in der Schule und bleiben so zusammen. Andere zerstreuen sich komplett. Und manchmal bleiben fast alle da, studieren oder machen eine Ausbildung. Aber bleiben zu Hause. Fast alle. Nur einer geht, allein. Richtung Norden. „Hey, wie cool, wir kommen dich besuchen. Spätestens im Sommer.“ Drei Sommer vergehen. Drei mal war jemand da. Kurz. Für einen Tagesausflug. Nie zum Geburtstag, wenn er dafür nicht nach Hause kam. Immer wenn er zu Hause war, war für alle klar, dass man was zusammen macht. So wie früher. Dass er zu allen Geburtstagen extra zurück kommt.

Für sie hatte sich nichts geändert. Sie waren wie immer. Er war für sie wie immer. Der der er war, als er sich auf seinen Weg machte. Für ihn waren sie wie immer, aber er war nicht wie immer, nicht mehr der von früher. Sie verstanden nicht, dass er sich verändert hatte als er zurück kam. Er kam wieder, aber konnte mit den Leuten von früher nichts mehr anfangen. Er passte nicht mehr dazu. Da war kein Freundeskreis mehr. Er hatte den früheren Freundeskreis verlassen und nun ließ er auch den neuen aus der Studienzeit hinter sich. Wieder allein.

Der zweite Neuanfang fiel schwerer. Viel schwerer als der erste. Wieder am Ort von früher, an seinen Wurzeln. Die Wurzeln waren noch da, aber der Stamm, in dessen Krone er wie ein einzelner Affe saß, war sehr dünn geworden. Er brauchte dort lange, bis er verstand, dass er zu den Wurzeln, seinen Wurzeln, zurück musste. Sich selbst finden! Von dort einen neuen Stamm wachsen lassen! Eine neue Krone schaffen, in der er in seiner Affenhorde sitzen kann und sitzen bleibt!

(geschrieben von Jan)

Schreib-Challenge #1.2020 (Sonja): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)

Die kleine Maus

In einem weit entfernten Land lebte eine kleine Maus gemeinsam mit ihrer ganzen Familie in einer kleinen Höhle. Die kleine Maus war sehr gescheit und las sehr viel. So lernte sie andere Länder kennen und stellte sich oft vor wie es wohl wäre, wenn sie an einem anderen Ort leben würde. Ihr Vater war allerdings noch von der alten Schule und wollte nichts von anderen Ländern hören. Für ihn stand fest: Dies war seine Heimat und die seiner Familie, sie würden sie unter gar keinen Umständen verlassen. Jedes Mal wenn die kleine Maus anfing von anderen Orten zu schwärmen, machte er seine Meinung deutlich und wurde dabei jedes Mal lauter. Schließlich verbot er der kleinen Maus das Lesen und die Schwärmereien. Sie konnte sich allerdings nicht beherrschen und begann immer wieder mit diesem Thema. Sie wollte nicht ihr Leben lang in diesem trostlosen Ort und dieser Höhle leben. Sie war sich sicher, überall würde es besser sein als dort. Ihre Geschwister lachten sie aus, wenn sie sich wieder einmal in ihren Träumereien verlor. Nur ihre Mutter redete ihr gut zu und versicherte ihr, dass sich alles zum Guten wenden würde und sie alles erreichen könne, wenn sie nur genug daran glaubte. Eines Abends hatte ihr Vater wieder einmal sehr schlechte Laune und war über die Träumereien der kleinen Maus sehr erbost. Nach dieser Auseinandersetzung hatte die kleine Maus genug und wollte nicht länger unter dem Pantoffel ihres Vaters stehen. Sie wollte einen Neuanfang wagen, fern von ihrem Vater und ihren Geschwistern. Sie wollte mehr vom Leben. Als schließlich alle schliefen, packte sie ihre 7 Sachen zusammen und verließ ohne Abschied die Höhle. Sie machte sich auf den Weg zum Hafen, um mit dem Schiff zu einem der fernen Länder, über die sie so viel gelesen hatte, zu fahren. Sie erreichte den Hafen und ging unbemerkt an Bord. Während der Überfahrt dachte sie an die Dinge, die sie auf dem Weg bereits erlebt hatte. So gab es eine Begegnung mit einer streitsüchtigen Eule, der sie nur knapp entkam und sie schloss mit einem alten Kaninchen Freundschaft, das sie für eine Nacht bei sich aufnahm. Als das Schiff anlegte und sie von Bord ging wusste sie sofort: Hier würde sie bleiben. Sie suchte eine Unterkunft, fand aber keine und streifte deswegen auf den Wegen umher. Tage vergingen und sie begann zu zweifeln, ob es wirklich richtig war ihre Familie zu verlassen. Sie fühlte sich fremd und von den Bewohnern des Ortes nicht akzeptiert. Sie hatte sich große Hoffnungen gemacht, dass fern der Heimat alles besser werden würde und sie endlich das Leben führen würde, das sie sich immer gewünscht hat. Eines Nachts, als sie nicht schlafen konnte, schon aufgeben und zu ihrer Familie zurückkehren wollte, hörte sie die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf, die ihr versicherte, dass alles gut werden würde. Sie solle nur noch ein bisschen Geduld haben. Durch die Stimme ihrer Mutter beruhigt schlief die kleine Maus endlich ein. Die Wochen vergingen und nichts änderte sich für die kleine Maus. Sie war für die Anderen nach wie vor die Maus mit dem seltsamen Akzent. Mit der Stimme ihrer Mutter im Kopf machte sie jedoch unermüdlich weiter. Sie streifte weiterhin im Ort umher, schlief mal hier mal da und aß was sie finden konnte. Am Ende eines besonders schweren Tages traf sie auf einen Kater, der sie mit zu sich nahm und sich um sie kümmerte. Erst hatte die kleine Maus Angst und wusste nicht, ob sie ihm trauen konnte. Doch schon bald erzählte sie ihm von ihrem Wunsch nach einem Neuanfang, dass sie Schwierigkeiten hatte sich einzuleben und dass sie nach mittlerweile 2 Monaten noch keine richtige Unterkunft hatte. Der Kater tat genau das was die kleine Maus so dringend benötigte: Er spendete ihr Trost, hörte einfach zu und versprach ihr bei der Suche nach Anschluss und einer Unterkunft zu helfen. Sie redeten lang an diesem Abend und schließlich erzählte der Kater seine eigene Geschichte. So stellte sich heraus, dass auch er seine Heimat verlassen und an diesem Ort noch einmal von vorn begonnen hatte. Ein paar Tage später hatte die kleine Maus mit Hilfe des Katers eine Unterkunft gefunden. Er stellte sie seinen Freunden vor, die die kleine Maus sofort in ihrer Runde aufnahmen. So wurde dieser Ort langsam immer mehr zu ihrer neuen Heimat und das Leben der kleinen Maus immer mehr zu dem was sie sich immer gewünscht hat. Natürlich vermisste sie manchmal ihre Mutter, doch sie wusste, dass ihre Mutter stolz auf sie ist, weil sie den erforderlichen Mut aufgebracht und einen Neuanfang gewagt hatte. Auch die kleine Maus war stolz auf sich, weil sie trotz mancher Zweifel nicht aufgegeben hat. Sicher lebte sie in der ersten Zeit unter widrigen Bedingungen, aber die vielen Erfahrungen und neuen Freundschaften machten all das wett. Niemals hätte sie gedacht, dass sie sich mit einem Kaninchen, einem Kater und einer ganzen Reihe anderer anfreunden würde. Doch sie hatte begriffen, dass es sich lohnt auch mal genauer hinzusehen. Es zählt nicht nur was man auf dem ersten Blick sieht, sondern auch das was sich im Inneren abspielt. Sie war sich sicher, dass sie, wenn sie die Anderen nur nach ihrer Herkunft und deren Aussehen beurteilt hätte, eine Menge bemerkenswerte Persönlichkeiten verpasst hätte. Wenn die kleine Maus in Zukunft gefragt wird, ob ihr Umzug ins Ungewisse Fluch oder Segen war, wird sie voller Überzeugung antworten können das beides zutrifft. Die erste Zeit war mit all den Hindernissen wie ein Fluch, da nichts sie darauf vorbereiten konnte, was sie an ihrem Ziel tatsächlich erwartete. Ganz egal wie viel sie im Vorfeld über die Orte las. Die soziale Komponente ist eben nicht vorhersehbar. Nachdem sie aber die Hindernisse überwunden und Anschluss gefunden hatte, eröffneten sich ihr all die Möglichkeiten, die sie sich immer erträumt hat. Sie war als Maus gewachsen, war nun stärker und unabhängiger als jemals zuvor. Und das würde sie gegen nichts eintauschen wollen.

(geschrieben von Sonja)

Schreib-Challenge #1.2020 (Lena): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)


Ich sitze auf meinem Bett in meinem Zimmer, eigentlich in unserem Zimmer. Die mir vertrauten vier Wände die ich mir jahrelang mit meiner Schwester geteilt habe. Egal wie sehr wir uns gestritten haben, egal wie sehr wir uns am Tag auf die Nerven gegangen sind, abends waren wir immer wieder hier, zusammen, meistens sogar im selben Bett. Ich schaue mich im Zimmer um. Jede kleine Macke, jeder Fleck, jedes Möbelstück und jedes Kuscheltier alles hier ist eine Erinnerung für mich. Ich bin 12 Jahre alt und ich hab überhaupt keine Ahnung was auf mich zukommt. Ich bin 12 Jahre alt und schwelge in Erinnerungen wie eine 80 Jährige Frau. Ich sitze in unserem Zimmer und schaue mich um, nehme die Farbe der Wand in mich auf, den Ausblick aus dem Fenster, die Vorhänge schrecklich hässlich aber trotzdem auch schrecklich vertraut. Ich schaue zu Tür und weiß um das Loch unter dem Pferdeposter, ich mag gar keine Pferde aber das Poster musste auch nur das Loch verdecken. Ich fühle mit meinen Füßen den Teppich, sehe die Wölbung, an der der Boden hoch kam weil wir mal wieder das Dachfenster bei Regen offen gelassen hatten. Ich erinnere mich an die Geräusche zwischen den Wänden, jede Nacht hörte man kleine Mäusefüße. Werde ich all das vermissen? Mama hat gesagt wir ziehen um, wir ziehen weiter weg, weg aus meiner vertrauten Umgebung. Was mich erwartet, ich weiß es nicht

Das neue Zimmer war anders, es roch noch fremd, es war noch ganz kahl und unbewohnt. Es waren zwar meine Möbel und es war meine Wandfarbe die ich mir ausgesucht hatte, aber es war mir noch fremd. Das Bett roch noch nicht so vertraut wie damals, der Boden war kühl unter meinen Füßen weil mir der Teppich fehlte. Etwas vermisste ich sogar das hässliche Pferdeposter. Als ich in meinem neuen Zimmer lag, in meinem Bett und an die Decke starrte, hörte ich leise die Heizung gluckern dieses Geräusch gab mir etwas Beruhigendes, es konnte vielleicht genauso vertraut werden wie die kleinen Mäuseschritte. Ich war in Gedanken versunken und hörte wie leise die Tür aufging, meine Schwester legte sich wortlos in mein Bett und es war wieder wie immer. 

Das neue Zimmer war meins geworden, neue Poster, dass selbe Chaos und vertraute Erinnerungen. Meine Gerüche, meine Klamotten, Türen knallen und meine Schwester die sich abends wieder in mein Bett schleicht. Ich hätte nicht damit gerechnet wie schnell mir das neue Zimmer so vertraut werden würde und wie schnell sich diese Vier Wände mit Leben und Erinnerungen füllen würden. 

Ich hab in meinem Leben schon viele Umzüge erlebt. Eigene, von Freunden, von Familie. Ein Umzug ist immer anstrengend aber ich schaue immer auch gerne genauer hin. Schau in die Gesichter, sieht man Hoffnung, Erwartung, Angst, Nervosität. Wie geht es den Leuten die umziehen, wie geht es mir wenn ich umziehe, was macht dieser Einschnitt mit einem und vor allem was macht man selbst daraus. Keiner weiß wirklich was einen Erwartet, es ist immer eine Unbekannte Situation. Wird wirklich alles so wie ich es mir erhoffe? Wird es besser, schlechter oder ganz anders? Auch wenn man weiß wo man hinzieht weiß man doch irgendwie nicht wo man hinzieht. Wie sind meine Nachbarn, wie ist die neue Umgebung, wie ist meine Wohnung. Werde ich mit all dem fertig? Was man aber immer in allen Gesichtern sehen kann ist der Wille die Situation zu meistern, die neue Umgebung zu meistern. Wie das letztendlich aussieht hängt von jedem selbst ab.

Der Umzug den ich am Anfang beschrieben habe, war sicherlich der einschneidenste Umzug. Ich verließ den Ort in dem ich aufgewachsen bin, den Ort an dem ich meine Kindheit verbrachte, wo meine Freunde lebten und den ich so gut kannte. Der Umzug bei dem ich kein Mitspracherecht hatte. Ich musste mit, was hatte ich für eine andere Wahl. Aber was macht sowas mit einem?

Kann man pauschal immer sagen Fluch oder Segen? Ich persönlich nicht. Ich hab gute und schlechte Erfahrungen gemacht nach diesem Umzug. Ich hab mich mal verloren und entwurzelt gefühlt aber oft auch so Zuhause wie an keinem anderen Ort. Ich hab einen Neuanfang mit neuen Freunden gemacht, meine alten völlig vergessen. Mich mit meinen neuen Freunden gestritten und meine alten schrecklich vermisst. Es war ein auf und ab, gute und schlechte Tage aber ich glaube das wäre auch an jedem anderen Ort so gewesen. Wäre ich in meiner Heimat geblieben hätte ich auch dort solche Tage und Situationen gehabt da bin ich absolut sicher.

Ich bin der Meinung ein Umzug kann alles sein, es ist wichtig was man daraus macht und wichtig das man alle Momente lebt und herausfindet was der neue Ort und die neue Situation für einen bereit hält. Beschäftigt man sich zu sehr mit der was wäre wenn Frage, macht man sich zu viele Gedanken, lebt in der Vergangenheit und stellt immer wieder Entscheidungen in Frage vergisst man zu leben. Dann verpasst man Möglichkeiten, Situationen und Menschen, wenn man will kann man überall glücklich werden und wenn nicht zieht man um und fängt wieder neu an. :)

(geschrieben von Lena)

Schreib-Challenge #1.2020 (Eva): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)



Sie standen zusammen in dem großen Garten.
Sie sagte nein, doch Er wollte es haben.

Dieses Haus, ramponiert und kaputt,
es wurde viel getan und überall Schutt

Im ersten Jahr hat Er noch viel getan,
man hatte den Eindruck er hätte nen Plan.

Dann kam das erste kleine Glück
und Er fand zu altem Verhalten zurück.

Es wurde sehr unschön und schmerzhaft für Sie,
doch sie fand trost in der Kleinen wie nie.

Dann kam das süße zweite kleine Glück,
doch nun wurde er nur noch mehr verrückt.

Die Zeit war dunkel, voller Schmerz und Zorn.
Sie trennte sich und blickte endlich nach vorn.

Doch war sie immer noch in diesem Haus gefangen,
wäre doch statt Ihm lieber Sie gegangen.

Zwei Jahre später dann schaffte Sie es,
allerdings war der Umzug schon ganz schöner Stress.

Drei Jahre später brachten Sie Umstände zurück.
Erinnerungen kamen wieder Stück für Stück.

Die Dunkelheit von früher machte sich in Ihr breit,
doch nun, drei Jahre später hat sie sich endlich befreit.

Das Haus ist verkauft und sie ist endlich frei,
doch erinnert sie sich kurz an den 1. Mai.

Sie saß in dem Garten ganz allein,
umgeben von Schafen und Hunden im Mondenschein.
Ihre Kinder hatten hier ihre ersten Schritte getan
die ersten Worte gesprochen und es kam der erste Zahn.
Vieles ist in diesem Haus geschehn,
vieles will Sie nie wieder sehn.

Und so steht sie ein letztes Mal in diesem Garten, wo alles begang,
doch nun ist es endlich Zeit für einen richtigen Neuanfang.

(geschrieben von Eva)

Schreib-Challenge #1.2020 (David): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)

Entwurzelt

In meiner Kindheit sind wir oft umgezogen. Mein Vater war Journalist, häufige Ortswechsel brachte der Beruf mit sich. Geboren wurde ich in Dortmund. Erinnern kann ich mich wahrlich nicht daran, denn kurz darauf zogen wir nach Grafing, bei München. Auch daran kann ich mich kaum erinnern, ich war ein Kleinkind. Lediglich aus Erzählungen meiner Mutter weiß ich, dass ich die Erzieherin des katholischen Kindergartens immer „Schwester Rosine“ nannte, obwohl sie doch Rosina hieß.
Wir zogen irgendwann wieder nach Dortmund. Aus dieser Zeit habe ich nur Erinnerungsblitze im Gedächtnis, nichts Konkretes. Ich weiß, dass die Kindergärtnerin ätzend war. Dass sie mir immer mein Spielzeug wegnahm. Ich weiß, dass sie eine dicke Frau mit grauen Haaren und Brille war. Zumindest sagt mir das meine Erinnerung.

Als ich sechs Jahre alt war, zogen wir nach Schwerte. Wir hatten ein Haus, mit Garten, in einer Spießbürgersiedlung voll von absurden Gestalten, die ihren Rasen mit dem Lineal messen mussten, nachdem sie ihn gemäht hatten. Ich hatte einen Dauerkrieg mit dem Nachbarsmädchen und einen einzigen Freund. In der Schule wurde ich gemobbt, ich bekam meine ersten allergischen Erfahrungen – alles in Allem keine gute Zeit.

Wir zogen wieder nach Dortmund. Ich muss 15 gewesen sein.
Und seitdem lebe ich in Dortmund.
Der Punkt ist: ich habe mich nie entwurzelt gefühlt. Denn – seien wir ehrlich – eine besondere Bindung zu den Orten, an denen ich zuvor gelebt hatte, habe ich sowieso nie aufgebaut. Dort lebten die falschen Menschen.
Das erste Mal, dass ich mich entwurzelt gefühlt habe, war eine ganz andere Geschichte.

Zuerst kam Hotte nicht wieder. Normalerweise trafen wir uns Abends, Hotte, Manuel, Pauline und ich. Andere waren auch zuweilen dabei, aber das war der Kern der Gruppe. Wir entschieden dann, was wir machen wollten. Mal war es Blödsinn, mal war es sinnvoll. Aber Spaß hat es immer gemacht.
Irgendwann kam auch Pauline immer seltener. Erst fehlte sie einmal, dann zweimal, dann war sie plötzlich weg. Wie ein nächtliches Gespenst, das nach dem Aufwachen noch neben deinem Bett zu stehen scheint, nach einem Blinzeln aber verschwindet.
Manuel kam als nächster nicht wieder. Man muss wissen, dass er mit Pauline zusammen war. Einige Zeit kam er noch öfter zu unseren Treffen, aber irgendwann war auch er weg. Nebel im Wind.

„Ganz schön unkonkret,“ werden einige von euch nun sicher denken.
Und sie haben recht.
Denn die Leute, die da nach und nach verschwanden, kannte ich kaum „in echt.“ Sie waren Mitglieder in einer Gilde.
In einer Gilde aus World of Warcraft.
Natürlich sind sie nicht wirklich verschwunden. Sie kamen einfach nicht mehr online. Zu jener Zeit gab es ein Konkurrenzspiel namens Aion. Lange hatten sie schon damit geliebäugelt, und am Ende werden sie wohl dahin gewechselt haben. Zumindest war das damals meine Vermutung.
Zuerst kamen sie immer seltener online, dann, irgendwann, überhaupt nicht mehr. Zurück blieb ich mit einer Gruppe von Spieler*innen, die ich kaum oder gar nicht kannte. Wie im echten Leben, so knüpft man auch online seine Sympathien ungerecht. Und wo im echten Leben das Gesicht, so hilft online die Stimme, das digitale Gegenüber nicht nur einzuordnen, sondern auch dabei, es zu mögen (oder auch nicht, aber das spielt für diesen Text keine Rolle).

Ich erinnere mich noch, wie sie mich für die Gilde rekrutierten. Ich kam als Außenseiter („Random“) auf ein Gruppenevent (Raid) mit, das deren Gilde durchgeführt hatte. Ziel war es, den Drachen Sartharion zu töten.
Ich war, wie bei solchen Raids üblich, aus ganz eigennützigen Zielen mitgegangen. Ein wenig an der Beute des Drachen teilhaben, etwas Erfahrung sammeln, solche Dinge eben. Mit Gilden hatte ich nichts mehr am Hut, denn meine Erfahrungen mit einer stalkenden, psychopathischen Gildenleiterin hatten mir vorerst die Lust auf Gesellschaft verdorben. Und so tingelte ich mehr oder weniger heimatlos, wie eine Art Söldner über den Server.
Bis zu diesem Tag, an dem wir Sartharion umboxten. Der Raid lief beileibe nicht so einfach. Die eine oder andere brenzlige Situation rettete ich dank der Fähigkeiten meines Spielcharakters. Der Paladin kann zum Glück von allem etwas und das nutzte ich auch aus.Draufhauen, Heilung, Charaktere vor Schaden bewahren – ich konnte das Spektrum in seiner Gänze anwenden.
Am Ende lag das Drachenvieh am Boden und es wurde Beute verteilt. Ob ich etwas bekommen habe, weiß ich nicht mehr. Was ich aber bekam war ein Gespräch mit Manuel und Pauline - die Namen sind hier geändert, denn die Spielcharaktere hießen Maruviel und Palani.
Kurz darauf war ich Mitglied in deren Gilde. Es war die einzige Online-Gemeinschaft, in der ich über lange Zeit aktives Mitglied sein sollte. Ich war zuvor nie lange in Online-Gruppen – viele nehmen sich selbst oder das Spiel zu ernst, andere sehen sich nur als Gemeinschaft für das Austauschen stumpfer, sexistischer, rassistischer oder wie auch immer gearteter billiger Witze. Ich sollte auch danach nie wieder eine Gruppe finden, der ich mich über einen längeren Zeitraum anvertrauen sollte.
Manche Leser werden bereits an der Stelle aufgegeben haben, an der ich einräumte dass es hier um ein Online-Erlebnis geht.

Manche werden weiter gelesen haben und den Kopf schütteln. Wie kann man nur so eine Wertbindung für ein Spiel entwickeln?
Aber ich habe diese Bindung gar nicht für das Spiel entwickelt.
Sondern für die Menschen, mit denen ich es gespielt habe.
Genau wie mit Personen aus dem „echten“ Leben, hatte ich auch mit diesen Menschen tolle, witzige, traurige, ärgerliche, schöne und tragische Momente. Und ich habe an diese Zeit in World of Warcraft bessere und konkretere Erinnerungen, als an weite Teile meiner Kindheit. Zum Beispiel folgende Anekdote: als wir eine anspruchsvolle Instanz machen wollten (ein Event für fünf Spieler, bei denen man verschiedene Gegner in einem Labyrinth aus Gängen findet und tötet), und vor einem großen Raum voller Feinde standen, die Halle so hoch, dass wir ihre Decke nicht sehen konnten, die Gegner so zahlreich, dass wir sie kaum zählen konnten, machte sich unser Krieger, Frontkämpfer und Anführer Maruviel bereit, die erste Gruppe von Gegnern aufs Korn zu nehmen. Wir warteten bereit, auf sein Zeichen loszustürmen – als plötzlich mein Kater Louis über meine Tastatur lief. Meine Spielfigur joggte vorwärts und hatte im Nu alle Gegner der Halle auf sich aufmerksam gemacht.
Unsere Charaktere waren in Sekunden tot.
Unser Lachen im Voicechat erstarb für Minuten nicht. Mein Fluch und mein wütender Ausruf „LOUIS!“ waren seither ewiges Gesprächsthema.

Ein anderes Mal wollten wir auf ein PVP (Player vs. Player)-Schlachtfeld. Wir alle waren mies darin, gegen andere Spieler anzutreten. Gegen den Computer? Ja, bitte! Aber gegen andere Spieler? Naja...
Wir wurden richtig böse verhauen. So muss sich die Hörde-F-Jugend fühlen, wenn sie gegen die Nationalmannschaft antritt.
Aber es war lustig. Wir machten sogar eine Challenge daraus, wer von uns am häufigsten sterben würde.

Und irgendwann waren sie alle weg, meine Mitspieler*innen. Geblieben waren nur ein paar Anekdoten.

Es geht um Entwurzelung. Ich könnte jetzt, nur für WoW-Kenner, eine Referenz einbauen, die sich auf die Wurzeln-Fähigkeit des Druiden bezieht. Aber das lasse ich an dieser Stelle.
Entwurzelt bist du nicht unbedingt, wenn du einen Ort verlässt. Die Metapher täuscht hier. Denn Menschen können ebenso gut wie Orte binden und im Internetzeitalter können sie überall sein. Entwurzelt bist du, wenn ein Ort dir keinen Grund mehr gibt, deine Wurzeln erneut in ihm zu schlagen.
Der Ort war World of Warcraft.
Aber die Erde, die dort meine Wurzeln hielt, waren die Menschen.

Freitag, 13. März 2020

Schreib-Challenge #1.2020 (Joe): Entwurzelung/Neuanfang - Umzug ins Unbekannte (Fluch oder Segen?)



Entwurzelung: seine Basis nehmen, die über Jahre oder Jahrzente hinweg an einem bestimmten Ort tiefe Verankerungen geschlagen hat und aus der Erde ziehen, um sie woanders neu zu pflanzen...

Dann haste da deine Wurzeln in den Fingern und fragst dich: "Wo packe ich die nun am besten wieder so in Erde, dass sie direkt und unbekümmert wachsen, gedeien und einen neuen Anker schaffen können?" Die Antwort ist meistens: es ist nicht damit getan, die Wurzeln einfach zu nehmen und woanders wieder auf Anhieb wachsen lassen zu können. Solche Wurzeln brauchen nun mal einen Nährboden, Energie, Zuversicht und Zeit. Und da man sich - wenn man sich dafür entscheidet, einen Neuanfang an einem anderen Ort zu wagen - ersteinmal aller bisherigen Gundlagen enthebt, ist der Name Neuanfang immer ein wichtiger und wertiger Begriff, der genau so genommen und umgesetzt werden sollte, wie es seine Bedeutung hergibt! So ein Umzug - und ich spreche jetzt nicht von einem "handelsüblichen" Umzug, sondern von einem bewussten "Dinge hinter sich lassen und neu anfangen" - ist in jedem Fall eher ein Toblerone-Essen als ein Zucker-Schlecken. Etwas Unbekanntes ergründen, erfahren und leben...es könnte aber kantig werden und unter Umständen am metaphorischen Gaumen kratzen. In den meisten Fällen hängt wahrscheinlich doch sehr Vieles an den Wurzeln dran, was entweder noch abgeschüttelt oder irgendwie mitgenommen wird. Ausnahmen bestätigen natürlich diverse Regeln.

Da ich mit der Ergründung der Themen für die Schreib-Challenges ja nie etwas zu tun habe, muss ich aber nach vier Runden wieder feststellen: irgendwie passen die Themen immer super in mein Selbst. (Nochmal kurz "Danke Gremium"!! für die gute Auswahl und Identifikation) Auch zu dieser Überschrift herrscht in mir aktuell - seit geraumer Zeit - eine Auseinandersetzung mit genau diesem Thema.

Die Idee, hier in Deutschland meine Zelte abzubauen und - wie sollte es anders sein - in Griechenland neu aufzuschlagen, herrscht nun doch schon etwas länger in mir. Ich habe in den letzten Monaten sehr sehr häufig darüber nachgedacht und tue es weiterhin. Aber es ist alles nicht mal eben so getan. Gerade die wirtschaftliche Lage vor Ort erschwert einen Neustart ersteinmal. Ich mein', klar, man kann auch so frei im Kopf sein, dass man etwaige Unsicherheiten und Risiken völlig außer acht lässt und einfach ins kalte Wasser springt. Aber so naiv kann und will ich dabei nicht denken. Ich habe hier in Deutschland zwar keine großen Verpflichtungen oder Abhängigkeiten, an die ich gebunden bin oder die mich zwingend halten aber ein unbedachtes Herangehen wird einer solchen Entwurzelung in meinen Augen nicht gerecht. In den letzten Monaten hat sich zudem ja auch einfach diese wahnsinnig wundervolle Verbindung zu meinem Glück entwickelt, so dass ein Teil von meinen - man könnte sagen: neuen Wurzeln - schon vor Ort ist. Eine emotionale, bekannte und erstrebenswerte Basis, die einfach gegeben ist. Das ist super viel wert und macht Einiges einfacher, denke ich. Und da es sich jedes Mal, wenn ich bisher in diesem wunderbaren Idyll zugegen war, völlig toll anfühlte und diese komplett andere Umgebung, dieses Leben, das Reduzierte, diese Ruhe so erfrischend anders sind, fühlt sich ein Gedanke an vor Ort in so vielerlei Schicht einfach richtig und gut an. Das Fernweh existiert und es ruft immer wieder!

Ist eine Entwurzelung und ein Neuanfang im Unbekannten eher Fluch oder Segen? Ich muss für meinen Teil sagen, es ist ein Segen, wenn man die Möglichkeit ernsthaft in Betracht ziehen kann und so frei in sich ist, tatsächlich seine Wurzeln neu anordnen zu können. Ein Neuanfang kann grundsätzlich enorm viel Energie auslösen. So etwas bedarf aber eben auch einem, meist großen, Energieaufwand, um es überhaupt umzusetzen. Aber er tut gut, er gibt neuen Elan, wenn er mal fehlte. Es sind neue Erfahrungen und neue Erfahrungen im Leben gemacht zu haben, sollte immer erstrebenswert sein. Ich finde es weiterhin aber auch sehr mutig und beachtlich, wenn Menschen sich dazu entscheiden und es einfach durchziehen und sich in ein neues Leben einarbeiten. Christina mou, Sascha, ihr habt seit geraumer Zeit meinen größten Respekt!

Ich war selbst lange nicht in der Lage, ernsthafte Gedanken an Neustarts zu hegen (Depressionen ließen grüßen) aber weiterhin, eigentlich schon das ganze letzte Jahr, fühlen sich auch solche Gedanken und Potentiale für die Entwicklung eines Lebens wahrhaft leicht, aber dennoch nicht naiv an. Es ist wunderbar, wenn man sieht welcht Möglichkeiten es einfach gibt. Und ja, mit Zuversicht und Ambition ist wirklich Einiges bis fast Alles möglich. Wenn ich an einen Neustart oder eine Entwurzelung denke, darf diese einfach auch niemals als Fluch empfunden werden. Sonst wäre eine solche Aktion eher kontraproduktiv bis einschränkend, was das eigene Ausleben angeht. Also: definitiv pro potentielle Entwurzelung und Erleben von Möglichkeiten! Segen, ganz eindeutig!

(geschrieben von Joe)

Mittwoch, 20. März 2019

Loch ist Loch

Fiktive Dialoge aus dem Leben (FDADL): Loch ist Loch!?


Ich: "Na, was geht, Kollege? Alles fresh?"

Er: "Yo, yo...muss ne?!"

Ich: "Auf jeden Fall."

Er: "Ist doch immer das Gleiche, mit der Kacke, tagein, tagaus. Ein tolles Leben."

Ich: "Yo, mein Reden...aber du weißt ja, was ich beim letzten Mal zu dir gesagt habe, als du wieder gejammert hast!"

Er: "Jaja, komm...hier, Fluppe?!"

Ich: "Jup, bedankt.
Sag' mal, was hälst du eigentlich von der Aussage Loch ist Loch?"

Er: "Pahahaha...Löcher sind toll. Auf der letzten Baustelle haben wir eins gegraben...Alter...so ein tiefes Loch, Junge. Bham!"

Ich: "...ja...Löcher...ich meinte zwar jetzt etwas Anderes, aber nun gut...ich habe etwas Angst, zu fragen...aber: warum habt ihr so ein tiefes Loch gegraben? Habt ihr nen Schatz gesucht?"

Er: "Wir waren durch mit Allem an dem Tag, war irgendwann Mittags rum...der Chef war schon weg und der Typ mit dem Bagger meinte, kommt wir buddeln noch ein Loch, lass mal gucken, wann wir Wasser finden...Und Alle so, YAY! Wasser! Wir buddeln jetzt ein Loch! Wir buddeln jetzt ein Loch! Hab natürlich mitgemacht. Wie du weißt bin ich der Typ mit dem Bagger, harharhar...geile Idee, ne?!

Ich: "Ja, mega!!!...war es denn wenigstens erfolgreich, als ihr Sandkasten und Sickergrube gespielt habt?"

Er: "Klaaar, was denkt du denn!? Voll super. Ich glaube ich habe noch nie so schnell, so viel gebaggert, wie dort."

Ich: "Was war das dann letzte Woche in der Altstadt?"

Er: "Huh? Da war ich doch gar nicht arbeiten!?"

Ich: "...ja...wie auch immer. Nochmal weg von deinem Spaß mit dem Loch auf der Arbeit" – ich hoffte inständig, dass sie es wieder zugeschüttet hatten.
"Loch ist Loch. Du als Teilzeitbauarbeiter und Vollmacho musst doch ne Meinung dazu haben, wie es sich für dich mit den diversen Eingängen des Menschen und die dadurch fokussierte Stimulation durch etwaiges Eindringen verhält. Hinzu kommt noch die Idee der Aussage, dass es eigentlich egal ist, wie jemand aussieht, weil Loch ja Loch ist. Egal ob vorne, hinten oder gar oben. Und? Was sagste?"

Er: "Ich versuche mich gerade zu erinnern, ob wir das Loch auf der Baustelle wieder zugekippt haben...Alter...so ein tiefes Loch...ich meine aber schon, dass wir es wieder zuschütten wollten. Hab dem Azubi gesagt, wenn er das wieder zuschüttet, schwärze ich ihn auch nicht beim Chef an. Was ein Lump. Azubis halt."

Ich: "Anubis wäre bestimmt nicht so devot gewesen, wie der Azubi. Rache wäre göttlich gewesen."

Er: "Anu...Ana...Pahaha! Analbis, der Loch-Azubi...Pahahaha."

Ich: "Wie viele Biere hattest du heute schon?"

Feine Tropfen, lauwarmen Gerstensaftes plus Speichel flogen durch die unmittelbare Atmosphäre, als er über seine eigene Wort-"Spielerei" flachste. Ich wünschte mir einen Regenschirm. Oder einen Vorschlaghammer. So ein Regenschirm, wie bei Kingsman, das wäre es jetzt.
18:47 Uhr. Stadt. Wohnung. Feierabend. Gemütliches Bier bei nem Kumpel.

Er: "Öhhh...keine Ahnung, ich sehe hier vier Flaschen. Zwei davon sind leer, eine trinke ich noch und die andere bist... DU! ...Pahahahaha."

Ich: "Yo...ich merk schon. Auf jeden Fall genug, um auf meine Fragen einzugehen. Du hast ein Leben..."

Er: "Ja, oder? Mega. Nach Feierabend lass ich mich einfach volllaufen und checke die ganzen Bitches im Internet ab. Dating 3.0 und so. Geil, ne?! Läuft bei mir. Wobei ich bei manchen Uschis so denke: Alter, was für ne Fresse...aber guter Körper. Da wische ich trotzdem nach rechts. Eigentlich wische ich immer nach rechts. Außer bei so voll den fetten Alten...geht gar nicht, Alter. Haste die mal gesehen so? Das ganze Profilbild. Voll. Da siehste nichts anderes als Masse. Deren Mütter musste man auch schon mit Googleearth fotografieren...pahahaha..."

Ich: "Alter! Verschluck dich nur nicht, bei dem ganzen Pahahaha, hier!
Nee du, ich benutze diese Apps doch nicht. Aber ich kann mir vorstellen, wie und was du meinst, ich kenne dich ja...passt übrigens immer noch super zu der Thematik: Ist Minigolf das Gleiche wie Golf?"

Er leerte die dritte Flasche mit einem hastigen Zug, setzte sie ab und sah kurzzeitig so aus, als würde er sich nun doch an dem Bier verschluckt haben...ich malte mir schon das Szenario aus, was folgen könnte: nach Luft schnappend, prustend und eskalierend würde er einen hochroten Kopf bekommen, so lange husten, bis fast etwas mit rauskommen würde, um danach zu sagen: Aaaaaalter, das Zeug bringt mich nochmal um. Dazu kam es aber nicht. Er rülpste kurz, ging zum Kühlschrank, holte sich einfach ein neues Bier und setzte sich, sichtlich unbeeindruckt, wieder hin.

Er: "Golf? Nee...BMW, Lan! Wenn schon, denn schon."

Ich: "Warum sind wir nochmal befreundet? Manchmal denke ich mir, dass du mal so überhaupt nie zuhörst und immer nur das sagst, was du selber hören willst. Löcher, Kollege, Löcher. Wie ist das bei den Profilen, wo du nach rechts wischst, dir aber dachtest: 'Naja...wirklich hübsch ist die nicht, aber geile Möpse'..."

Er: "Yo! Loch ist Loch. Hauptsache rein da!"

Ich schloss innerlich meine Augen und schüttelte ganz leicht den Kopf. Innerfacepalm etc.

Ich: "Also doch?! So wie ich dachte. Es gibt ja immer mal wieder Leute – wahrscheinlich sind das anteilmäßig sehr viele, auf jeden Fall mehr, als weniger – die das genau so sagen und auch leben bzw. durchziehen. Hauptsache Einen wegstecken oder irgendwo reinhalten. Hässlich, aber Loch ist Loch. Bzw. Guter Körper, ich mach einfach die Augen zu oder stelle mir jemand Anderes vor? Läuft das so?"

Er: "Kein Plan. Ich ficke meistens nur, ohne darüber nachzudenken. Ich will ja Spaß. Was da bei der Alten ist, ist mir doch egal. Hauptsache, kein Googleearth! Pahahahaha!
Was wolltest du eben mit Minigolf und Golf und so von mir...?"

Ich: "Wäre es in deinem Fall nicht eh immer Minigolf, wenn du einlochst?"

Er: "Huh?"

Ich: "Ja, du weißt schon. Wie die Sache mit der Salami im Flur, nur dass der Flur nicht größer ist, dafür die Salamit dementsprechend klein. Merkt man da überhaupt was? Ich hab da nicht so die Erfahrung mit."

Er: "Was willst du denn jetzt!!? Ach, halt die Fresse!! Bisher hat sich noch Keine beschwert. Und ich komme immer! Es muss mir ja schließlich Spaß machen."

Ich: "Hast du dich mal gefragt, warum du bisher nie mehr als einmal was mit Einer gehabt hast? Oder kam das schonmal vor? Du sagst ja immer: Alle scheiße...Wenn man einmal in der Kiste war, wollen die nichts mehr mit dir zu tun haben, Du sollest dich ändern etc...?!"

Er: "Ja, richtig, Alle scheiße! Da kann ich ja nichts für. Deshalb wische ich auch immer und soviel nach rechts. Das haben die gar nicht anders verdient. Für einmal reichts ja meistens."

Ich: "Sehr beständig!!!"

Er: "Ach, halt die Fresse. Ich kann immer ran, wenn ich will. Egal was ist. Loch ist Loch. Zur Not halt ich ihr die Hände vors Gesicht oder knall sie nur von hinten. Da muss ich das Elend der Hackfresse nicht sehen."

Ich: "Das beruht bestimmt auf Gegenseitigkeit.
Du, ich mach mich aber jetzt gleich mal vom Acker. Ich nehme die nächste Bahn."

Er: "Yo. Besser ist's wohl, sonst muss ich nachher nochmehr trinken und dabei bin ich doch schon so blau...ich glaube ich checke gleich noch ein paar Alten da im Netz ab! Harharhar."

Ich: "Ja...mach das mal...war wie immer ein guter Dialogfetzen, unsere Unterhaltung am Feierabend. Sehr aufschlussreich! Aber ich sag's dir: ein bisschen persönlicher Anspruch würde dir gut tun. Ist ja nur meine Meinung und Wahrnehmung und du bist ja selber alt genug, um vielleicht mal ein bisschen zu reflektieren."

Er: "Du immer mit deinen Reflektierungen und so. Ich reflektiere mich meistens, wenn ich vor dem Spiegel stehe und zu mir sage, was für ein geiler Typ ich bin! Prost, ne?!"

Ich: "Yo. Hau rein. Wir sehen uns."

Er: "Guck hier, wieder so ne fiese Alte, die auch nur gepoppt werden will..."

Kaum hatte ich mich von dem Stuhl erhoben, fingerte er schon wieder an seinem Smartphone rum und wischte fleißig nach rechts.

Ich: "Ja...viel Spaß dabei. Ist genau dein Kaliber. Vergiss aber nicht, das Licht auszumachen. Und überleg nochmal, ob Anubis deine Befehle befolgt hat."

Er: "Ach, halt die Fresse und verpiss dich. Yo. Analbis...was ein Lump. Pahahaha!"





Dienstag, 26. Februar 2019

Dichterdienstag 19KW9 - Mono-Dialoge

Dieser Beitrag könnte auch gut unter FDADL fallen! Fiktiv ists auf jeden Fall, könnte aber unter Umständen tatsächlich so passiert sein, solch ein "Gespräch". Einseitig versteht sich!

 
Mono-Dialoge

Er: Hi. Du. Mausi. Na wie geht?
(Sie: Ignoranzgedanken.)
Er: Halo? Jemand da? Da Online steht.
(Sie: Ignoranzgedanken.)

(Sie: Neuer Tag, alter Satz.)
Er: Hi. Du. Mausi. Bist hübsch.
(Sie: Oh, mit Zusatz, was ein Quatsch.)
Er: Wolle schreiben, antwort Bitch!

Er: Hi. Du. Mausi. Hast PN.
(Sie: Ignoranzgedanken.)
Er: Schick auch Bilder, wo hin denn?
(Sie: Leichte Hassgedanken.)

Er: Boah, Alte bist du hässlich.
(Sie: Kopfschütteln. Facepalm.)
Er: Und dumm zu setzlich.
(Sie: Facepalm. Facepalm.)

Er: So jetzt hier du blöde Kuh.
(Sie: Er hat was geschickt...)
Er: Guckst du Gollum, das bist du.
(Sie:...ich fass' es nicht.)

Er: Bist auch voll die blöde Dumme.
(Sie: Yo, yo!)
Er: Und fett auch du Wuchtbrumme.
(Sie: Mega im Flow!)

Er: Kannst wohl nicht schreiben, Behindate!
(Sie: Wie lang geht's noch, frag' ich mich.)
Er: Dann geh ich halt woandas zu Tinda ne?!
(Sie: Yo, Tinda ist genau das Richtige für Dich.)

Er: Schönen Leben alte Hässlon.
Sie: Tschüss, Rolf. Feiner Zug.
Er: Isch blockier dich hasse jezz davon.
Sie: Okay Rolf, guter Monolog.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Der ewige getretene Hund

Fiktive Dialoge aus dem Leben (FDADL): 


Er: "Yo, Bro! Was geht ab?!"

Ich: "Yo. Alles, was nicht fest ist?!"

Er: "Yo. Sehr lustig."

Ich: "Ja, so bin ich. Kennst' mich doch!
Was läuft bei dir? Wieder die zweite Pulle Bier am Start?"

Er: "Klar. Standard. Was soll ich machen. Feierabend...da häng' ich halt so mit meinem Kumpel Flasche rum. Läuft.
Harharhar.
Oh...bald brauch ich wieder nen neuen Kumpel. Kommste gleich mit, einen Neuen holen."

Ich: "Jo, klar, machen wir gleich, trink du mal erst zu Ende.
Aber ja, das sehe ich...Kumpel. Wie gehts dir sonst so? Was machen die Frauen?"

Er: "Ach, die können mich alle mal ficken...ach nee...die sollten mich mal alle ficken. Und wat is? Wieder nur Blabla, du bist da nicht der Typ für, F-, Friendzoneboy, blabla...drecks Fotzen...alle...!"

Ich so: "Okay!?"

Er so: "Huh?"

Ich: "Ja, dein Kumpel scheint Dich ja schon richtig in Stimmung gebracht zu haben!
Fahr' mal runter, die Leute gucken schon!!!"

Er schaut sich um: "Ach, alles blöde Fo..."

Ich so spontan: "Alter, es ist fast noch mitten am Tag, haste mal auf den Tacho geguckt?!
Aber yo, komm', wir gehen dir noch n Bier holen, ich trinke auch eins mit, denke ich."

17:13 Uhr. Draußen. In der Stadt. Öffentlicher Platz.
Wir eilten also flott zum nächsten Kiosk, um noch zwei Pilsetten zu erwerben. Gesagt, getan, zschhuuut, plöp. Prost. Wieder am Platz, an dem man Bier trank, angekommen, setzten wir uns erneut auf die Stufen und blickten in den Himmel, an dem die Sonne zunehmend unterging. Ein leichtes Orange berührte die Schleierwolken, die sich langsam aufzulösen schienen.

Ich: "Es ist mir übrigens schleierhaft, warum du die ganze Zeit nur am Jammern bist, dass alle, bevorzugt Frauen, so schlimm und doof sind. Was ist denn da los, sag mal!? Das war doch mal anders, du warst auch mal entspannter?! Wie alt warst du noch gleich?? Harharhar."

Er: "Wat? Alt genug auf jeden Fall. Wenn ICH die Fresse nicht aufmache, macht's doch eh keiner. Ich rege mich auf, so viel ich will. Und wenn die alle scheiße sind, da kann ich ja nichts für... "

Ich seufzte innerlich, nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und stellte fest, dass Seine schon wieder halb leer war. Es muss Magie sein, dachte ich mir. Wie kann man in so kurzer Zeit nur so schnell trinken?!

Er weiter: "...ich solle mich mal etwas ändern und an der eigenen Nase fassen, sagen die."

Ich so: "...an die eigene Nase..."

Er: "Was? Ach, halt die Fresse.
Warum soll ich mich ändern? Wenn die nicht auf mich und meine Personality klarkommen, ist das ja nicht meine Schuld, sollen die sich halt anpassen. Ich bin n geiler Typ. Das sagt mein Kumpel auch immer!"

Ich: "Dann scheint es aber so zu sein, dass du immer die datest, die die Falschen sind und ihre eigene "Personality" haben? Oder? Ich mein...du kannst ja nichts erzwingen. Meinst'e nicht, dass da was dran ist und du vielleicht etwas festgefahren bist, im Umgang mit Menschen und Mädels?!"

Er: "Ach, halt die Fresse. Sollen mich halt alle in Ruhe lassen. Bin eben Künstler. Ich hab mir mein Schicksal nicht ausgesucht...Ich kann gar nichts dafür, dass ich ein getretener Hund bin. Ich beiße halt, wenn man mir versucht auf den Sack zu gehen."

Hastig setzte er die Bierflasche an und saugte die letzten Reste des Gerstensaftes förmlich in sich hinein.

Er: "Ach, schon wieder leer. Guck, die Bitches machen mit mir, dass ich trinken muss."

Ich so: "Yo, das wird's sein...
Um nochmal kurz auf diese Wahrnehmung und die Wirkung auf Andere zurück zu kommen. Was erwartest du denn, wenn du dich scheinbar, wie ein unreflektiertes Arschloch, das völlig uneinsichtig ist, wenn es um Veränderung geht, verhälst?!"

Er: "Was soll ich schon erwarten? Enttäuschung wahrscheinlich..."

Ich: "Und warum?"

Er "Ja, weil die sich halt eh nicht anpassen und nicht auf mich klarkommen. Ach, alles scheiße. Ich geh gleich nach Hause und saufe da weiter, dann muss ich mich hier auch nicht vor dir beklagen und gehe niemandem auf den Sack.

Ich: "Du trinkst doch nie zu Hause? Wann hab ich dich mal zu Hause gesehen? Du schläfst da nur oder?"

Er schielte in die leere Flasche, wie man eben in eine leere Flasche hineinlinst, wenn man schon etwas mehr getrunken hatte, aber dennoch gerne nachsehen wollte, ob sich nicht vielleicht doch noch ein kleiner Rest irgendwo in dieser durchsichtigen Flasche versteckt hielt...und bekam meine Frage gar nicht mit, sonst hätte er bestimmt wieder damit gedoht, mir die Freundschaft zu kündigen.

Ich: "Da beschwer dich nicht und nimm es einfach hin, wie jeder andere auch. Du weißt doch, Mimimimi-Mittwoch ist nur Mittwochs!!!"

Er: "Aber was soll ich denn mit so Leuten?! Wenn doch alle scheiße sind..."

Ich: "Du hast eben was von einem getretenen Hund gesagt...meinste nicht, dass man immer das ist, was man ausstrahlt?!"

Er: "Ausstrahlung hab ich. Guck hier durch die leere Flasche in die Sonne. Strahlt mächtig grün. Politik ne...auch so ein Thema..."

Ich: "Ja...Politik ist mir ziemlich egal, da musste mir jetzt nicht mit anfangen! Wenn du nur halb so viel Jammern würdest, wie du trinkst, wäre das schon ein guter Anfang. Ich bin, um ehrlich zu dir zu sein, einfach genervt von deiner ständigen, negativen, "Die Welt ist so schlimm, ich bin ein Opfer"-Haltung. Und trink mal weniger. Niemand findet es geil, wenne zum Date schon mit so ner Fahne aufläufst..."

Er: "Eh..."

Ich: "Jetzt hälst du mal die Fresse. Wenn du weniger im Selbstmitleid baden würdest, würdest du auch andere Menschen anziehen, als die, die du bisher erreichst. Klar, du musst irgendwie ein Image aufrecht erhalten, der ewig getretene Hund. Irgendwie süß, räudig aber auch zu bemitleiden. Darüber hinaus, völlig traumatisiert und nicht fähig, einen normalen Umgang zu zulassen. Bediene dieses Bild ruhig weiter, aber bitte, hör auf, immer alle für deine Unzufriedenheit zu belangen. Ich reiche dir hiermit einen metaphorischen Spiegel."

Er: "Ich muss mich nicht im Spiegel ansehen, um zu wissen, dass ich geil bin. Den kannste behalten.
Ich hole mir jetzt noch ein Bier für den Heimweg in der Bahn und eines für danach und dann mach ich mich vom Acker, du Fucker."

Ich: "Yo. Mach das mal, Schneewittchen. Hau rein. Wir schreiben."

Er: "Jaa, jaa."

In der Ferne bellte leise ein Hund.





Dienstag, 12. Februar 2019

Dichterdienstag 19KW6 - DIYDD - Wir schreiben einen Weg *updated26.02.19*

Hello! Als kleine Einleitung zu diesem Dichterdienstag, eine kurze Erläuterung, was man sich unter dem DIY on diesem Beitrag vorstellen kann. Ich dachte mir, eine Art "Mitmach-Gedicht" wäre doch mal ne gute Sache. Etwas Interaktion und Mitwirken. Deshalb steht der erste Block dieses Gedichtes quasi als Grundlage und hinterlässt drei Adjektive und demnach drei fiktive Wege, die es zu schreiben gilt. 

Wir schreiben einen Weg. Ein paar Zeilen, um einen Weg zu beschreiben, mehr braucht es gar nicht. Alles ist möglich. Ich denke die Attribute von A, B und C lassen genug Raum für Fantasie, Fiktion oder Reales. Es muss auch nicht zwingend DER Weg des Lebens sein, das Leben bietet ja immer wieder neue und andere Wege an.

Als Beispiel (der zweite Block des Gedichtes) habe ich einfach mal Weg B gewählt. Eure Wege müssen natürlich nicht so düster sein, wie mein Weg, aber Potential, einen Weg zu gestalten haben wir alle. Also, los, ich freue mich auf Kommentare, hier, bei FB, Instagram und überall anders und würde mir wirklich wünschen, dass das Gedicht viele, verschiedene Strophen erhält. Fühlt Euch frei. DIYDD. Go for it!!


DIYDD - Wir schreiben einen Weg

Da stehst du nun an der Gabelung
des Weges vom Leben und schaust dich um.
Links, rechts oder geradeaus?
Auf jedem der Wege kommst du nach Haus'.

Wähle spontan, bedacht oder auf gut Glück.
Drei Optionen ergeben sich deinem Blick:
Eine (links, A) ist abenteuerlich.
Eine (rechts, B) gar fürchterlich.
Eine (geradeaus, C) sehr einfachlich.

Darum überlege gut und erzähle mir:
Mit ein paar kleinen Zeilen, hier,
wie dein Weg gewesen war,
mit der Wahl von C, B oder A.

A:...

B:...

C:...

B:...Ich fang' mal an und muss sagen,
ich wählte einst B, voller Qualen,
da ich befangen war, fast schon blind,
dennoch war ich sicher, dass der Weg so stimmt.

Der Weg, der mich wählte, nicht ich ihn,
fühlte sich an wie Leere und roch nach Benzin.
Dunkelheit und Schwere waren sein Raum,
umgeben von einem Stacheldrahtzaun.

Dann ganz am Boden, aufgeschlagen,
musste ich mich selber hinterfragen,
schaffe ich diesen langen Weg nach Haus'
oder gebe ich irgendwo einfach auf.

Fast hätte ich das Handtuch geschmissen,
wollte schon die weiße Flagge hissen.
Kraftlos und in mich zusammengesackt,
willenlos und müde, das war Fakt...

...am Ende kam ich dann doch noch an.
Der Tunnel, das Licht, nach Haus' und dann
stand ich wieder an dieser Gabelung.
A, B oder C. Es bleibt Deine Wahrnehmung.


(***Update15.02.19: es folgt eine "mitgemachte" Strophe von der lieben Caro aus der FB-Gruppe des 1live Freundeskreises. Hab Dank dafür, diese Zeilen auch zu teilen!)

Ich stelle mir vor, ich wähle A,
voller Hoffnung auf Abenteuer, hurra hurra.
Mein Weg des Lebens verlief nämlich bisher,
eher wie B, zu oft war er verteufelt schwer.
Doch kein Schmerz, kein Verlust ließen mich je verzagen,
wusste ich auch nicht weiter, ging ich nach dem richtigen Weg fragen.

Nach B ist nun Schluss mit den Hindernissen,
es waren gute Lehrmeister und ich werde sie vermissen.
Doch wähl' ich nun A, meinen eigenen Weg,
der, so meine Hoffnung, aus Folgendem besteht:
Neue Menschen, neue Orte, neue Dinge zu lernen,
Bewährtes zu schätzen und mir nicht alles zu verwehren.
Ich glaube so find' ich im Inneren nach Haus,
und schmeiß alte Zweifel einfach hinaus.

"Hast du nicht Angst, das Alles wird dir zuviel?"

Nein, denn wie heißt es:
der Weg ist das Ziel.

(***Update26.02.19: es folgt eine weitere Strophe, die extern geschrieben wurde! Super gut! Vielen Dank für deine Zeilen, Nina!)


So läufst du und läufst du immer weiter.
Dein Schritt ist forsch, beschwingt, manchmal fast schon heiter.
Was du nicht merkst, du bist schon zu lange einfach nur gelaufen,
wohin weißt du nicht mehr, deshalb ist es an der Zeit zu verschnaufen.
Geh in dich, hör auf zu zweifeln - atme tief ein und nimm dir nur 3 Sekunden all deinen Mut.
Mehr brauchst du nicht, denn welchen Weg Du gerade auch beschreitest, es wird definitiv gut.
Wir alle gehen des Öfteren auf Weg B und hoffen, auf Neues, Veränderung und das große Glück.
Die zu vielen Schritte, die Mühen, auch die verpassten Gabelungen gibt uns aber keiner zurück.
In der Hoffnung auf Veränderung, laufen wir zu oft und lang den gleichen Weg - wer weiß.
Die meiste Zeit wohl auf Weg C, unachtsam, stupide, bewegen wir uns dabei im Kreis.
Es bedarf Mut, sich einzugestehen, dass wir oft einfach nur auf der Stelle stehen.
Weg A immer wieder versperrt durch Angst und Zweifel, warum dort nicht so einfach gehen?
Doch das können wir, wenn wir anfangen zu verstehen,
unsere Erfahrungen sollen uns nur dabei helfen endlich klar zu sehen.
Wir selbst sind der Antrieb, sind die Macht, sind der rollende Stein.
Wie du dich fühlst, sagt nicht aus, was du kannst oder willst sein.
Gestehen wir uns ein, dass wir jeden Tag alle diese Wege begehen,
es allein an uns liegt, auf welchem wir wie lange bleiben

und vor allem wann wir gehen!

Samstag, 2. Februar 2019

Das ewige Mädchen

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich Blumen und Blüten. Dann rieche ich Lavendel. Ich sehe sie in der Gegenwart aber auch in einer alten Zeit. Ich sehe sie in etwas Vergangenem, was zugleich präsent erscheint. Die Aura, in der sich meine Gedanken an sie bewegen, ist erfüllt mit zeitlosem Dasein schwingender Harmonie. Es war jeher ein sehr einvernehmliches Miteinander, obgleich sich unsere direkten Wege eher selten kreuzten. Ich schätze ihren Sinn für das Gesamte und die unsichtbare Akzeptanz, die sie aufbringen kann.

Wenn ich an sie denke, denke ich an Übereinstimmung. Ich denke an tiefes Verständnis und Demut. Ich erinnere mich gut, wie sie etwaige Konversationen mit ihrer fröhlich-frechen Art und Weise ein ums andere Mal erheiterte. Ihre Augen funkelten unentwegt, als sie von den Abenteuern des Lebens und dem Enthusiasmus erzählte, der nötig war um dem Leben auf der Nase tanzen zu können. Sie liebt es, zu tanzen und sie liebt die Musik. Sie liebt das Leben und sprüht förmlich vor Optimismus. Sie ist ansteckend. Euphorisch. Inspirierend. Voll des Lebens.

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich aber auch, wie verletzlich sie sein kann. Ich muss an die intensiven und schweren Unterhaltungen denken. An die Momente totaler Offenheit und Ehrlichkeit. Die Momente des Zweifels und der Ohnmacht. Ihre Augen funkelten bei diesen Gesprächen nicht. Sie blickte oft minutenlang in eine Richtung und ließ ihre Gedanken dabei schweifen. Sie ließ die Gedanken über sich kommen. Sie starrte dabei ins Leere. Aber in ihr, das konnte ich sehen, arbeitete ihr wahres Ich auf Hochtouren. Alsbald würde sie sich des leeren Blickes mit einem raschen Schütteln des Kopfes entledigen und der Funke würde wieder in ihren Augen zu sehen sein. So war es immer gewesen, so wird es immer sein.

Wenn ich an sie denke, dann sehe ich ein Lächeln. Ich sehe die Sonne. Ich freue mich darüber, ein Stückchen der Ewigkeit mit ihr teilen zu können. Ich schätze ihre Zeitlosigkeit und ihre leichtsinnig lockere Sicht der Dinge. Ich schätze es, dass wir so verschieden sind und dennoch so viel gemeinsam haben. Sie erinnert mich an jemanden, der ich immer sein wollte. An jemanden, der immer der inneren Stimme folgt. Sie erinnert mich an den Sinn der Leichtigkeit und das Bestreben, für immer eine unbeschwerte Seele haben zu wollen.

Die Ewigkeit schützt vor Schwere nicht, das wissen wir beide. Ganz im Gegenteil, die Erfahrungen der endlosen Situation sind mannigfaltig und unter Umständen ausschweifend. Wenn ich an sie denke, habe ich manchmal Angst, dass sie sich der Mannigfaltigkeit zu sehr hingibt und irgendwann nicht mehr aus ihr heraustreten kann. Das darf niemals geschehen. Und das wird es nicht!

Sie ist und bleibt das ewige Mädchen, das ich einst kennenlernte. Sie wird immer die sein, die sich hoffnungslos verliebt. Sie wird immer die sein, die ohne offensichtlichen Grund weint. Die, die auch mal zickig ist und Launen an den Tag legt. Sie wird aber auch immer die sein, auf die du dich verlassen kannst. Die mit dem guten Herzen...dem zu großen Herzen. Sie wird immer die sein, die tanzt und feiert, als gäbe es keinen Morgen. Die, die ohne Musik nicht leben kann. Sie wird immer das Mädchen sein, was Poster im Zimmer hängen hat und Idole, die es anhimmeln kann. Sie ist die, die nicht davon ausgeht, dass die Welt ungerecht und grausam ist. Sie ist die, die einfach lebt, mit allen Höhen und Tiefen. Sie ist das Mädchen, das sie immer sein wollte. Für jetzt und immer und darüber hinaus.