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Sonntag, 10. Mai 2020

DIADN #20 - Jan

Wilkommen zu einer neuen Folge vom Interview aus der Nachbarschaft in der covid-edition via Sprachanruf. Die heutige DIADN Folge ist nun mehr die 20ste!! Mini-Jubiläum, hooray! Dieses Mal vor meinem digitalen Mikrofon, der Jan, den ich mittlerweile seit über 3 Jahren aus dem 1 live Freundeskreis kenne. Lange war es geplant, heute ist es dann nun endlich passiert! Ich finde wieder mal, dass es ein sehr gelungenes Gespräch geworden ist. Wir sprachen über die Telefonie, geordnetes Chaos, die kleinen Dinge des Lebens, Schokolade und noch mehr!



Habt viel Spaß mit diesem Interview und bis bald.

(Das Gespräch wurde am 10.05.2020 im gegenseitigen Einverständnis aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.)

Sonntag, 3. Mai 2020

DIADN #19 - Ann, Oberhausen

Hey, hello und einen fohen Sonntag!

Eine neue Folge, ein neues Interview aus der Nachbarschaft. DIADN in der covid-Edition, Folge 19 ist nun auch online und beinhaltet dieses Mal die liebe Ann, als meine Interview-Partnerin und den Dialog, welchen wir führten. Bis auf eine kleine, missverständliche Pause meinerseits, ist das Gespräch ganz wunderbar verlaufen und wir redeten natürlich über den 1 live Freundeskreis, zudem über Käse, Fotoshootings und die Monkigkeit, die potentiell in jedem von uns steckt. Mir war es eine große Freude und ich bedanke mich bei dir, Ann, dass du mitgemacht hast.



Habt viel Spaß beim Hören und bis zum nächsten Mal.

(Das Gespräch wurde am 29.04.2020 im gegenseitigen Einverständnis aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.)

Donnerstag, 30. April 2020

Schreib-Challenge #2.2020 (Sonja): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen?



Ein Bärenleben in 3 Akten


1. Akt: Das Bärenkind

Als Kind war die Welt für den Bären noch in Ordnung. Es wurde viel gespielt und mit seinen Eltern gelacht. Sie haben zusammengehalten wie die 3 Musketiere, ganz nach dem Motto: Einer für alle und alle für Einen. Je älter der junge Bär wurde, desto häufiger war der Bärenvater abwesend. Nur die Bärenmutter war immer für ihren Sohn da und unterstützte ihn bedingungslos. Der Vater hingegen war so oft nicht zu Hause, dass er gar nicht mehr wahrnahm, wer sein Sohn eigentlich war und für welche Dinge er sich interessierte. Für ihn war es nur wichtig, dass er einen Erben für seine Firma hatte. Denn für den Bärenvater stand fest, dass sein Sohn die Firma eines Tages übernehmen würde, genauso wie er sie von seinem Vater übernommen hatte. So war es vorgesehen und so würde es kommen. Der junge Bär allerdings wollte nicht in der Firma arbeiten, er interessierte sich einfach nicht dafür. Immer wieder stritten die Beiden. Der junge Bär wollte sein Leben selbst gestalten, doch der Bärenvater machte es ihm schwer, indem er sich immer wieder einmischte und die Entscheidungen für ihn traf. Handelte und funktionierte der junge Bär nicht so wie der Vater es wollte, gab es Konsequenzen. Die Palette war groß und reichte von Taschengeldkürzungen und Ausgehverboten bis hin zu einer Tracht Prügel. Die Bärenmutter war in diesen Situationen meist machtlos, hatte sie zu große Angst, wenn die dunkle Seite des Bärenvaters zum Vorschein kam. Sie konnte sich nicht trennen, da sie nicht nur von ihm abhängig war, sondern trotz allem immer noch den liebevollen Bären in ihm sah, in den sie sich vor langer Zeit verliebt hatte. Sie versuchte ihren Sohn zu unterstützen und zu trösten, wenn es wieder zu Streit mit dem Vater kam, mehr konnte sie nicht tun. Die Zeit verging und der junge Bär begann einen Plan zu schmieden, um sich und seine Mutter zu retten. Er nahm mit dem Einverständnis seiner Mutter neben der Schule eine Arbeit an und sparte sein gesamtes Geld. Damit verschaffte er ihnen finanzielle Sicherheit. In seiner knappen Freizeit suchte er nach einer neuen Unterkunft für sich und seine Mutter. Als das geschafft und seine Mutter in den Plan eingeweiht war, warteten die Beiden auf den richtigen Augenblick für ihre Flucht. Einige Zeit später fuhr der Bärenvater auf Geschäftsreise. Mutter und Sohn packten ihre Sachen und zogen aus. Sie ließen einen Brief zurück, in dem sie ihre Entscheidung mitteilten und den Bärenvater wissen ließen, dass sie seine Ignoranz, Gewalttätigkeit und Tyrannei keinen Tag länger aushielten und deswegen gingen. Der junge Bär blickte noch einmal auf den Ort seiner Kindheit zurück und schwor sich, sollte er jemals eine eigene Familie haben, vieles anders zu machen.


2. Akt: Der erwachsene Bär

Inzwischen sind einige Jahre ins Land gezogen, seit der junge Bär weg gezogen war. Das Verhältnis zu seiner Mutter war nach wie vor hervorragend. Seinen Vater hingegen sah er nur selten. Und wenn dann nur damit er seine Enkel sehen konnte, da der junge Bär mittlerweile eine eigene Familie gegründet hatte. Gemeinsam mit seiner Bärin hatte er zwei wundervolle Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Er liebte seine kleine Familie abgöttisch. Er war mit seiner Arbeit zufrieden und konnte sich nicht vorstellen was dieses Glück zerstören können sollte, bis das Telefon klingelte. Eigentlich war es ein positives Gespräch, er sollte befördert werden und eine ordentliche Gehaltserhöhung bekommen. Er war sich sicher, dass er die neue Position gut ausfüllen könnte. Aber er war auch unsicher, da sie wesentlich mehr Arbeit bedeutete und damit weniger Zeit für die Familie. Er suchte bei seiner Mutter Rat, die ihren Sohn immer noch bedingungslos unterstützte. Sie war sicher, dass er auch selbst die richtige Entscheidung treffen würde und erinnerte ihn daran, was geschah als der Bärenvater anfing mehr zu arbeiten und weniger Zeit für die Familie hatte. Nachdem er das Angebot auch mit seiner Bärin besprochen hatte, nahm er es schließlich an. Bald arbeitete er Tag und Nacht, schlief wenig und war dadurch schnell gereizt. Er überschüttete seine kleine Familie mit Geschenken, um die fehlende Familienzeit wettzumachen. Die alte Bärenmutter beobachtete besorgt die Entwicklung, beschloss aber sich vorerst nicht einzumischen. Auch die Bärin war besorgt und wandte sich schließlich an die alte Bärenmutter. Die beiden Kinder wurden unbemerkt von ihrem Vater immer unglücklicher und ließen in der Schule stark nach. Sehnsüchtig warteten sie jeden Abend auf ihren Vater, der aber immer seltener zu ihrer Schlafenszeit zu Hause war. Um ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen, fingen sie in den seltenen Tagen wo er zu Hause war Streit an. Sie warfen ihm vor, dass er sich nicht für sie interessiere und ihm egal war, wie es ihnen geht. Nach einem besonders großen Streit brachte ihre Kinder zu der alten Bärenmutter und konfrontierte den jungen Bären. Er müsse sich entscheiden, da sie das nicht länger mitmachen würde. Entweder die Arbeit oder die Familie, beides würde so nicht funktionieren. Als der junge Bär seiner ständigen Gereiztheit freien Lauf ließ, verließ die Bärin wortlos die Wohnung. Der junge Bär blieb zurück und zerschmetterte in seiner Wut das Mobiliar. Als er sich beruhigt hatte, fing er an sein Verhalten in Frage zu stellen. Er begriff, dass er sich durch seine Arbeit verändert hatte und von ihm selbst unbemerkt zu seinem eigenen Vater geworden war. Dabei sollten seine Kinder es doch mal besser haben als er selbst. Er beschloss die Reißleine zu ziehen und wieder zu einem anständigen Bären zu werden. Er suchte eine neue Arbeit und kündigte die Alte. Mit professioneller Hilfe bekam er seine Gereiztheit unter Kontrolle und schloss schließlich auch mit seinem Vater Frieden, der mit seinem Verhalten unbewusst den Grundstein gelegt hatte. Der junge Bär hoffe, dass es noch nicht zu spät war und er seine Familie noch retten konnte, aber es würde nicht einfach werden.


3. Akt: Der alte Bär

Mittlerweile ist der junge Bär alt geworden und blickt zufrieden auf sein Leben zurück. Es war damals nicht einfach gewesen, seine Bärin davon zu überzeugen zu ihm zurückzukehren und ihm noch eine Chance zu geben. Aber er war ausdauernd gewesen und hatte es schließlich geschafft. Seitdem stand seine Familie immer an erster Stelle. Selbst als seine Kinder auszogen hielt er sich zurück, auch wenn es ihm schwer fiel, sie gehen zu lassen. Anders als er sollten sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und aus ihren Fehlern lernen. Sie sollten ihren Interessen folgen und tun was sie liebten, auch wenn er nicht immer damit einverstanden war. Er war glücklich. Seine Eltern hatte er vor langer Zeit verloren und vor noch nicht langer Zeit wurde ihm auch seine Bärin genommen. Während er im Sessel saß und alte Fotos anschaute wartete er auf seinen Sohn, bei dem er seit kurzem einige Veränderungen wahrgenommen hatte. So machte sein Sohn in der letzten Zeit viele Überstunden, ignorierte die Wünsche seiner Bärin und verbrachte praktisch keine Zeit mehr mit seinem Kind. Sein Enkel kam den alten Bären häufig besuchen und wirkte seit einigen Wochen zunehmend angespannt. Als der alte Bär sich erkundigte was los sei, teilte sein Enkel ihm zögerlich mit, dass sein Vater zwar nie da war, ihm aber trotzdem großen Druck machte was die Schule anging. Er schien nie zufrieden mit den Noten seines Sohnes zu sein und gab sich mit Mittelmaß nicht zufrieden. Das war der Moment in dem der alte Bär beschloss sich, anders seine eigene Mutter damals, einzumischen und mit seinem Sohn darüber zu sprechen. Er war besorgt, dass sich die Geschichte wiederholt und wollte dies verhindern. Als der Sohn schließlich eintraf, unterhielten sie sich eine Weile, bis der alte Bär schließlich seine Besorgnis offenbarte. Sein Sohn sollte sich daran erinnern, wie er sich in seiner eigenen Kindheit fühlte, als sein Vater oft abwesend war und wie die Situation schließlich eskaliert war. Sein Sohn wollte erst nicht einsehen, dass sich sein Verhalten seiner Familie gegenüber verändert hatte. Der alte Bär redete ihm ins Gewissen, dass er dringend etwas an seinem Verhalten ändern musste, da er sonst Gefahr lief seine Familie zu verlieren, genauso wie es für einige Zeit dem alten Bären und auch dessen Vater geschehen war. Er sollte aus den Fehlern seines Vaters und Großvaters lernen und es besser machen. Für ihn war es noch nicht zu spät das Ruder wieder herumzureißen. Schlagartig wurde dem Sohn des alten Sohn bewusst, dass er, obwohl er sich geschworen hatte seine Familie niemals zu vernachlässigen, genau das getan hatte und damit in die Fußstapfen seinen Vaters getreten war und seine Fehler wiederholte. Er dankte seinem Vater, dass er sich eingemischt und ihm ins Gewissen geredet hat. Als sein Sohn schließlich ging, gab der alte Bär ihm noch mit auf den Weg, dass er niemals vergessen sollte, dass die Familie immer an erster Stelle kommt und dass man gemeinsam alles schaffen kann.

Schreib-Challenge #2.2020 (Jenny): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen?



Es gibt verschiedene Situationen, in denen die Redewendung „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ gebraucht wird, und so hat sie in den einzelnen Situationen oft völlig verschiedene Bedeutungen. Sie kann sowohl wohlwollend als auch abwertend gemeint sein. Je nachdem, welche Eigenschaft oder welcher Charakterzug des Elternteils gerade angesprochen wird.

Ich gebe euch zwei Beispiele:

1. Die Tochter eines Konzertpianisten hat seine Musikalität “geerbt“ und die Leute sagen
wohlwollend und anerkennend „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“.
2. Der Sohn eines Alkoholikers sitzt jeden Abend betrunken in einer Bar und die Leute sprechen abwertend darüber, dass „der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen“ ist.

Wenn wir weiter darüber nachdenken, stellt sich zwangsläufig die Frage, wovon es eigentlich abhängig ist, welche Eigenschaften und Charakterzüge wir von unseren Eltern übernehmen. Werden die Eigenschaften genetisch vererbt? Spielen sie sich bei uns im Bewusstsein ein, weil wir sie von den Eltern verinnerlichen? Oder haben wir die Möglichkeit, uns bewusst für bzw. gegen die Übernahme bestimmter Charakterzüge/Eigenschaften unserer Eltern zu entscheiden?
Diese Fragen kann man auf verschiedenen Ebenen beleuchten. Sie tangieren sowohl den Bereich der Genetik als auch die Bereiche Philosophie und Psychologie.

In Genetik war ich noch nie gut (Ob ich das von meinen Eltern habe?), aber ich möchte versuchen, die gestellten Fragen auf philosophisch-psychologischer Ebene zu betrachten. Dazu bietet sich an, die negative Assoziation der Redewendung herzunehmen. Ich erzähle euch nun eine kleine Geschichte.


Lia und Dina sind eineiige Zwillinge. Sie wachsen in schwierigen Verhältnissen bei ihrer Mutter auf, nachdem der Vater früh aus ihrem Leben verschwunden ist. Ihre Mutter kümmert sich nicht um die beiden, nimmt regelmäßig harte Drogen vor ihren Kindern oder ist auch mal tagelang nicht zu Hause. Natürlich bekommen Lias und Dinas Mitschüler mit, dass die zwei oft ungepflegt sind. Das nehmen sich einige Mitschüler zum Anlass, die zwei zu mobben. Das geht so lange bis Dina mit 15 ohne Abschluss von der Schule abgeht. Lia beißt sich durch und schafft trotz der Angriffe ihren Abschluss. Während Lia alles daran setzt, für ein Studium zugelassen zu werden, rutscht Dina immer mehr ab. Ohne Schulabschluss und Perspektiven verfällt Dina in eine tiefe Depression. Sie fängt an, Drogen zu nehmen – zuerst nur mal eine Line Koks, später greift sie zu stärkeren Drogen.
Lia versucht neben ihrem Studium alles, um ihrer Schwester aus diesem tiefen Loch raus zu helfen. Sie ermutigt sie zu einem Entzug, doch Dina hält es dort nicht lange aus. Die beiden verlieren sich schließlich aus den Augen. Trotz der ganzen Rückschläge und der Sorge um ihre Schwester, schafft Lia es, ihr Jura-Studium zu beenden.

Ein paar Jahre später geht Lia mit ein paar Anwaltskolleginnen aus, um den Abschluss in einem großen Fall zu feiern. Als sie aus dem Club kommen, fällt Lia eine reglose Gestalt in einer Seitenstraße auf. Sofort geht sie hin, um zu helfen, und findet Dina mit einer Spritze im Arm neben einer Mülltonne liegend. Lia schüttelt ihre Schwester und versucht, sie aufzuwecken. Als Dina zu sich kommt und ihre Schwester erkennt, sagt sie nur „Guck nicht so! Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm, oder?“…

Meiner Meinung nach, gibt es für uns zwei Möglichkeiten. Wir können uns von der Vergangenheit beeinflussen lassen, uns ihr ergeben und auf die einzige Art und Weise leben, die wir gelernt und vorgelebt bekommen haben – so wie Dina.
Oder wir versuchen, uns auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, uns nicht von der Vergangenheit leiten zu lassen, an uns zu arbeiten und unsere eigene Zukunft zu erschaffen – so wie Lia.

Natürlich habe ich das Ganze sehr vereinfacht dargestellt. Die Genetik kann man nie ganz außen vor lassen. Aber ich glaube fest daran, dass es uns möglich ist, unser Leben selbst zu gestalten. Unabhängig davon, was uns unsere Eltern vorgelebt haben. Ich glaube daran, dass ich mich entscheiden kann, welche Eigenschaften meiner Eltern ich übernehmen möchte und welche nicht. Dass ich darüber bestimmen kann, was ich anders oder besser machen möchte und es auch durchziehen kann. Ich hatte nicht so eine schwere Kindheit wie Lia und Dina, aber auch ich habe mein Paket zu tragen, wie sicher die meisten von uns. Ich finde es wichtig, dass man sich verinnerlicht, dass man ein eigenständiger Mensch ist und auch wenn unsere Eltern uns sicherlich prägen, sind wir mehr als ein Apfel, der mehr oder weniger weit vom Stamm gefallen ist.


„Wenn wir uns nur auf Ursachen in der Vergangenheit konzentrieren und versuchen, die Dinge lediglich durch das Prinzip von Ursache und Wirkung zu erklären, landen wir beim «Determinismus». Denn das würde ja bedeuten, dass unsere Gegenwart und unsere Zukunft bereits durch vergangene Ereignisse entschieden wurden und unveränderbar sind.“

(Aus „Du musst nicht von allen gemocht werden: Vom Mut, sich nicht zu verbiegen“, geschrieben von Fumitake Koga und Ichiro Kishimi)

Schreib-Challenge #2.2020 (Lena): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ (by the way, der dämlichste Satz den ich je gehört habe.) Wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen. Von Lena.



Was macht so ein Satz eigentlich mit einem. Ich hab mir das jetzt 101 Mal durch gelesen und irgendwie weiß ich immer noch nicht richtig was ich dazu schreiben soll. Was ich für eine Meinung dazu habe oder überhaupt was es mit mir macht.

Ich hab meine Eltern sehr gerne, mal mehr Mal weniger wie das eben so ist. Vieles kann ich verstehen was sie sagen und machen, heißt aber nicht das ich mich damit identifizieren kann. Bei vielen Dingen kann man nicht mit sprechen, was man „übernimmt“ ähnliche Gesichtszüge, Charaktereigenschaften. Wie oft hört man du bist wie deine Mama oder deinem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten. Solche Sätze hört man mal gerne und mal weniger gerne. Liegt wahrscheinlich auch daran, in welchem Verhältnis man zueinander steht. Aber trotzdem lässt so ein Satz einen, im besten Fall, immer Reflektieren. Man macht sich Gedanken und setzt sich intensiver damit auseinander. Ist man wirklich wie seine Eltern, will man überhaupt so sein, hat man überhaupt eine Wahl anders zu sein oder liegt es in unseren Genen das wir nur genauso sein können.

Ich halte das für Schwachsinn, auch wenn es unsere Eltern sind, wir sind trotzdem frei unsere Entscheidungen zu treffen uns von Menschen und unserer Umwelt prägen zu lassen. Die Entscheidung wie wir es machen wollen liegt allein bei uns. Auch wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt können wir immer noch Entscheiden wie wir damit umgehen wollen. Wenn es oft auch leichter ist, wenn etwas nicht so läuft wie es vielleicht soll, die Schuld bei anderen, explizit bei den Eltern, zu suchen. Letztendlich sind Eltern aber auch nur Menschen die Entscheidungen treffen, mir hat diese Sicht der Dinge geholfen.

Ich hab gelernt, meine Eltern eben nicht nur als Eltern zu sehen. Irgendwann hab ich damit anfangen, Eltern als Menschen zu sehen. Menschen die Dinge auch nicht perfekt können oder wissen. Menschen die Dinge auch erst zum ersten Mal machen. Mensch mit Unsicherheit, Fehlern und eigenen Macken.

Ich hab angefangen meine Eltern nicht nur als Eltern zu sehen als meine Freunde Eltern geworden sind. Die Menschen mit denen ich Nächte lang getanzt, gefeiert, gesoffen, gelacht und geweint habe. Meine Freunde, mit denen ich gestritten habe, mit denen ich diskutiert habe, mit denen ich Fehler gemacht habe und mit denen ich gelernt habe. Mit denen man Pläne gemacht hat, mit denen man herausgefunden hat wer man irgendwann mal sein will. Schwer vorzustellen das meine Eltern auch mal solche Menschen waren, aber tatsächlich waren sie das, junge Menschen mit Wünschen und Träumen.

Komisch das diese Menschen jetzt Eltern sind, Eltern wie meine Eltern es auch sind. Die kleine Kinderhände halten und für diese kleinen Menschen das Größte sind.

Also lese ich die Storyline zum 102ten Mal und versuche wieder drüber nach zu denken. Ist man wie seine Eltern, und wenn ja welche Eigenschaften schätze ich besonders und auf welche könnte ich verzichten oder was möchte ich auf keinen Fall genauso machen.

Letztendlich bin ich der Meinung, wenn man in den Spiegel schauen kann und ehrlich zu sich sagen kann du bist ein guter Mensch und mit dir im reinen, ist es egal ob man vielleicht auch ein kleines bisschen oder ganz viel seiner Eltern in einem erkennt. Man ist selber frei auf Eltern zu hören, sich besonderen Charakterzügen hin zugeben oder Dinge gut oder schlecht zu finden die in der eigenen Kindheit passiert sind.

Ich persönlich finde ich bin weit vom Stamm gefallen, aber irgendwie auch ganz nah. Ich erkenne immer wieder Charakterzüge oder Merkmale meiner Eltern an mir, aber am aller meisten erkenne ich mich. Ein Mensch wie meine Eltern mit Fehlern, Macken und Erfahrungen die ich gemacht habe und die ich noch machen werde. Eine wirklich Antwort kann ich also nicht auf diese Frage geben, liegt aber einfach daran das ich mich mit der Aussage aber auch überhaupt nicht anfreunden kann.

Macht euer Ding und fühlt euch frei zu sein was auch immer ihr wollt und wenn Ihr wie eure Eltern sein wollt, warum nicht.

Schreib-Challenge #2.2020 (David): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen?

 

„Du bist wie dein Vater.“

Innerlich verdrehe ich die Augen und vermeide eine Antwort. Obwohl oder gerade weil ich weiß, dass meine Mutter Recht damit hat.

Einige werden sich nun fragen, warum ein erwachsener Mann diesen Vergleich wie ein sechzehnjähriger Pubertätstrotzki ablehnt. Das ist ganz einfach: als ich etwa 18 war, verließ mein Vater die Familie. Das Vermögen nahm er mit. Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört.
Auf der Suche nach einer Alliteration, die diesen egoistischen Bummskopf gut beschreibt, kam mir erst „verantwortungsloser Vater“ in den Sinn. Verkackter Vater trifft es aber eher. Oder stinkender Stumpfkopf. Oder hirnverbrannter Heini. Oder ekliger Egomane.
Hach, ich könnte noch Stunden so weiter machen. Fakt ist nämlich leider: warum meine Mutter, meine Schwester und ich teilweise bis heute in der Scheiße sitzen, hat mit seinem Weggang zu tun. Die Gerichtsverhandlung wegen unserer alten Wohnung musste meine Mutter führen und bezahlen. Unsere Tiere mussten wir abgeben. Eine kleinere Wohnung suchen. Ein ganzes Leben in den Ausguss spülen. Und alles nur, weil Mr. Midlifecrisis keinen Bock mehr auf sein gewähltes Lebensmodell hatte. Fun Fact: im Gegensatz zu anderen konnte er sich das wirklich selbst aussuchen.

Und genau deswegen will ich nicht mit dem verglichen werden.

Nicht mal, wenn es nur um Kleinigkeiten geht. Die Art, wie ich rede, wie ich Witze mache, wie ich mich bewege. Fuck off, ich will nicht wie der sein.

Ich gebe es ja zu: wer bei der Familie meines Vaters aufgewachsen ist, konnte wahrscheinlich nur ein Arschloch werden. Als letzte Vertreter der kackigen Kalvinisten waren Geiz („Sparsamkeit“) und Fleiß („Workahollic als Fluchtmöglichkeit vor der Familie“) bei denen Sozialisationstopmodell No. 1. Die Mutter war eine verbitterte alte Frau, deren herunterhängende Mundwinkel von einem Leben kündeten, in dem Freude wahrscheinlich polizeilich verfolgt wurde.
Die Geschwister sind knauserige Geizknochen. Überhaupt ging es in dieser Familie immer nur ums Geld. Und um die Arbeit. Andere Gesprächsthemen kannte man dort nicht. Ich erinnere mich noch, wie wir alle paar Monate diese Familie besuchen mussten. Schön brav am Tisch sitzen, nicht reden, nicht spielen, nicht lachen, nicht freuen, nicht Kind sein.

Ok, eigentlich sollte ich jetzt empathisch nachvollziehen, warum mein Vater so verkorkst ist. Aber es geht nicht.

Ich erinnere mich daran, wie er mir als Kind vemurkste Ansichten von Männlichkeit einzutrichtern versuchte. Männer weinen nicht, Männer sind Handwerker, Männer sind sportlich (der Lauch, haha!), Männer sind nicht krank.

Zum Glück war ich als Kind schon kritisch. Was sicher anstrengend war.
Ich erinnere mich, wie er nicht akzeptieren wollte, dass ich einfach, verfickte Scheiße nochmal, nicht gut in Sport war. Wie ich an einer Stange im Garten Klimmzüge trainieren sollte.
Zum Glück rief immer irgendwann wieder seine Arbeit. Und er verlor das Interesse.
Überhaupt glaube ich, dass es eigentlich ein Segen war, dass der Typ sich die meiste Zeit in seinem Büro verschanzte und sich um nichts kümmerte, als zu arbeiten.

Warum konntest du Penner mir nicht wenigstes etwas dieser Eigenschaft übertragen? Manchmal bin ich so faul, dass ich sogar zum faul sein zu faul bin! Ich will nicht wie du reden, will nicht wie du Witze machen, aber eine gesunde Variante deines Arbeitshabitus, die wäre schon nice gewesen.
Ich zweifle allerdings daran, dass du irgendwas Gesundes in deinem Leben zustande bekommen hast, also sollte ich vermutlich froh sein.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Nur, dass du Lauch kein Stamm warst. Sondern ein sich windender Grashalm, der sich immer zur Seite bog, wenn es schwierig wurde. Der sich immer nur zurückzog, erst an seine Schreibmaschine, später an seinen PC, oder in sein Auto um hierhin und dorthin zu fahren.

Aber vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist es gut, dass ich nicht vom letzten Kalvinisten der Welt erzogen wurde, dass ich keinen selbstzerstörerischen Leistungshabitus habe, dass Geld für mich nicht alles ist. Wahrscheinlich wäre ich ein klassischer, unreflektierter Vertreter der Generation Y geworden, irgendein Mittelschichtjob, den ich eigentlich hasse, der aber vor der Familie, auf die ich eigentlich keinen Bock habe, die einzige Fluchtmöglichkeit darstellt. Irgendeine absurde Lebenseinstellung dazu, die nichts mit der Realität zu tun hat, stetig alle belehrend, dass mein Bauchgefühl über die Welt auch die Welt sein muss, ja, das wäre ich wahrscheinlich geworden.
Ich hätte niemals Marx gelesen, hätte mich nie für Kant interessiert, wüsste heute nichts über Bourdieu, wäre wahrscheinlich unreflektierter Alltagsrassist und Alltagssexist, würde meine Intelligenz nur bei der Arbeit ausbreiten...

Also muss ich wahrscheinlich „Danke“ sagen. Danke, dass du dich kaum an meiner Erziehung beteiligt hast.

Schreib-Challenge #2.2020 (Übersicht): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen?

Das neue Thema zu dieser Runde meiner kleinen Schreibaufgabe. In der Übersicht findet ihr die einzelnen Links zu den Beiträgen von meinen lieben Mitschreiberinnen und -schreibern. Dieses Mal mit von der Partie sind: David, Jenny, Lena, Sonja und ich. Also wieder eine satte Anzahl an verschiedenen Köpfen, Ideen und Herangehensweisen zu diesem neuen Thema. Ich würde meinen die insgesamte Länge ist bei diesem Thema etwas überschaubarer als zu letzt. Das tut dem ganzen aber natürlich keinen Abbruch und wir wünschen euch viel Spaß und Freude beim Lesen!

Hier die Links zu den einzelnen Beiträgen:

➽ David's Beitrag

➽ Jenny's Beitrag

➽ Joe's Beitrag

➽ Lena's Beitrag

➽ Sonja's Beitrag

Es ist die insgesamt fünfte Schreibaufgabe innerhalb des letzten Jahres. Ich bin immer wieder begeistert, dass sich so viele Schreiber/innen finden, die diese kleine Kreativ-Herausforderung und Schreib-Challenge mit mir bestreiten. Auf dass noch viele Themen und Aufgaben auf uns warten werden! Habt Dankt, ihr tapferen Schreiberlein!

Auf Bald - Joe

Mittwoch, 29. April 2020

Schreib-Challenge #2.2020 (Joe): Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - wie ähnlich ist man den Eltern, was übernimmt man gerne und was soll mal ganz anders laufen?

 

(Wenn ihr diesen Beitrag über die Handy-/Mobil-Ansicht anschaut: Bitte einmal das Telefon querlegen, weil wegen der Spaltenbreite und der optimalen Darstellung!!)



Du bist
so schön grün.
Das bin ich ja auch schon,
sagte der kleine Spross und
blickte an dem dicken Stamm seines
Ursprungsträgers empor. So groß werde
ich auch einmal, freute sich der Ästling.
Gerade mal 20 cm aus der Erde empor,
wusste er schon ganz genau, was er wollte.
Und was er nicht wollte. Groß, grün, standhaft?
Unbedingt! Nur 3 Meter vom Ursprung entfernt zu sein?
...naajaa...dabei sah er ein großes Potential für Wünsche.
Wie sollte er denn etwas von der Welt sehen, würde
er ein ganzes Leben auf einer Stelle sein. Fest verankert.
Zwar völlig sicher und etabliert, aber dabei total unfrei und
in einem zu hohen Maße eingeschränkt. Gefangen
im Ursprung...war das der Weg? Der Spross wusste,
eigentlich wollte er weg...aber auch wachsen.
Es war eine merkwürdige Situation, so nah
und dennoch so fern zu sein. Fern von
                       den Möglichkeiten des Lebens,                  xx
der Veränderung und
des Potentials.
xx xy xx
Stamm-
Attri-
bute:
Fixie
rung.
Gefa
ngens
chaft.
Eins
chrän
kung.
Groß.
Fülle.
                            Zeit-                        xy
bestä
ndig.
Genü
gsam.
Leben
sraum.
Spender.
Wäre ich doch mal weiter
xy                        vom Stamm und aus den Ästen gefallen.                           xx
Hätte mich doch lieber der Wind verstreut oder ein Vogel mich getragen. Sähe ich nun nicht
die stet'ge Erinnerung, dass es anders sein sollte. Bin ich anders oder ist es das Leben?

Freitag, 24. April 2020

DIADN #18 - David, Dortmund

Halli, Hallo, Hallöchen,

hier ist wieder der sympathische Podcast von Nebenan. Das Interview aus der Nachbarschaft Folge 18. Heute am Mikro, David Hinder, Schreiber, Podcaster und Poetry Slammer. Es war ein sehr sehr angenehmes Gespräch mit viel Variation und interessanten Themen. Vom Internet über seinen eigenen Podcast bis hin zum Computergame Rimworld. David hat Einiges zu sagen! Ihr findet ihn auch über die Linkliste auf meiner Blogseite oder hier: David Hinder.

Ich bedanke mich recht herzlich für dieses Gespräch und wünsche viel Spaß beim Hören!



Dieses Gespräch wurde am 22.04.2020 aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.

Sonntag, 19. April 2020

DIADN Spezial #3 - Tom, Viersen (Live-Interview)

Hey, hello!

Heute habe ich hier ein ganz besonderes Interview am Start. Zum Einen habe ich es mit Tom, meinem Lieblingsschlagzeuger und höchst wertgeschätzten Freund, geführt und zum Anderen ist es ein Live-Interview! Ihr hört hier natürlich die Aufzeichnung vom 18.04.2020, aber an diesem Samstag-Abend waren wir mit dem Interview aus der Nachbarschaft live, mit Video, bei Facebook und haben einfach frei und sehr spontan gequatscht. Wie üblich mit etwas Struktur und dem klassischen Fragenkatalog...aber es war schon sehr variabel. Besonders wenn man hier hört, wie wir dann zwischendurch mit den Zuschauern und Hörern agieren und auch von dort Fragen beantworten. Ich fand es sehr gelungen und muss sagen, es hat extrem viel Spaß gemacht. Auch wenn ich, ob der Situation mit Video, mehr Technik und Zu-Beachtendem, etwas nervös war, sage ich ganz eindeutig, pro live-Interviews und danke Tom, dass er einfach so mitgemacht hat und ein kleines Versuchskaninchen wurde.

Habt viel Spaß beim Hören und auf bald!




Dieses Gespräch wurde am 18.04.2020 aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.

Donnerstag, 16. April 2020

DIADN #17 - Sascha, Iran (Moers)

Heute haben wir eine Folge von DIADN, die so ähnlich schon einmal passiert ist und demnach recht heimisch war, obwohl mein Interviewpartner ziemlich weit weg war. Ich habe erneut mit Sascha Stöckl gesprochen. Er ist "Mit Hut um die Welt" auf seinem Fahrrad unterwegs und zwar weltweit. Als wir vor eineinhalb Jahren sprachen, war er gerade in der Türkeit. Dieses Mal ist er im Iran und ist wie wir alle von den Einschränkungen durch das Virus betroffen. Wie es ihm geht, wie seine weitere Reise aussah und wo es ihn als nächstes hinzieht, erfahrt ihr in unserem Interview. Ich bedanke mich für dieses wunderbare Interview und wünsche viel Spaß beim Hören!



Das Gespräch wurde im gegenseitigen Einverständnis am 13.04.2020 aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.

Dienstag, 14. April 2020

DIADN #16 - Verena, Aachen

Wilkommen zu einer neuen Folge DIADN.
Nummer 16 ist's jetzt schon.
Ganz spontan und völlig frei,
sprachen wir auch über das Aye-Aye.

Ein gutes Gespräch am Morgen
vertreibt bekanntlich Kummer und Sorgen.
In dieser Folge nun mit Verena,
inklusive Fragenkatalog und Individuell-Blabla.

Wir redeten via Sprachanruf
über Sport, den FK und so manchen Stuss.
Ich freue mich, dass du mitgemacht hast.
Hoffentlich hat's dir ebenso viel Spaß gemacht?

Ich bedanke mich für diesen feinen Dialog,
und das klitzekleine bisschen Unfug.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Hören.
Habt einen Guten Tag, ihr Gören.




Das Gespräch wurde im gegenseitigen Einverständnis am 12.04.2020 aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.

Sonntag, 12. April 2020

DIADN #15 - Kaan, Rheda-Wiedenbrück (Rheda)

Die erste Folge vom neubelebten Interview aus der Nachbarschaft, kurz DIADN, ist am Start (selbstverständlich in der covid-Edition via Sprachanruf). 
...und sie ist so schön und gut und wertvoll geworden, wie oft zuvor! In der fünfzehnten Auflage habe ich mit Kaan aus Rheda gesprochen. Kontaktiert und kommuniziert über den 1live-Freundeskreis bei Facebook. Da, wo eigentlich alle meine Interview-Partner herkommen. Den Kaan lese ich nun seit knapp 4 Jahren in dieser Gruppe und was soll ich sagen, obwohl wir bisher keinen direkten, privaten Kontakt hatten, lief das Interview völlig easy, höchst angenhem und sehr beidseitig ab. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt! Danke, Kaan, dass du der Erste bist, den ich hier in einer neuen Folge vom Interview aus der Nachbarschaft freudig vorstellen darf!

Hört selbst und viel Spaß damit!





Das Gespräch wurde im gegenseitigen Einverständnis am 11.04.2020 aufgezeichnet.
Musik von Tom le Mot.

Mittwoch, 8. April 2020

Covid-Frisuren


Covid-Frisuren

Was ihr es jetzt alle mit euren Haaren habt.
Eiert doch nicht so rum und schneidet sie ab
oder lasst es bleiben und nehmt es hin.
Als ob es den größten und wichtigsten Sinn
hätte. Es sind nur Haare und Frisuren,
die ja eh derweil keiner sieht, nicht mal die Huren.
Die Haare wachsen sogar wieder, wetten?!
...klappt es nicht mit dem Selbstversuch.
Probleme, die andere gerne hätten...
Oberfläche gepaart mit Eitelkeit, ein Fluch.

Was noch aus dieser Langeweile entsteht,
wird sich uns zeigen, denn jeder fleht
dieser Tage mehr um Normalität als je zuvor.
Behaltet Geduld und stellt euch vor,
was wäre, wenn es wirklich schlimm wird?
Sind die Haare dann immer noch wichtig?
Wie man aussieht, ist doch nichtig?!
Covid-Frisuren im ganzen Land,
hooray, eine Welt geht sich zur Hand.





Samstag, 20. April 2019

Altmodische Dystopie-Romantik oder Neo-Kitsch

Wenn man in der heutigen Zeit eine völlig klassische Beziehung bzw. Partnerschaft eingeht, die einfach wunderbar funktioniert, wie sie funktioniert und wenn man zudem ein abgrundtief romantischer Mensch ist, kann es einem manchmal so vorkommen, dass man sich fühlt, als sollte man besser im Mittelalter leben. So komme ich mir in der Tat derweil vor. Das liegt zum Einen an meiner sehr altmodischen Ansicht von Liebe und auf der Gegenseite an der extrem hippen und sagen wir mal: modernen Welt. Nichts gegen die Moderne. Ich find's toll, ständig und überall meine Musik hören zu können. Ich find's toll, dass es LEDs gibt. Ich finde die Idee der problemlosen Kommunikation an sich auch gut. Warum fühle ich mich also, als wäre ich im Mittelalter besser aufgehoben, obwohl ich in einem modernen aber dystopischen Umfeld leben muss? Aber es ist ja erst eine Dystopie, wenn die Gesellschaft es bestätigt und es selbst über sich sagt. Obwohl alle immer jammern und nicht wirklich wissen, was sie wollen, sind sie dennoch zu nah und subjektiv an der Masse, um sich einen distanzierten Blick erlauben zu können, der eventuell sagt: Ja, das ist dystopisch. Aber nun gut. Mittelalter-Ich meets Future-Fame-Egos.

Das Mittelalter-Ich: Es schreibt Gedichte und Oden. Es ist ein etikettiertes Wesen und besitzt ritterlichen Edelmut. Es weiß um die rar gesäten Möglichkeiten, wenn es um das Avancieren und Begehren einer Herzdame geht, die von nun an in seinem edlen Leben die größte Rolle spielen soll.
Das Mittelalter-Ich ist ein klassischer Verfechter von Knigge-Ideen, ist ein wahrer Gentleman und darüber hinaus hat es den kreativen Geist alter Poeten und Künstler. Es würde eine Laute besitzen, mit der es unter dem steingerahmten Fenster eines Turmes stünde, um einer holden Maid Oden zu schmettern...egal ob des Nachts, bei Wind oder gar Wetter. Wobei das Wetter im Mittelalter wohl echt beschissener gewesen ist. "Klimawandel" war damals ja noch nicht so im Trend, wie derweil...

Wenn ich so in die Moderne-Dystopie schaue, sehe ich nur noch wenige dieser klassischen Werte und Ansichten, die das Mittelalter-Ich zum Mittelalter-Ich machen. Zwar wollen alle immernoch irgendwie glücklich und zufrieden sein, dies auch gerne unter zur Hilfenahme eines Teilzeit-Partners, aber der Weg zum vermeintlichen Glück ist so ein Anderer, als er mal gewesen ist. Heutzutage gibt es eine andere Art von persönlichem Glück: die kurzfristige Geltung. Lieber oberflächlich von Hunderten bestätigt werden, als von einem, der es wirklich echt und ehrlich meint. Nun gut. Die Masse ist, was die Masse macht. Macht die Masse Kurzfristigkeit, ist die Masse Kurzfristigkeit. Will die Masse Fame statt Dame, wird die Masse Fame und lame. Was die Masse will: ein paar Minuten gelten, um unmittelbar zum Obermufti in Brave-New-World zu werden. Das Lustige: jeder will der Obermufti sein und keinen interessierts, was der andere macht. So wirds immer irgendwen geben, der als aller Erster da war und dann den Rest, der nur mitmacht und abkupfert. Was ist denn aus der Persönlichkeit geworden? Was ist mit individuellem Anspruch, frage ich mich. Wer stellt sich denn noch unter das steingerahmte Fenster eines Turmes? Wer schreibt denn noch Gedichte oder ist ernsthaft daran interessiert, dass es jemand anderem besser gehen soll, als sich selbst?

Genau: Das Mittelalter-Ich. Es opfert sein letztes Hemd, verhökert sogar seinen Gaul oder bindet gar Flechten aus Haar, um ein Stück weit näher sein zu können. Es besitzt weder ein Navigationsgerät, noch wird es vom "Teufel in der Hand" besessen. Da Hexen ja eh nur ein Mythos sind, ist der Grad der Besessenheit im Mittelalter offenbar doch sehr viel geringer gewesen, als es jetzt in der Moderne ist. Aber was sind schon Mythen?! Keiner mag Mythen, die sind ja eh nicht echt, sagen sie dann. Das kann man eh nicht erreichen, sagen sie dann. Und dann kommt da die Masse wieder daher und macht, was die Masse macht. Zack: alle Mythen entkräftet. Und dabei schaut die Masse in den Staub. Nicht nach oben oder nach vorne, nein, nach unten. Fast unentwegt. Vielleicht bekommt die Gesellschaft ja deshalb nicht mehr mit, wie sie sich selbst manipuliert. Könnte ja sein?!

Das Mitelalter-Ich befindet sich aber nun mal auch in dieser Neo-Dystopie und fragt sich, wo das Mittelalter abgeblieben ist. Manchmal fragt es sich aber auch, warum das Ich in dieser falschen Zeit feststeckt. Dann wiederum erkennt es, dass es die Masse ist, was es an sich selbst zweifeln lässt. Es ist nicht wie die moderne Masse...es ist ja auch das Mittelalter-Ich. Es ist gut, wie es ist. Es ist ein vergangener Traum, der heute nicht mehr geträumt wird. Es ist erstrebenswert für die, die auch lieber im Mittelalter wären. Es passt nicht in die Masse. Dennoch möchte die Masse natürlich sehr, dass es ein Teil von ihr wird.

"Halte ein, oh Masse!" verkündet nun das Mittelalter-Ich: "Hinfort mit dir, du grausig Wesen. Nichts über Nichts würde ich erbarmen, dir zu entsprechen. So lass mich dann in Ruh, hinfort, du dunkle Macht!", und fügt hinzu: "Alles, was ich brauche habe ich doch schon. Was obliegt dir so zu tun, als würde etwas Andres helfen, mir zu sagen, was ich soll tun oder was ich soll sein?
Mein eigner Anspruch zur Genüge, dem will ich nur entsprechen und züge daraus mein Glück. Ganz einfach mit etwas Mühe, Anstand und Poesie im Herzen. Oh warte, die Worte mögen dir so fremd erscheinen – kürzt Du doch dein eignes Wort, um einfacher und weniger machen zu müssen. Lasst mich in Ruh mir euren Mannigfaltigkeiten und Geworbnem. Das einzig wahre Wort versprech ich nur der Maid aus dem Turm mit dem steingerahmten Fenster. So, hinfort von diesem Ort, in den Staub mit dir!"

"Hmmm? Hast du was gesagt, du Sonderling?" entgegnete die Masse und zögerte nicht, sich selbst mit einem oberflächlichen aber eindeutigen "Okay" zu bestätigen und zog gänzlich un-irritiert weiter. Das Mittelalter-Ich freute sich, das Ungetüm in die Flucht geschlagen zu haben und bewies sich selbst seinen ritterlichen Mut. Die Masse war immer noch die Masse und das Mittelalter-Ich wollte immer noch im Mittelalter verweilen. So trennte sich dann die Spreu vom Weizen und Spreu blieb, was das Spreu blieb. Nämlich: übrig und ziemlich wertlos, im Vergleich zum Weizen.

Das Mittelalter-Ich zog dann alsbald mit seiner Herzdame (und dem Weizen) von Dannen und baute fernab der Masse einen eigenen Turm, mit nicht nur einem, sondern gleich drei steingerahmten Fenstern, einem kleinen Hof und einem verzierten Handlauf im inneren des Turmes. Das Leben war leicht und voller Glück. Das Mittelalter-Ich war nun endlich wieder in seiner Zeit angekommen und strebte an, dort zu verweilen. Es würde zudem ständig den Hofe kehren, fegen, bürsten und pflegen, um in der Ruhe des Glückes, mit seiner holden Maid auf ewig zu verweilen.

Dienstag, 16. April 2019

Dichterdienstag 19KW16 - Ein Blick fürs Glück

Mit einem Blick da fängt es an.
Die Resonanzen unserer Gedanken
und Erwiederungen unserer Erinnerungen,
wecken den vertrauten Drang
nach dem sehnsüchtigst Verlangten.

Ein Blick genügt, um die Bilder,
wie von ganz allein, zurück zu empfinden.
Gedanken der Begeisterung lindern
den Moment der Einsamkeit, wissend,
um die Möglichkeit und Einfachheit.

In Sekunden ist's entschieden.
Nähe bahnt sich nun ihren Weg
und übernimmt die stillen Gedanken.
Macht aus Erinnerungen Taten, schnell,
und lässt uns nicht lang warten.

Verlangen ist ein wichtiges Begehr.
Verlangen nach der Perfektion.
Verlangen nach dieser Situation.
Verlangen nach diesem einen Moment.
Verlangen danach, dass die Zeit anhält.

Wissend um die akurate Zustimmung,
ist es ein gar leichtes Tun, was
wie von selbst dann dazu führt, Spaß
zu haben, mit sensibler Wahrnehmung
und los zu lassen in genehmer Einigung.

Ein Blick fürs Glück regt vieles an.
Er sieht, er zeigt, er macht uns an.
Er weiß, was werden würde oder könnte,
spielt, suggeriert und macht uns Freude.

Er verlangt nach dem ganz eigenen Begehr,
dies zu entfachen, um dann immer mehr
einzutauchen in dies' einzigart'ge Glück,
Stück für Stück und Blick um Blick!

Bei diesem einen Blick da wissen wir,
wer wir sind und was wir wollen. Wir
sagen nichts und fühlen stimmig überein.
Ein Blick fürs Glück sollte ganz genau so sein.

Dienstag, 9. April 2019

Wichtiger Dichterdienstag 19KW15 - Elixier

Eines der tollsten Gefühle auf dieser Welt
ist nicht etwa Ansehen, Macht oder Geld.
Nein, es ist etwas ganz Eigenes, was jeder kennen sollte.
Es ist die Sucht nach dem Sehnen, die ich immer wollte.

Dieses wundervolle Gefühl, das sich ausbreitet.
Das sich immer und immer mehr entfaltet.
Das Verlangen, die Schmacht, die Sehnsucht.
Das Wollen und Wünschen dieser süßen Frucht.

Einmal gekostet, da war es um mich geschehen.
Ich will's nicht mehr missen, muss ich gestehen.
Ein überwältigendes Gefühl, sich dieser Hingabe hinzugeben.
Alles, was ich möchte ist, dies immer wieder zu erleben.

Ich mag nicht mehr ohne dieses famose Glück,
welches entspringt aus deinem feinen Herzen,
sich dann verteilt auf meinen eig'nen Nerven.
Ich sehne mich so sehr nach dir und deinem zarten Blick.

Wenn ich dann am Fenster stehe, um einen Gedanken zu fassen,
verteuf'le ich die Distanz, die Zeit und die Umstände,
die unsere Sehnsucht etwas bitter-süß erscheinen lassen.

Dann schreib ich dir ganze Romane, Briefe und Liebe in Bänden.
Ich hoffe, sie kommen zahlreich bei dir an und finden
Anklang in deinen Ohren, deinem Geist und winden

sich empor, um dir ebenso ein Endorphin zu schenken.
Ich bin hier, warte auf dich und versuche zu lenken,
was mein Herz begehrt und höre nicht auf, an dich zu denken.

Wenn ich meine Augen schließe und meine Arme um dich lege,
ist es so als würde alles stumm, was sich ringsherum
der Normalität normaler Weise in Krach und Chaos ergäbe.

Ruhe, Emotion und Leichtigkeit sind nur ein paar der Güter,
die du mir gibst, die ich brauche, die ich fühlte,
als du bei mir warst, gestern, heute und auch später
wird es immer so gewesen sein, als kannten wir uns're ewigen Gemüter.

Verständnis, Loyalität und Begehren, diese Worte will ich tatendlich
in Taten wandeln, um dir zu zeigen, wie wunderbar unendlich
Zeit sein kann, wenn die Vorfreude größer ist als die Zeit an sich.
Wissentlich der Endlichkeit der Anderen, die sich nur oberflächlich
an platten Stereotypen ergötzen können und nicht hinsichtig
hinschauen, was darunter verborgen liegt, so wohlig und so warmherzig.

Ich habe Dich einfach angenommen und nun bist Du bei mir angekommen.
Lass' mich für Dich da sein, wenn Du strauchelst,
wenn Du Ruhe suchst oder etwas brauchst, es
erschließt sich meinem Geiste nun, sage nichts, ich habe es schon vernommen.

Stiller Gedankentausch und klingende Synchronizität,
sind die wahren Wiederkehrer und zwar derer, die verbunden sind.
Derer, für die das Schöne und das Echte zählt.
Warme Wogen der Begeisterung tanzen euphorisch-sanft im Wind.

Ich bin von nun an an deiner Seite,
stehe bei dir, für dich ein und halte
deine feinen Hände in den Meinen,
höre deiner Seele zu und werde bleiben.

Die Sehnsucht, Schmacht und das Verlangen
werden niemals jemals enden wollen.
Du belebst mich, mein Herz, Du, mein Elixier!
Lass und leben, lieben, lachen: Du, mein Wir!

Mittwoch, 3. April 2019

Dichterdienstag 19KW14 - Lappenmann

Es ging einst längs die Straße lang,
ein Typ...und zwar der Lappenmann.
Er wedelte so mit seinem Lappen rum.
Oh Graus, oh Graus, er war ganz krumm.

Was wedelst du so rum, du Lappentyp?
Machst du sauber oder hat dich keiner lieb?
Pack den Lappen lieber wieder ein!
Wie sind hier nicht im Zoo, du Schwein!

Wie jetzt? Wo jetzt? Nicht im Zoo?
Wollt' nur wedeln und war schon froh,
hier mit dem Lappen zu markieren...
...weil: jeder wird mich lieben...!

In den Staub mit dir, du Lappenmann!
Guck, da liegt der Dreck, nun fang schon an,
zu tun, wie es dir befohlen ist.
Nimm ihn auf, den ganzen Mist.

Lieber wedel' ich mit meinem Lappen rum.
Irgendwer find's schon toll, wenn's dumm,
ist, dann ist's auch einfacher für mich.
Lappen an Lumpen, an mein Gesicht.

Hinfort mit dir, du schmieriger Lump!
Lappenliebe ist und bleibt so plump,
wie dein artverwandter Aufnehmer,
Lappen und Lumpen ohne Wiederkehr.

Lass meinen Lappen Lappen sein, du Wicht.
Du hast bestimmt keinen Eigenen, nicht?!
Du bist nur neidisch auf meinen Lappen.
Und hast bestimmt selbst nicht viel zu lachen.

Mit Nichten, du lausiger Lappenmann,
alles gut...nur frag ich mich ab und an,
wann werden Lappen endlich leise sein?
Wann wird der Dreck ein Teil von euch sein?

Keine Ahnung, ist mir ziemlich Peng...
Hauptsache wedeln, so aus der Lameng,
Lappen hier und Lumpen dort,
Ich mach, was ich will, an diesem Ort.

Traurige Lappenliebe par excellence,
ich schüttel den Kopf und geb's auf,
den Sinn dahinter zu erkennen...
Bitte, Leben...lass die Lappen brennen.

Es ging einst längs die Straße lang,
ein Typ...und zwar der Lappenmann.
Es wird sie immer geben, diese Lumpen...
...Lappen sind leider echt und nicht erfunden.

Montag, 30. April 2018

Ein April-Post und Zusammenfassung

Hello meine lieben Leserinnen und Leser,

ich wollte den April jetzt nicht gänzlich unbeschrieben lassen und trage einfach mal ein bisschen zusammen, was sich in den letzten Wochen so getan hat. Es gibt also in dem Beitrag kein spezielles Thema oder etwas, auf das ich konkret hinschreiben. Vielmehr eine Aktualisierung, eine Bestandsaufnahme und eine Reflexion der Dinge.

Well, für die Stimmung beim Schreiben habe ich mir mal den Bladerunner 2049 Soundtrack angemacht. Ein Wahnsinns-Film und zudem ein Soundtrack von Herrn Zimmer, der wieder mal alles kann, was er können muss. Er ist einfach gut!

Wo fange ich an? Hmm...also, es war einmal der mittelgroße Joe. Der stand mal total gut im Leben und ließ sich seine Kopflastigkeit gar niemals anmerken. Er war zwar immer schon
ein Realist und die Gedanken waren stets umfangreich, aber er war damals so viel "leichter" als heute. Damit ist natürlich ein metaphorisches Gewicht gemeint. Die Schwere der Gedanken, die Zweifel an der eigenen Person, Kritik an Vielem etc....

Nun ist es ja so, dass ich in den letzten 2-3 Jahren immer mal wieder ganz am Boden gewesen bin und ich mich schwerlich von den depressiven Gefühlen, den schwarzen Löchern und der Antriebslosigkeit dieser Zeit frei machen konnte. Es war im Rahmen des Krankheitsbildes einfach nicht möglich. Jeder, der keine Depressions-Erfahrung hat, wird dieses Gefühl nicht nachvollziehen können. Aber ich sage Euch, es ist wirklich nicht schön, wie es war. ABER! Es schleicht sich weiterhin immer mehr und mehr aus. Ich merke es, spüre es, reflektiere es und möchte das Positive wahrnehmen. Das ist gut.

Diese metaphorische Leichtigkeit kommt nun Stück für Stück immer mehr zurück. Ich werde zwar nie wieder so sein, wie ich es mit fünfundzwanzig war, aber das Streben nach der Unbeschwertheit mit einem - nun etwas anderen Charakter - ist weiterhin mein Ziel. Ich will nicht mehr so viel zweifeln, ich will nicht immer nur der permanente Kritiker sein. Ich will mich nicht immer selber verurteilen. Ich bin ja immer noch ich und grundsätzlich bin ich auch immer ich gewesen. Allerdings machen gewisse Sachen einfach Sachen mit einem, die einen teilweise verändern können.

Ich werde grundsätzlich immer sensibel und aufmerksam sein und mir viele Gedanken machen, das gehört einfach zu mir dazu. Aber die emotionalen Empfindungen und Grenzerfahrungen hinterlassen doch gewisse Spuren, das kann man nicht abstreiten. Dennoch möchte ich irgendwann einfach sagen können:

 "Guck hier, diese Spuren, diese Narben, ja, das war damals, es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht und es ist gut daran erinnert zu werden."

Und ja, ich muss sagen, dass die letzten Wochen zwar alles andere als leicht waren, ich aber komplett anders mit den aktuellen Problemen umgehe. Es ist wieder möglich, an die Lösungen zu denken und nicht nur an die unzumutbare Bewältigung des Lebens (so empfand ich es eine ganze Zeit lang).

Ja, meine Band hat sich aufgelöst. Ja, ich hatte eine Zeit lang keinen Job. Ja, ich habe mich gesellschaftlich wieder etwas zurückgehalten. Ja, ich hatte immer noch keine Dates oder romantisch angehauchten Situationen. Ja, es könnte irgendwie alles besser sein. Aber, was ich weiterhin lerne, empfinde und mitbekomme, ist, dass ich gedanklich nicht wieder in diese ominösen Teufelskreise verfalle. Ich empfinde Probleme zwar weiterhin als schwierig, aber lösbar.

Ich habe mich um einen neuen Job bemüht und etwas gefunden. Ich darf weiterhin mit einem ganz wunderbaren Menschen, Schlagzeuger und Rhythmus-Kollegen Musik machen. Die Veränderungen waren zwar nicht schön und dadurch habe ich wieder völlig neue Erfahrungen machen dürfen, aber Veränderungen bringen tatsächlich etwas Positives mit sich, das wird mir im Moment sehr bewusst. Und das ist enorm wichtig, dass ich das wieder wahrnehmen kann!

Ein neuer Job bedeutet, wieder teilhaben haben zu können, Verantwortung übernehmen, Regelmäßigkeiten passieren lassen. Der Bruch mit der Band bietet uns beiden (dem Tommler und mir) die Möglichkeit etwas Neues, Eigenes und Persönliches auf die Beine zustellen, auf das wir richtig Bock haben. Wir bauen fleißig an der neuen Insel und die ersten Besucher kommen auch schon. Je nach dem, wie Diese sich anschicken, dürfen sie auf bleiben. Der Job macht Laune, es ist wieder etwas für das ich meine Verantwortung gerne bereitstelle. Eine neue Band findet sich. Alles wird gut!

Aufgrund der temporären wirtschaftlichen Situation habe ich den gesellschaftlichen Aspekt allerdings echt wieder vernachlässigt, das kann ich nicht leugnen. Ich habe zwar teilgenommen, aber nur sehr sporadisch. Kommunikation hat stattgefunden, aber nur mit den wichtigsten Menschen (Familie, zwei langjährige Freunde und mein Schlagzeuger, der sich anschickt, eine enorme Zeit im meinem Leben zu erhalten; find ich gut. Verständnis und Musik verbinden).

Klar, wenn du keine Kohle hast und gucken musst, dass du einfach nur über die Runden kommst, sind alle anderen gesellschaftlichen Ereignisse und Freizeitgestaltungen eher unnötig und nicht bedenkenswert, da alles irgendwie Kohle benötigt. Ich habe meine Prioritäten also aufs Wesentliche reduziert. Dass ich wieder aus den Vollen schöpfen kann, ist zwar nicht von heute auf morgen getan - die Glättung der Umstände wird noch ein bisschen Zeit benötigen - aber ich habe Geduld und das Wichtigste: ich lasse mich von diesen Umständen nicht unterkriegen! Dass ich dann bald mal wieder ins Kino gehen oder Party machen kann, oder einfach mal in eine fremde Stadt fahre um neue oder alte Menschen zu treffen, das wird dann auch bald wieder möglich sein. So lange sollte ich mich aber so gut es geht aus dem Internet raushalten, um nicht doch noch zu Tode gespoilert zu werden (Avengers Infinity War!)

...wobei ich ja schon im Internet sein möchte, denn die Sache mit den Frauen ist echt so ne Sache. So langsam wirds echt lang, nervig und ich werde (oha) ungeduldig. Und wo sonst, als im Internet, macht man die meisten Kontakte?! Da ich ja durchaus weiß, wie man sich artikuliert und ein ganz anständiger Kerl bin, der ja durchaus was zu bieten hat, sollte es ja eigentlich ein Klacks sein, auch in diesem Level mal wieder über das Tutorial hinweg zu kommen.

Aber auch hier: wenn sich die Lage wieder entspannt hat, kann ich auch wieder mehr an "Draußen" teilhaben und lerne dann im Bestfall Leute über Leute kennen. Alles das, was sonst normalerweise so passiert, wenn man im Leben ist. Keine Frage, Leben, ich komme wieder. Und ja, ich versuche auch etwas oberflächlicher teilzunehmen und mich nicht zu sehr, zu lange mit Dingen aufzuhalten.

System, ich kritisiere Dich zwar weiterhin (das wird auch immer so bleiben) aber ich durchschaue Dich und ich nutze die Muster und Verbindungen zu meinen Gunsten aus. Kann ja nicht so schwer sein. Mal sehen, wie ich bald darüber schreibe. Vielleicht klappts, vielleicht stoße ich trotzdem wieder an meine eigenen Ansprüche bzw. die der Umwelt, aber hey:

Neuer Job, neue Band, neues (altes, neues) Leben, neuer Sex, neue Liebe. Klingt gut. 2,75 von 5: check. Der Rest ist in Artbeit.